MPU wegen Faselns

»Eigentlich wollte Sigmar Gabriel die deutschen Waffenexporte drosseln. Doch die Zahlen steigen und steigen. Der Wirtschaftsminister führt dafür einen Grund an, für den er nicht verantwortlich sei« (Quelle: welt.de). Ist wirklich jemand überrascht darüber, daß Hr. Gabriel sich nicht verantwortlich fühlt? Welcher Politikerdarsteller hatte je oder hat aktuell den A*sch in der Hose, für Fehlentwicklungen unter seiner Ägide die Verant­wortung zu übernehmen? Ist denn die begrenzte Legislaturdauer nicht gerade dafür erfunden worden, um eine Möglichkeit mehr zu haben, Verantwortung für Unangenehmes auf andere abzuwälzen?
Aber es stößt ja gar nicht so sehr der Punkt unangenehm auf, daß sich so mancher Po­litiker-Darsteller aus der Verantwortung zu stehlen versucht – das tumbe Stimmvieh ist ja durch jahrelanges Training bereits an diesen Brauch gewöhnt worden –, sondern wie es mitunter unternommen wird. Die oben genannte Quelle berichtet: »Als Erfolg hob er hervor, dass es gelungen sei, den Export von Kleinwaffen wie Maschinengewehre und Panzerfäuste auf den niedrigsten Wert seit 15 Jahren zu senken. „Diese Waffen sind besonders gefährlich, denn sie sind die Waffen der Bürgerkriege“, sagte Gabriel. Dem Bericht zufolge ging das Exportvolumen bei Kleinwaffen von 47 auf 32 Millionen Euro zurück« (Hervorhebungen nachträglich eingefügt). Halleluja und Hossiana! Da sind von 2014 (absolut: 3,97 Mrd. €) nach 2015 (absolut: 7,86 Mrd. €) die Rüstungsexporte zwar um absolut 3,89 Mrd. EUR gestiegen (was partout nicht – pecunia non olet – vermeidbar war), aber immerhin konnte mit einer Verringerung um 0,015 Mrd. EUR in einem Waffenexport(mini)segment eine nennenswerte(?) Kompensation errungen werden.
Wer im Straßenverkehr durch zweifelhafte Aktionen auffällt, kann durchaus dazu „eingeladen” werden, seine Fahrtauglichkeit unter Beweis zu stellen: MPU – Medizinisch-Psychologische Untersuchung, im Volksmund auch Idiotentest genannt. Sollte es Ähnliches nicht auch für Verantwortungstauglichkeit geben?

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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11 Antworten zu MPU wegen Faselns

  1. Marcello Francé schreibt:

    „Welcher Politikerdarsteller hatte je oder hat aktuell den A*sch in der Hose, für Fehlentwicklungen unter seiner Ägide die Verant­wortung zu übernehmen?“
    Nigel Farage zum Beispiel, der hat doch Nägel mit Köpfen gemacht! Abstimmung verloren – und schon zurückgetreten. Wie, die Brexit Befürworter haben gewonnen? Ja, dann erst recht. Außerdem ist er bald am Ziel- Bald sind alle Staaten unabhängig – vom Vereinigten Königreich (ist doch die Bedeutung von Ukip).

    Ja, ja, Waffen sind immer ein gutes Thema. Das wissen wir hier in Bayern sowieso schon seit der Inkarnation des bayrischen Gottes (in Form von FJS) Ich freue mich auch immer, wenn ich an EADS vorbeifahren kann „Airbus group“ Und hey, Kleinwaffen oder Kleinwagen- wo ist da schon der Unterschied?

    • ausgesucht schreibt:

      … so ganz bin ich mir nicht sicher, ob N. Farage tatsächlich vom „Gegenbeispiel-Lager” vereinnahmt werden sollte.
      Ideal: Hier ist ein Politiker, hier hat er Sche*ße gebaut oder zugelassen → hier ist der „ich-habe-Fehler”-Eingeständnissatz, hier arbeitet der Politiker an der Wiedergutmachung. Und ein Politiker dürfte nun nicht zu eben diesem Typus zählen, wenn er – ob aus verletzter Eitelkeit oder vorauseilender Berechnung einheimsbarer Sympathiepunkte (also verletzbarer Eitelkeit), ist kaum signifikant – nach einem theatralischen Schuldeingeständnis aus seinem „Amt” flieht, also den Geltungsbereich der Statistik verläßt… ^^

      • Marcello Francé schreibt:

