aufgeklärte Asyllosigkeit

Sonntagmorgen, den Frühstückstisch hatte ich bereits abgeräumt; auch der Abwasch war erledigt. Der Häuptling der Familie weilte im Garten – ein paar Gurken wollten geerntet sein. Die Chefin des Hauses stand sichtbar neben der Spur. Ich gab ihr Zeit. Nach etwa einer Viertelstunde sagte ich wie beiläufig zu ihr: „Nun, sprich es aus!« Sie war keinesfalls überrascht und kam, vielleicht ein wenig verwundert, daß man ohne viele Präliminarien zu einem heiklen Thema bereit sein kann, auf den Punkt: »Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich will sterben«.
Seelsorge! Den Verstand braucht man gar nicht erst anzusprechen. Er würde nur weitere Bürden auf die Schultern legen, die durch Krankheit und das Gefühl, von Tag zu Tag weniger wert zu sein, die Schultern ohnehin schon beugen. Da helfen dann auch keine Beteuerungen, daß es ganz normal ist, wenn die dereinst blühenden Fähigkeiten immer geringer werden. Das Gefühl ist der Adressat der Bemühungen, das Gefühl: wir brauchen dich, weil wir uns gegenseitig brauchen. Doch was, wenn dieses Gefühl bereits tagein tagaus geübte Praxis ist? Wie soll dieses gute Gefühl jetzt noch gesteigert werden?
Ob es sich vielleicht rächt, daß die meisten von uns ihre Lebensunkundigkeit, zumindest was den Blick auf das unweigerliche Lebensende angeht, kultivierten, indem sie sich leichtfertig der scheinbaren(!) Aufgeklärtheit von Wissenschaft und Ratio hingaben, und damit ihren Glauben löchrig und fadenscheinig werden ließen, anstatt ihn zu festigen und tragfähig zu gestalten, damit er dereinst Herberge sein könne?

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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15 Antworten zu aufgeklärte Asyllosigkeit

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Valhalla oder das Reich von Tante Hel? Für immer fressen, raufen, saufen oder Ruhe zwischen den Nebeln in Hels Schattenreich? Oder fahren auf der Sonnenbarke mit Re und Hathor? Oder einfach verblassen? Verschwinden? Oder doch wiederkommen im ewigen Rad des Leben?

    Egal! I’ll be back and we’ll meet again.

    Oder, wie Crowley mal sagte: „Der Tod, oh Mensch, ist Dir verboten.

    • ausgesucht schreibt:

      Ich könnte mir vorstellen, daß nicht der Tod an sich das Erschreckendste ist, sondern die Möglichkeit des unendlichen Einerleis danach: Ambrosia und Harfengeklimpere – und das auf ewig! Oder ob 72 Jung·frauen nach Ewigkeiten diesen Ehrentitel noch tragen sollten – und ewig dieses Petting ohne Schuß…

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Nicht der Tod an sich macht mir Sorgen und auch nicht das, was danach kommen könnte – beeinflussen kann man das vermutlich nicht. Gegen Langeweile und Hosianna singen kann man sicher was machen ^_^

        Die Art des Todes ist das, was mich gelegentlich umtreibt. An Schläuchen und Maschinen angeschlossen vor sich hin vegetieren – bei vollem Bewusstsein … das wünsche ich niemandem.

        Wenn ich’s mir aussuchen dürfte, dann würde ich mich gerne von meinen Ur-Ur-Ur-Enkelinnen mit Süßigkeiten zu Tode füttern lassen, einfach im Bett einschlafen, oder irgendwas schnelles, möglichst schmerzloses – notfalls auch selbstgewählt …

        Das jedenfalls, was mir die abrahamitischen Religionen versprechen (androhen), reizt mich nicht. Gut, daß ich kein Anhänger dieser Religionen bin.

        Witz:
        Ein Heide stirbt und findet sich an einem Südsee-Sandstrand wieder. Überall Buden mit Gegrilltem und leckeren Drinks, Liegestühle, kleine Hütten, Surfbretter, Motorboote, hübsche Mädchen und ebenso hübsche Jungs beim Beachvolley. Etwas abseits sitzt etwas mit roter Haut, schwarzen Haaren, viel Bling und einem Schirmchendrink im Liegestuhl und beobachtet das Treiben.

        Der Heide fragt die Figur: „Bist Du der Teufel und bin ich in der Hölle?“ Die Gestalt nickt und grinst. „Hol‘ Dir einen Drink, lach‘ Dir ein Mädchen an und sieh Dich um. Viel Spaß hier.“

        Der Heide holt sich einen dreifachen Whisky und wandert durch die Gegend. Dabei stößt er, versteckt im Hinterland, auf einen tiefen dunklen Krater, wo arme Seelen von Dämonen grässlich gequält werden. Er läuft zurück zum Strand und fragt den Teufel danach.

        „Der Krater? Ja, das ist für die Christen, die wollen das so.“

        • ausgesucht schreibt:

          Tja, mit dem Themenkreis wandeln wir auf einigermaßen dünnem Eis, schätze ich. Das Argument von Blaise Pascal, daß Gottglauben (aus spieltheoretischer) Sicht durchaus rational ist, ist nicht so leicht von der Hand zu weisen. Und wer verfügt schon über solide(!) empirische Erfahrungen über das Danach?!
          Andererseits dürften die von Dir erwähnten Drohungen der abrahamitischen Religionen gerade der alles entscheidende Pluspunkt dieser Religionen sein, wahrscheinlich auch der einzige…
          Wie gesagt: verdammt(!) dünnes Eis. ^^

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