Brexit-EXIT

Volksbefragung, Referendum oder wie auch immer diese Mittel demokratischer Politkultur heißen mögen sind gefährlich. Nicht im Sinne von ‘riskant’, da man über den Ausgang der Befragung niemals vollkommen sicher sein kann, sondern in dem Sinn, daß die Befragten vor einer unlösbaren Aufgabe stehen. Sie stimmen letzten Endes über Affekte ab, nicht über Konzepte; jüngstes Beispiel: BREXIT oder – upps!, das sind die Folgen unseres Ja-Nein-Kreuzchens?! – vielleicht doch lieber nicht

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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31 Antworten zu Brexit-EXIT

  1. Censay schreibt:

    Wie geil wäre es, wenn jetzt alle die Brown zwingen ihre Sippe zu löffeln und sie es gar nicht wollen. Wäre für den Rest der EU das beste Signal. Und meinem Amüsement förderlich. 🙂

    • ausgesucht schreibt:

      Hmm, Amüsement?! Ich zögere, während ich die Tasten drücke…
      In diesem Verfahren – ich nenn’s mal treffender und „vornehmer” Sche*ß-Brexit-Verfahren – gibt es wahrscheinlich keine Gewinner oder Verlierer. Es wird zwar welche geben, die sich, egal wie oft noch kehrtgemacht wird, als Gewinner stilisieren und solche, die die Opferrolle für sich entdecken (und entsprechend gepampert werden wollen). Aber, wie schrieb W. Busch dereinst so schön: »‘Höchst fatal’, bemerkte Schlich, ‘Hehe! Aber nicht für mich’«, ergibt sich daraus ein Recht auf Häme, auch wenn es nur eine klitzekleine Prise ist (siehe hier)? ^^

  2. Chantao schreibt:

    Schlimm ist es nur, dass ein Referendum zwar demokratisch ist jedoch das Wahlvolk mittels Emotionen und falscher Infos geködert werden kann. Die Poltikdarsteller sind dann stets bass erstaunt, dass Rattenfänger ob ihrer Mißpolitik dies auszunutzen vermögen. Seltsamerweise haben Rattenfänger-Lügen mehr Gewicht als Darsteller-Lügen. Woran das wohl liegen mag ?

    • ausgesucht schreibt:

      … ich schätze, das ist ein psychologisches Phänomen: die Wahrheit kann man nicht aufbauschen (sonst würde sie ganz oder teilweise aufhören, Wahrheit zu sein), alles andere sehr wohl. Und es wird aufgebauscht, was Mücke & Elefant so hergeben… ^_^

  3. lawgunsandfreedom schreibt:

    Oi! … der Link auf T-Online. Von wegen „2 Millionen Briten“ wollen ein neues Referendum. („Uns passt eine demokratische Abstimmung nicht, also wiederholen wir sie, bis uns das Ergebnis passt“ – hatten wir das nicht schon mal?) Wenn man nämlich mal die IP-Nummern auswertet, dann kommen nur ca. 350.000 – 400.000 dieser Stimmen tatsächlich aus dem Königreich. Und lässige 8.000 kommen aus dem Vatican, der grade mal 800irgendwas Einwohner hat? Da klingeln bei mir schon wieder sämtliche Alarmglocken.
    http://www.rolandtichy.de/feuilleton/medien/brexit-in-redaktionsstuben-pippilangstrumpft-es/

    Diese ominöse Online-Petitionen kann man knicken. Da machen eine Handvoll Online-Aktivisten mit und dazu massenhaft Bots und Scripte mit echten, falschen oder gekauften (gestohlenen) Nutzerprofilen. Die Methoden kenne ich nur zu gut. (Die verwende ich nämlich selbst, um Datenbanken mit Dummy-Nutzern und Nutzerprofilen für Funktionstests zu erstellen).

    Interessant auch unsere Medien. Die bringen hauptsächlich die „entsetzten Stimmen von britischen Brexit-Gegnern“, aber so gut wie keine von denen, die mit Mehrheit für den Austritt gestimmt haben. Und wenn ich das Gesotter von Jakob Augstein lese, dann wird mir sofort schlecht.

    Ansonsten stimme ich Dir zu. Sowohl diejenigen, die dafür, als auch diejenigen, die dagegen waren, haben vor allem aus dem Bauch raus gestimmt. Es gibt gute Gründe in der EU zu bleiben, aber auch genau so gute Gründe rauszugehen.

    Das nötige faktenbezogene Wissen um guten Gewissens als informierter, mündiger Mensch abzustimmen, haben weder die Wähler noch die Politiker …

    • ausgesucht schreibt:

      Man sollte Politiker bei Amtsantritt nicht mehr auf Bibel, Koran oder Parteibuch *chchch* vereidigen, sondern auf eine kleine Steintafel, die in güldenen Lettern Deinen Satz trägt: »Das nötige faktenbezogene Wissen um guten Gewissens als informierter, mündiger Mensch abzustimmen, haben weder die Wähler noch die Politiker«! Die oxymoronische Note, gutes Gewissen aufgrund Faktenwissens, dürfte a) kaum jemandem bitter aufstoßen und bringt b) Würze in die Angelegenheit. ^_^
      Aber, ganz im Ernst: dieses „wilde Referendum”, um eine Petition ans Ober-, Unter- oder was weiß ich für ein Haus zu dirigieren, ist im Grunde eine Farce (nicht nur wegen der manipulierten Stimmen [die übrigens schon seit Freitag gemutmaßt und daraufhin erwiesen sind]. Ich finde es müßig, jetzt die Zahl der Stimmberechtigten zu recherchieren, aber bei knapp über 60 Mio. Einwohnern, sollten es wohl 40 bis 45 Mio. gewesen sein, 70 % haben am Referendum teilgenommen, macht knapp 30 Mio. abgegebene Stimmen. Selbst wenn beim aktuellen „Retour”-Aktionismus 5 Mio. echte(!) Stimmen zusammenkämen, so würden sie nicht nur den Brexit-Wahlausgang infrage stellen, sondern das Referendum als Verfahren an sich.
      Aber vielleicht ist gerade das der Coup? Wir zeigen der bösen EU, von der unser Inselvolk jahrelang politische und finanzielle Zuwendungen geerntet hat, daß wir sie mehrheitlich lieber mit dem A*sch ansehen wollen, setzen das Ergebnis des Referendums dann aber in letzter Sekunde aus, um den britischen Sonderstatus noch komfortabler auszupolstern? Klingt nach Verschschwörungstheorie, bleibt aber nach Ockhams Rasur als eine verdammt plausible Deutung stehen…

      PS: Jetzt hätt ich’s beinahe vergessen – vergiß bei den Stimmen aus dem Vatikan nicht, daß der Papst mit der Wucht Gottes votiert, also beileibe nicht mit einer pope·ligen (obwohl mir das Wortspiel gefällt) Menschenstimme. 😉

  4. daniela schreibt:

    wie war das jetzt noch mal mit der zulassung zur wahlberechtigung?! 😉
    es ist halt ein großes wagnis das volk zu befragen und dabei auf die ausreichenden und hoffentlich richtigen Informationen zum gesamten! wahlinhalt zu hoffen.
    und dabei bin ich wirklich eine befürworterin der volksbefragung!
    und ja, trotz der schwere der schuld kann auch ich ein bisschen häme nicht verheimlichen, dass „denen da oben“ erst jetzt klar zu werden scheint was bei „denen da unten“ so allgemein inhaltlich ankommt.
    schade schade. für england. für europa.
    und ist es jetzt vermessen trotz alldem auch ein klein wenig Hoffnung zu haben in dem gremium eu ändert sich etwas?

    • ausgesucht schreibt:

      … ich mag Volksbefragungen ja auch, nur nicht als Instrument zur „Lösung” politischer Fragestellungen. Als demokratisches Instrument ist Volksbefragung Gold wert: Hättet ihr lieber 6 Finger an jeder Hand – ja/nein; Möchtet ihr aus eigener Kraft fliegen – ja/nein? etc.

      Was Deine, liebe Daniela, letztgenannte Frage angeht, neige ich zu Pessimismus. Warum sollte man in der EU etwas ändern wollen?? Dort sieht man sich doch als Heilsbringer, der von bösen, bösen Briten auf niederträchtige Weise hintergangen wurde, indem sie sich vom ihm abkehrten. Wie am Jüngsten Tag alle vor den Großen Richter treten, die Gerechten ins Paradies eintreten und die Ungerechten in die ewige Verdammnis entsandt werden, ist doch über Großbritannien längst das Urteil gefällt. Welchen Grund also sollte die Selbstherrlichkeit der EU-Granden haben, an ihrem gottähnlichen Status etwas zu ändern, wo es doch immer „gefallene Seelen” gibt…?

  5. YDU schreibt:

    Ja, Abstimmungen sind ziemlich gefährlich, wenn man bereits ein Ergebnis vor Augen hat und davon ausgeht, dass Millionen der gleichen Meinung sind! Vielleicht sollte man sicherheitshalber mal alle anrufen oder ein persönliches Gespräch suchen – absolute Ergebnissicherheit ließe sich über die Gestaltung der Stimmzettel realisieren! Hmmmm, aber das gibt es ja schon, wenn ich es mir recht überlege ….

    • ausgesucht schreibt:

      Ach, da fällt mir a propos ‘anrufen oder ein persönliches Gespräch suchen’ ein Geständnis ein – aber, psst, das muß unter uns bleiben: da ich ja weiß Gott wie auf einer Anruferliste für diverse Meinungsumfragen gelandet bin, also immer mal wieder von mehr oder weniger hohlsinnigen Fragekomplexen gelangweilt werde, entscheide ich in den ersten zwei bis drei Sekunden des Anrufs, welche Rolle(!) ich diesmal spielen möchte. Und diese Nummer, die durchaus auch grotesk oder absurd ausfallen mag, ziehe ich dann durch. Der Reiz besteht darin, konsequent durchzuhalten und die Rolle nicht zu verlassen (Patzer verzeihe ich mir nicht) – ein Heidenspaß!!!
      Könnte allerdings sein, daß die telephonischen Umfrageergebnisse, wenn auch andere sich dieser „Mentalschulung” hingeben, ein wenig skurril ausfallen…

      • YDU schreibt:

        Hätte ich nicht hoch und heilig geschworen, dich nicht zu verpetzen, dann, ja dann … Moment, vielleicht sollte ich das mal probieren, wenn mich wieder einmal eine Fragenkomplexerin anruft! Kein Wort an irgendwen, versprochen? Überlege gerade, welche Rolle ich übernehme? * grübel, grübel, …*

        • ausgesucht schreibt:

          Ach, das mit der Rolle ist recht einfach: für Befragungsanfänger stellt sich riesiger Spaß für noch(!) nicht so versierte Antwortspieler ein, wenn sie das Profil „strunzdumm (=viele Zwischenfragen der abwegigsten Art), reich und herablassend/schnöselig” vortragen. Da ist der (Lach)Erfolg praktisch garantiert… ^_^

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