        Naja, Farage arbeitet halt nach dem Francesco-Schettino- Prinzip (oder wie es die Ultras von Borussia ausdrücken würden): “Der Kapitän geht als Erster von Bord, am Besten sofort.“ Ganz ähnlich wie Johnson. Wobei der Hass auf ihn auch nur den Hass des Volkes an sich selbst widerspiegelt (mit ihm als Projektionsfläche). “Wir bezahlen sie dafür, sich hassen zu lassen….“

        Damit ist er genau das Gegenteil von Gabriel. Gabriel hat quasi einen leckenden schrottreifen Kutter überlassen bekommen. Sein Vorschlag: Löcher vergrößern, damit mehr Wasser abfließen kann. Bei Kritik an seinen Führungsqualitäten bleibt er dabei, mit der Begründung a) er hat den Kutter ja schon kaputt bekommen, da ist ja nicht direkt er dran schuld (in Bezug auf den Deal mit Saudi-Arabien). b) er kann doch die Besatzung nicht im Stich lassen, gerade jetzt (in Bezug auf den Zustand der SPD im Allgemeinen). c) Es kann jetzt schon viel mehr Wasser raus. (in Bezug auf realitätsfremde Rechnereien) Tja.

        Eigentlich finde ich daher schon, dass das in gewisser Weise ein Gegensatzpaar ist. Einer, der genau weiß, was er tut und sich vor der Verantwortung drückt, und einer, der keine Ahnung hat, was er tut, weil bereits völlig aus der Realität entschwunden. Die SPD ist in den letzten Jahren für mich die Partei geworden, die am wenigstens dafür steht, was sie verspricht. Auf der anderen Seite sind Parteien wie die AfD m.E. hingegen so gefährlich, weil sie genau das tun werden, womit sie drohen.

        • ausgesucht schreibt:

          Die Laudatio auf S. Gabriel ist Dir köstlich gelungen! *daumen hoch*

          Was allerdings den letzten Abschnitt in Deinem Kommentar angeht, hast Du m. E. eine sehr tiefgreifende Frage aufgeworfen: Wenn mit einer Schablone, egal sie so oder so verwendet wird, nur unbrauchbares Zeugs „gezeichnet” werden kann, sollte dann nicht nach einer funktionsfähigeren Ausschau gehalten werden? ^^

          • Marcello Francé schreibt:

            Tja, den “neuen“ politischen Kräften geht es ja grundsätzlich darum, dass Alte zu zerstören und zu überkommen, ohne daran zu denken, dass man dann ja etwas Neues aufbauen müsste. Einreißen ist zumeist einfacher als Wiederaufbauen.

            Das sieht man ja auch in Griechenland: Synaspismos Rizospastikis Aristera („Koalition der Radikalen Linken“) Wie radikal links können Radikale Linke sein, wenn sie Renten kürzen und bei Banken betteln müssen? Nicht, dass ich ein zweites Nordkorea in Hellas für eine gute Idee halte- aber dennoch. Klar waren PASOK und ND schuld am Desaster und haben infolgedessen ja auch abgeschmiert, aber in Regierungsverantwortung muss man auch mal selber ran… Oder der “rompatore“ Renzi, der als erster Vorsitzender des Ministerrats sein Kabinett aufgestellt hat, natürlich die Besten der Besten.
            “Die Ministerin für regionale Angelegenheiten, Maria Carmela Lanzetta, trat am 30. Januar 2015 von ihrem Amt zurück, ohne ihren Schritt öffentlich zu begründen. Der Minister für Infrastruktur und Verkehr, Maurizio Lupi, trat am 20. März 2015 wegen eines Korruptionsskandals zurück.“ “Der Vizeminister im Außenministerium, Lapo Pistelli, trat am 15. Juni 2015 zurück und wechselte um zum Energiekonzern Eni“ “Federica Guidi, Ministerin für wirtschaftliche Entwicklung (Industrieministerin), kündigte am 31. März 2016 ihren Rücktritt an, weil bekannt geworden war, dass sie die geschäftlichen Interessen ihres Lebensgefährten und damit auch des französischen Energiekonzerns Total politisch unterstützt hatte“ Wahrscheinlich wird auch in Spanien bald wieder Pablo Iglesias zu Kreuze kriechen…

            Und die “alten“ Politiker? Tja, die sind sowieso eine Katastrophe (ein Grund, warum man PP oder PSOE wählen sollte? Mir fällt keiner ein). Mariano Rajoys traditionelle Ausrufe “Wir haben die Wahl gewonnen!“ sind inzwischen schon vorzusehen, bin gespannt, ob die “Koalition der Vernünftigen“ nicht noch einmal scheitert.

