schockierend? werbend!

Sieh an: »„Schockbilder“ nun auch auf deutschen Packungen – In anderen Ländern ist das bereits üblich. Ziel ist es, vor allem junge Menschen vom Rauchen abzuhalten« (Quelle: Deutschlandfunk).
Seltsamerweise finden sich keine Zahlen darüber, welchen Effekt die Schockbilder tatsächlich haben: Um wieviel wäre der Nikotinkonsum in Ländern, in denen Schockwerbung bereits üblich ist, Uruguay beispielsweise, höher, wenn keine Bildchen aufgedruckt wären? Um wieviel bessert sich die Krankenbilanz, wenn wegen der neuartigen Zigarettenbilder – mit Schockmotiv zwar, aber doch Sammelbilder! – Nikotion sorgfältiger konsumiert wird?
Was weiß denn eigentlich „Tante Wiki” über Zigarettenbilder? »Zigarettenbilder sind eine Sonderform der Sammelbilder. Sie wurden Zigarettenschachteln beigelegt […]. Zigarettenbilder stellen einen Aspekt der Alltagskultur […] dar. […] 1955 verbot die Bundesregierung die Beigabe von Sammelbildchen zu Tabakprodukten, und der Bundesgerichtshof entschied 1957, dass nur Bilder mit Werbemotiven zulässig seien – daraufhin hat diese Form der Sammelbilder an Bedeutung verloren und wurde dann in den 1960er Jahren durch die Fußballbildchen […] abgelöst« (Quelle: Wikipedia; Hervorhebungen nachträglich eingefügt). Nun ja, rund 60 Jahre später gibt es also wieder die „Beigabe von Sammelbildchen zu Tabakprodukten”. Und die für die Nikotinwerbung offenbar für „zulässig erklärten Werbemotive” sind halt Schockbilder – wieso auch immer.

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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16 Antworten zu schockierend? werbend!

  1. kiki0104 schreibt:

    Es ist erwiesen, dass solche Bilder psychischen Stress auslösen. Und was macht der Nikotinsüchtige bei Stress? Genau: Er zündet sich erst mal eine zur Beruhigung an… und da haben wir es. Außerdem: Negativwerbung ist auch eine Art von Werbung.

    • ausgesucht schreibt:

      Ganz unbestritten, da stimme ich Dir zu: Negativwerbung ist auch eine Art von Werbung.
      Nur den „Schnörkel” sehe ich als nicht wesentlich an: Schockbild → Psychostreß → deswegen (mehr) Rauchen. Diese Bilder werden genauso studiert und verinnerlicht, wie bisher die „Verhütungssprüchlein”, nämlich gar nicht. Frag einen Armbanduhrträger, welche Form/Farbe die Stundenmarkierungen auf seinem Ziffernblatt haben! Wenn’s hoch kommt, weiß das eine Handvoll aller Befragten. Frag einen Raucher, welches Bildlein auf seiner Packung ist…

  2. kiki0104 schreibt:

    Einigen wir uns: Die Raucher, die sich nicht schocken lassen, interessieren sich nicht dafür… ^^

  3. pfeilgiftelefant schreibt:

    Na ja, es gibt wohl Studien darüber, ob diese Bilder Wirkung zeigen oder nicht. Wie vertrauenswürdig die sind, weiß ich nicht, aber da kam zum Beispiel raus, dass die Einführung der Bilder 67% der befragten Raucher in Brasilien dazu geführt hat, mit dem Rauchen aufhören zu wollen. (Ob sie dann auch tatsächlich aufhörten, ist nicht gesagt.)
    Also, ich bin da gemischter Meinung, aber schaden tun die Bilder auf jeden Fall nicht, und wenn es auch nur wenige Menschen dazu bringt, weniger zu rauchen, ist das doch schon ein Fortschritt, oder nicht?

    • ausgesucht schreibt:

      Genau das richtige Stichwort: »vertrauenswürdige Studie«. Von wem durchgeführt, in wessen Auftrag, wem nützt sie?
      Übrigens nehme ich mir immer, wenn ich einen Adler stolz durch die Luft segeln sehe, ganz fest vor, aus eigener Kraft zu fliegen anfangen zu wollen – soviel zum Thema: »mit dem Rauchen aufhören zu wollen«.

