scheinheilig?

»Ob wir am 18. März mit Gauck einen guten Bundespräsidenten erhalten werden, wird sich erst noch zeigen. Meinem höchst persönlichen Empfinden nach ist er keine gute Wahl, um die Bunte Republik zu repräsentieren«, so textete ich am 22.02.2012 auf der hier einsehbaren Artikelsammlung (vulgo: in diesem Blog). Nun ja, da habe ich mich wohl geirrt. Nein, nicht was seine bundespräsidialen Leistungen angeht, da sehe ich G. (nunmehr durchaus auch belegbar) unangefochten auf Platz Eins der BuPrä-Rangliste – wobei kleine Zahlen einen niederen Rang…
Nach seiner heroischen Großtat, den Verzicht auf eine Amtsfortführung aus gesundheit­lichen Gründen anzukündigen (m. E. sein einzig nennenswertes Verdienst), überschlägt sich die buntdeutsche Mehrheit förmlich, G. über den Klee zu loben. Ist es Erleichterung? Oder befolgt man nur: »de mortuis nil nisi bene«? Zumindest finde ich es sehr beruhigend, daß sich tatsächlich kritische Stimmen hören lassen, wenn auch leider nur vereinzelt; in der MAZ vom 21.06.2016 war dieser Leserbrief abgedruckt:MAZ_20160621_GauckTja, wenn sich die Mehrheit der Bevölkerung eines Landes von einem solchen Herren (anders als eingangs zitiert) gut repräsentiert fühlt, was mag das über das Land (und sein Volk sowieso) aussagen?

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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10 Antworten zu scheinheilig?

  1. Fred Lang schreibt:

    Auch auf die Gefahr hin, jetzt Haue zu bekommen, bin ich der Meinung, dass Joachim Gauck alles in allem seine „Hausaufgaben“ recht ordentlich gemacht hat. Einen Präsidenten allerdings vom Format eines Richard von Weizsäcker gibt es wohl so schnell nicht wieder.
    Dass G. jetzt in den Medien so gepriesen wird, finde auch ich übertrieben.

    • ausgesucht schreibt:

      … aber warum denn Haue? Wir sind doch zivilisierte Menschen, das sind wir doch?! Aber worin bestehen denn eigentlich die „Hausaufgaben” eines dt. BuPrä? Ist es denn wirklich nicht mehr, als mit salbungsvollem Ton Platitüden zu innen- und außenpolitischen Fragestellungen abzusondern? Wahrscheinlich nicht. Insofern gebe ich Dir recht, daß G. als Erfüllungsgehilfe der Obrigkeitskaste sehr wohl seine Hausaufgaben gemacht hat. Aber hätte ein konturloses Pappschild das nicht genauso gut getan?

  2. Der Revisor schreibt:

    Es gab durchaus Leute im Presselager, die deiner Auffassung mit den kleinen Zahlen in Bezug auf den derzeitigen Okkupanten des Schlosses Bellevue sind, so sagte Jakob Augstein, Herr G. sei von Anfang an ein Mann von Gestern gewesen. Und dem ist absolut zuzustimmen, er war der Geist des vergangenen Deutschland, aber die Konservativen brauchen so jemanden eben hin und wieder. Nun aber wird es Zeit für einen Geist des zukünftigen, des fortschrittlichen Deutschlands.

    • ausgesucht schreibt:

      O ja, wie leichtfüßig ich zustimme (oder sollte ich lieber ‘leichtfedrig’ schreiben?): »Nun aber wird es Zeit für einen Geist des zukünftigen, des fortschrittlichen Deutschlands«. Aber wer sollte das denn wohl – unter der Ägide von Königin Angela I. – sein???

      • Der Revisor schreibt:

        Ein fortschrittliches Deutschland unter den Schergen der Königin sehe ich nicht, vielleicht wird es Zeit die Monarchin zu stürzen, der Verlockung der Revolution nachzugeben? (auf politischer Ebene natürlich)

        • ausgesucht schreibt:

          … es gibt wohl einen dritten Weg, und der wird vermutlich auch beschritten. Auch wenn es heute verpönt ist: eine Situation, in der die regierende Kaste nicht mehr weiterregieren kann und die geknechtete Kasten nicht mehr so regiert werden will, heißt ja nicht umsonst „revolutionäre Situation”. Da wird sich dereinst sicher was „umdrehen”. Andererseits ist die Obrigkeitskaste mit ihrem Wissen auch 100 bis 150 Jahre weitergekommen: politisch, psychologisch, massen(!)psychologisch. Die nach Strich und Faden abgemolkene Masse empfindet sich ja gar nicht als geknechtet. Und wer aus dem halbwegs kommoden Mittelfeld abstürzt (Hartz IV und so), wird gleich so tief erniedrigt, daß er keine Lobby hat, die das Wir-wollen-das-so-nicht-mehr öffentlichkeitsbewußt artikulieren könnte.

          • Der Revisor schreibt:

            Lenin Zitate sind jedenfalls in sympathischer Weise kämpferisch, allerdings muss ich dir widersprechen, dass die „neue Unterschicht“ gar keine Lobby hat, es gibt sogar eine progressive Partei in Deutschland, die sich dem verschrieben hat. Allerdings hat die einfach nicht die nötigen Mehrheiten, und das ist wiederum tatsächlich begründet durch perfide massenpsychologische Beeinflussung der herrschenden Klasse gegenüber der beherrschten Klasse, denn dem Herrschenden fällt es leicht den Beherrschten dahingehend zu lenken, dass er stets weiter für die immer herrschende Klasse votiert.

            • ausgesucht schreibt:

              Ich sehe, daß wir diesen Punkt des Ausbeutungsmechanismus‘ recht ähnlich bewerten, was seine Wirkung angeht. Stilistische Feinheiten erzeugen an dieser Stelle m. E. kaum wesentlich neue Erkenntnisse… ^^

              • Der Revisor schreibt:

                Unser Wunschbundespräsident jedenfalls wäre 2017 Gregor Gysi, aber der hat mir schon persönlich eine Absage erteilt.

              • ausgesucht schreibt:

                … da ich den Kontext nicht kenne, nehme ich jetzt mal ganz tapfer an, der bupräsidiale Gedankenaustausch mit G. G. sei Realität und nicht nur eine flockige Floskel. Dann könnte ich mir vorstellen, daß der gute Herr Gysi nicht wirklich die erste Wahl für den BuPrä ist, genauer sein kann.
                Ganz sicher sollte sich ein solcher politische Gedanken machen und mehr oder weniger auch als „Gewissen der Nation” in Erscheinung treten. Aber sind Gysis politische Ansichten, so wichtig sie als ernstzunehmende Opposition auch sind/waren, nicht ein wenig zu sehr „gegen den Strich” der zu repräsentierenden Mehrheit, als daß diese Mehrheit sich meistenteils repräsentiert fühlen würde? Oder anders: sowohl vom Charisma als auch vom politischen Sachverstand her stelle auch ich mir G. G. als idealen BuPrä vor, zugleich fürchte ich aber, daß er durch die Fesseln des Protokolls viel zu selten Gelegenheit haben könnte, diese persönlichen Trumpfkarten auch wirklich ins Spiel zu bringen…

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