            “sollte dann nicht nach einer funktionsfähigeren Ausschau gehalten werden? ^^“
            Wer soll das sein? Die einen sind gefährlich durch totale Verkalkung, die anderen durch ihre ADHS ähnlichen Symptome…

            • ausgesucht schreibt:

              Na, lieber Marcello, den dramatischen Bogen hast Du ja perfekt gespannt! Aber ist es denn in einem lebenden(!) Organismus, sei er nun biologisch oder sozial definiert, Altes grundsätzlich dem Neuen weicht? Der Tod des Kleinen/Einzelnen ist Grundlage für Fortbestand und Entwicklung des Großen/Ganzen. Wo nicht, ist (früher oder später) Stillstand…

              Deshalb finde ich es ersteinmal gar nicht bedenklich, daß »politisch Kräfte das Alte zerstören und zu überkommen suchen«. Beängstigend finde ich, daß allzu oft die Relationen zu wenig bedacht werden: Was muß geändert werden, was darf (vorläufig), was muß erhalten bleiben? Zumindest ist ein pauschales „alles(!) muß neu” ohne jeden Zweifel sinnlos und also auch nicht praktikabel. M. a. W. ist folgendes eine unsinnige Strategie: Abriß → tabula rasa → seliger Neubau. Ein Politikerdarsteller, der eine solche Strategie verficht, verhört als Massenbetrüger hinter Schloß & Riegel.
              Und wenn die einen die (seriöse!) Analyse der Relationen qua »totaler Verkalkung« nicht mehr können und die anderen, weil sie weder über die Aufmerksamkeitsspanne noch über die Geduld (oder war’s doch die kognitive Fähigkeit) zur tiefgründigen Beschäftigung mit komplexen Zusammenhängen verfügen, diese Analyse nicht vermögen, sollte über das System nachgedacht werden, was derartige Extreme am laufenden Meter hervorbringt. Da könnte durchaus ein Umbau erforderlich werden, der dem Ergebnis einen höchst geringen Wiedererkennenswert ggü. der Ausgangsruine zubilligt… ^^

              • Marcello Francé schreibt:

                “Aber ist es denn in einem lebenden(!) Organismus, sei er nun biologisch oder sozial definiert, Altes grundsätzlich dem Neuen weicht? Der Tod des Kleinen/Einzelnen ist Grundlage für Fortbestand und Entwicklung des Großen/Ganzen. Wo nicht, ist (früher oder später) Stillstand…“

                Veränderung gibt es immer, eben auch um den status quo aufrecht zu erhalten, muss dauernd etwas verändert werden. Homöostase heißt das, meine ich, in fachsprachlich. Ja, in einem biologischen System weicht alles Alte dem Neuen. Aber Veränderung bedeutet nicht unbedingt Fortschritt (schon der Name Evolution ist daher m.E. falsch). Nun, wir leben hier in Mitteleuropa in einer Kultur, deren Elemente Humanismus, Positivismus (Ordem e progresso) und deren eschatologische Exegese der Bibel einen Aufstieg, eine Entwicklung suggeriert. Selbst die, die das radikal ablehnten, haben oft etwas ähnliches suggeriert (z.B. Nietzsche in Form des Übermenschen, Nationalsozialismus, Faschismus usw.) Letzten Endes sind wir in geistiger Hinsicht sowieso alle Saprobionten 😉 Insofern würde ich einfach mal behaupten, es gibt keinen Stillstand. Wenn der Tod des einzelnen Grundlage für den Fortbestand Aller ist, gilt wieder das franquistische-fatalistische Motto der Legión Española: ¡Viva la muerte!

                “Deshalb finde ich es ersteinmal gar nicht bedenklich, daß »politisch Kräfte das Alte zerstören und zu überkommen suchen«“ Das stimmt. Ich denke, dass der sozialdemokratische Renzi im Vergleich zum mafiösen (Freund von Marcello dell’Utri), ultrarechtsgerichteten (Mitglied in der P2) und klandestinen Berlusconi ein riesiger Fortschritt ist. Nicht umsonst hat die PD im EP mehr Abgeordnete als die SPD (und das, obwohl Dtl. mehr Sitze hat). Klar läuft nicht alles rund, aber auch ein Schritt bringt uns einen Schritt vorwärts.