      Und was Deinen letztgenannten Satz angeht, hätte ich zwei Einwände: ist es wirklich rational, beliebigen Aufwand zu treiben, um vielleicht einen winzigen Effekt zu erzielen, und ist es tatsächlich erwiesen, daß die Bilder in keinem Fall schaden (auch nicht durch die allgemeine Herabsetzung der Hemmschwelle gegen Schocksituationen)?

  4. wotsefak schreibt:

    Bei uns gibts solche Bilder nun schon länger. Keine Ahnung ob es irgendwelche Erhebungen über ihre Effektivität gibt. Aber ich kenne keinen der deswegen aufgehört hat.
    Allerdings kenne ich ein paar die einen Rauchstopp durchgezogen haben, weil der Preis/Packung mit 8.- CHF + langsam zu teuer wurde

    • ausgesucht schreibt:

      … es scheint mir leicht nachvollziehbar, daß der Preis tatsächlich ein wirkungsvoller Hebel ist. Allerdings kann dieser Hebel nicht beliebig lang gemacht werden, um damit letztlich Steuern zu erpressen: der Schwarzmarktpreis ist – selbst wenn er risikobereinigt zum Vergleich herangezogen wird – ein ebenso wirksamer „Gegenhebel”

  5. hanneweb schreibt:

    Die Schockbilder waren bereits zu meiner Raucherzeit, seit fast 6 Jahren nach schwerer Bronchitis Nichtraucherin 🙂 Thema und besorgte mir deshalb damals schon eine sehr hübsche Zigarettenbox aus Kunststoff.
    Echte Raucher schrecken solche Schockbilder also im Grunde nur bedingt ab würde ich dazu sagen 😉
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünsche ich

    • ausgesucht schreibt:

      Ich stimme, was Deine Mutmaßung über die abschreckende Wirkung solcher Bilder angeht, vollkommen zu und würde sogar noch Ärgeres vermuten: Schockbilder schrecken zu 99,x % nicht ab…

      Aber vielleicht sollte die Regierung, da ja eh die Jugend die Zielgruppe ist, über ein generelles soziales Jahr (oder 3 Monate, das ist verhandelbar) nachdenken? Zur Grundausbilung der Jugendlichen könnte doch an der Schwelle zum Erwachsenwerden ein in vollwertiger (also gemäß Arbeitszeit und Entlöhung) Anstellung zu praktizierender Einsatz in Krankenstationen oder Palliativhospizen gehören, nicht wahr? Das wäre doch mal eine Lebensschule der prägenden Art…

      • hanneweb schreibt:

        Diese Idee stand, soweit ich mich erinnere, schon mal im Raum. Wie eben immer wieder so viele wirklich gute Alternativen zur „Umerziehung“…….. gebe dir voll und ganz Recht!
        Wäre wirklich sehr viel besser und auch sinnvoller, wenn jugendliche Raucher eine gewisse Zeit in Suchtkliniken und/oder auch anderen ensprechenden Kliniken, Hospizen einen sozialen Dienst antreten würden/müssten. Unter anderem auch um zu sehen, hautnah zu erleben, wie „uncool“ sich all das konsumierte Gift mit der Zeit dann doch auf den Körper auswirkt.

        • ausgesucht schreibt:

          … und da wir Deutschen (und wohl nicht nur wir) Meister im Verdrängen des Unangenehmen sind (als ob das Leben ein Ponyhof wär oder hochglänzend wie in Zeitschriften), gäb es ein paar Lektionen im Fach „reales Leben”. Und „ganz nebenbei” gäbe es eine wundervolle „Kur” für die desolate Arbeitsmarktsituation speziell für Schwestern- und Pflegedienste.

  6. Stephanie Jaeckel schreibt:

    Vielleicht fangen ja auch noch Leute an zu rauchen, die gerne Horrorfilme sehen?

    • ausgesucht schreibt:

      Ganz genau. Klingt verrückt, könnte aber die andere Seite der Medaille sein, die in der Statistik gern einmal „übersehen” wird, um eine blitzsaubere Erfolgsstatistik vorweisen zu können… ^_^

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