                „alles(!) muß neu” Das ist bei extremen Linken häufiger. z.B. die Parteizeitung der Ex-SEDler “Neues Deutschland“, die mexikanische “Partei der institutionalisierten Revolution“ und die “Kommunistische Partei Perus – auf dem Leuchtenden Pfad José Carlos Mariáteguis“. Dabei ist das eher nicht gut gelaufen. Der Spruch: “In Demokratien sitzen die Kommunisten in den Parlamenten, im Kommunismus die Demokraten im GULag kommt ja auch nicht von ungefähr.“

                Aber es gibt ein viel wichtigeres Problem. Den jungen Leuten ist Politik mehrheitlich egal. Das hat nichts mit der viel beschworenen “Politikermüdigkeit“ zu tun. Es ist ihnen egal. Wer nicht für Demokratien gekämpft hat, weiß wohl auch tendenziell nicht um ihren Wert. Wir sind bald wieder in einer “Demokratie ohne Demokraten“ Diesmal aber nicht, weil alle antidemokratisch wären- das nicht. Sondern weil die Mehrheit sich nicht dafür interessiert. Ich habe bis jetzt in Schule und Uni noch nie einen Wahlkampf mitbekommen, der diesen Namen gerecht würde (für SMV, Schülersprecher, Klassensprecher, Stufensprecher, Eltenbeirat, Fachschaftsrat (10% Wahlbeteiligung), Senat der Uni (20% Beteiligung), Kirchenvorstand (kleiner Witz am Rande), Dekanswahl [es gab einen Kandidaten und keine Möglichkeit der Ablehnung außer den Stimmel leer abzugeben] usw.). Unser BA ist etwa durchschnittlich 60 Jahre alt (und als ich mal mit dem Vorsitzenden sprach, meinte er, dass sei schön, ich sei der erste unter 30jährige seit einem Monat). Naja, 30 Jahre ist gar nicht so lange, der ist schon 32 Jahre Vorsitzender. Ähnliches hörte ich auch Vorsitzenden Beauftragten für Kinder & Jugend (!!!). Und ich wohne ja nicht mal auf dem Land. fun fact: Unser Beauftragter gegen Rechtsextremismus heißt Haider (von der CSU).

                Und doch, die meisten sind anscheinend damit zufrieden, einfach nach dem Motto:
                “Ich leb und weiß nicht wie lang / ich sterb und weiß nicht wan / ich fahr und weiß nicht wahin / mich nimmt wunder daß ich so frelich bin“
                Wobei ich mir schon ab und zu denke: “wan ich bedenk den dot und di ewige pein / so mecht ich nicht so frelich sein.“

              • ausgesucht schreibt:

                … wahrscheinlich sind wir nicht nur in ‘geistiger Hinsicht sowieso alle Saprobionten’. ^_^
                Aber wofür benötigst Du die Zuspitzung, den natürlichen Prozeß des Vergehens und Sterbens als Voraussetzung für Homöostase oder sogar Weiterentwicklung als Grundlage für (unsinnig!) radikale politische Dogmen anzuführen?? Welche Botschaft willst Du da vermitteln?

                Aber immerhin stimmen wir darin überein, daß ‘Veränderung nicht unbedingt Fortschritt bedeutet’. Allein schon, weil Veränderung objektiv feststellbar ist, Fortschritt hingegen eine Interpretationssache. Fortschritt ohne Veränderung ist nicht möglich, Veränderung ohne Fortschritt sehr wohl.

                Allerdings stimme ich mit Deiner Aussage, daß den jungen Leuten Politik mehrheitlich egal sei, nicht überein. Und ich meine nicht einmal die „Altersbegrenzung”. Es hat sich lediglich etwas verändert (sic!), ohne daß sich dabei ein Fortschritt finden (und politisch instrumentalisieren) ließe. Auch und gerade in den Zeiten der Zwitscher-Medien nimmt man intensiv an Politik Anteil, nur scheint es eine andere Art als die der bereits geschriebenen Geschichtsbücher zu sein…

              • Marcello Francé schreibt:

                „Aber wofür benötigst Du die Zuspitzung, den natürlichen Prozeß des Vergehens und Sterbens als Voraussetzung für Homöostase oder sogar Weiterentwicklung als Grundlage für (unsinnig!) radikale politische Dogmen anzuführen??“

                Also die Homöostase ist sicher nicht die Grundlage radikaler Parteien und Bewegungen, die meist eine Folge von gesellschaftlichen Zerfallserscheinungen darstellen – dass das Alte absterben oder zerstört werden muss, dagegen schon ln

                Homöostase
                Schau dir einen menschlichen Körper an: Nur durch das GGW zwischen entstehenden und vergehenden Zellen bleibt alles gleich. Wie gesagt, der Begriff „Weiterentwicklung“ gefällt mir nicht, schon allein deswegen, weil mir nicht klar ist, was Entwicklung bedeuten soll- gibt es „die Entwicklung“ überhaupt? Oder nur ungerichtete Dynamik?

                „Fortschritt ohne Veränderung ist nicht möglich, Veränderung ohne Fortschritt sehr wohl.“ Was ist ein „Fortschritt“? Viele Strukturen haben zum Fortschritt aller lebenden Organismen beigetragen, indem sie sich nicht verändert haben. Der Quastenflosser überlebt vermutlich den Menschen.

                „Allerdings stimme ich mit Deiner Aussage, daß den jungen Leuten Politik mehrheitlich egal sei, nicht überein.“ Hast du diese Informationen aus erster Hand? In Spanien bspw. ist das bei PODEMOS nicht so. Aber da hat die Jugend auch ernste Probleme. Oder das Lied A’verita von Rocco Hunt… aber in Ländern wie GB, in der die Jugend (1/3! ) sich darüber aufregt, dass man nicht mehr zu Parties nach Berlin (?!) fliegen kann, „wegen Brexit“, schaut es nicht so toll aus.

                „Auch und gerade in den Zeiten der Zwitscher-Medien nimmt man intensiv an Politik Anteil, nur scheint es eine andere Art als die der bereits geschriebenen Geschichtsbücher zu sein…“ Betroffenheitshashtags nach Anschlägen, Diskussionen mit Misanthropen usw. ändern in der echten Welt eher wenig

              • ausgesucht schreibt:

                Hmm, das Thema hatten wir schon einmal: eine Unterhaltung bzw. ein Gedankenaustausch läuft geschmeidiger, wenn auf das eingegangen wird, was vom Gegenüber gemeint ist bzw. sein könnte, und weniger auf Stichworte zur schillernden Darstellung von Fakten, die das Gegenüber auch hat oder googlen kann…

                Der Satz: »Aber wofür benötigst Du die Zuspitzung…?« fragt als allerletztes nach Homöostase. Was das ist, weiß z. B. ich nicht erst seit dem Lesen dieses Buches, das ich bereits ein paar Sekunden vor Google & Co las und sogar verstand.

                Anderes Beispiel: Erübrigt sich die Frage: »Was ist ein „Fortschritt“?« nicht in dem Kontext, in dem ich diesen Begriff verwendet habe?

                Ach übrigens, sind nur Informationen etwas wert, die aus erster Hand stammen? Wes Hand?

                Auch habe ich nicht behauptet, daß ‘Betroffenheitshashtags’ etwas in der echten Welt ändern würden, sondern daß sie sehr wohl Bestandteil einer anderen Politik (aber immerhin doch einer Politik) sind…

              • Marcello Francé schreibt:

                Nun gut. Fortschritt mag Interpretationssache sein. Aber nur so lange man meint, dass es so etwas wie Fortschritt überhaupt geben kann. Warum man aber davon ausgehen sollte, ist mir dennoch nicht klar. Das ist vielleicht etwas fatalistisch, oder einfach in Anbetracht unserer natürlichen Begrenzungen auch nur realistisch.

                Die radikalen Politiker berufen sich nun mal auf “den natürlichen Prozeß des Vergehens und Sterbens als Voraussetzung für […] Weiterentwicklung als Grundlage für (unsinnig!) radikale politische Dogmen […].“ Das sieht man z.B. an ihrer eigenwilligen Auslegung des “natürlichen Recht des Stärkeren“ (Gerechtigkeitsbegriff von Thrasymachos+ Kallikles: “Gerecht ist, was dem Stärkeren nützt“), dem “survival of the fittest“ (im Sozialdarwinismus usw.) Da dieser natürliche Prozess anscheinend nicht schnell genug geht, wird gerne etwas nachgeholfen.

                “Ach übrigens, sind nur Informationen etwas wert, die aus erster Hand stammen? Wes Hand?“
                In diesem Zusammenhang: Einer statistisch relevanten Anzahl junger Leute. Nein, aber gerade Informationen aus diesem Zwitscher sind nicht immer so gut interpretierbar (bspw. wären, soweit ich weiß, demnach schon ungefähr alle mit bekannten Persönlichkeiten verstorben, die sich zur Zeit bester Gesundheit erfreuen- obwohl, das soll es auch früher schon gegeben haben 😉
                Naja, Politik erzwingt Entscheidungen (ob gute oder schlechte, sei mal dahingestellt), Hashtags nicht. Und doch denken viele, sie hätten damit ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft bewiesen. Es gibt einen elementaren Unterschied zwischen Politik als Lifestyle und Politik als konkrete Arbeit. Diese wiederum, kann und muss, auch im Internet durchgeführt werden. Aber diese Substitution – die dann anscheinend oft auch noch das Höchste der Gefühle zu sein scheint- klärt die Probleme nicht.

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