US-Polizeigewalt

Nachdem es also in den USA mehrfach Vorfälle gegeben hat, die irgendwie unter dem Rubrum „Polizeiwillkür gegen Schwarze” subsumiert werden können, braucht es offenbar einen Experten, der qua Autoritätsbeweis feststellt: »Aus meiner Sicht täuscht der Eindruck [, daß US-Polizisten Schwarze unter dem kleinsten Vorwand zu erschießen scheinen]« (Quelle: t-online).
Mal ganz abgesehen davon, ob die pauschalisierende (Ausgangs-)Frage: »Herr Gallwitz, US-Polizisten scheinen Schwarze unter dem kleinsten Vorwand zu erschießen. Stimmt das so oder täuscht dieser Eindruck?« suggestiv ist (i. S. v. ‘scheinen immer zu erschießen’) und am ehesten aus der Trickkiste der Demagogie zu stammen scheint, lohnt sich ein Blick auf die in oben genannter Quelle gezeigte Graphik.

Interessant ist, daß die Darstellung „Anteil an der Gesamtbevölkerung” (Abb.: ganz rechts) in der Summe 106,4 % ergibt, wo doch eigentlich 100 % zu erwarten wäre. Damit sind die Glaubwürdigkeit und die Verläßlichkeit des statistischen Materials ohnehin schon nicht mehr gegeben. Rafft man sich unter Zusammennahme allen Mutes auf, die übrigen Angaben wenigstens in der Größenordnung als realitätsnah anzusehen, läßt sich dennoch ein nicht uninteressanter Hinweis ableiten.
In den USA dürften derzeit etwa 40,6 Mio. Schwarze und 187,8 Mio. Weiße leben; das Zahlenverhältnis beträgt 1 : 4,6, also 2 Schwarze in Nachbarschaft mit rund 9 Weißen. Bezogen auf die aktuelle Bevölkerungszahl sind lt. obiger Statistik im Erfassungszeitraum [1.01. – 11.07.2016] 0,00030% der Schwarzen und 0,00013% der Weißen durch Polizei­gewalt getötet worden, also 2,4-mal mehr Schwarze als Weiße.
Es ist, das sollte man zu keinem Zeitpunkt aus den Augen verlieren, eine Statistik der kleinen Zahlen. Aber auch und gerade bei glücklicherweise seltenen Ereignissen ist eine mehr als doppelte Häufigkeit ein verdammt schwaches Argument für Gleichbehandlung.

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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24 Antworten zu US-Polizeigewalt

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Man muß auch mit einbeziehen, daß die Kriminalität aus Kreisen der schwarzen Minderheit überproportional höher ist, als die der restlichen Bevölkerungsanteile. Auch ist die Wahrscheinlichkeit, daß ein schwarzer Polizist einen Schwarzen erschießt fast doppelt so hoch, wie die Wahrscheinlichkeit, daß ein weißer Polizist einen Schwarzen erschießt.

    Mit Rassismus lässt sich das kaum erklären.

    • ausgesucht schreibt:

      Hast Du eine Quelle, eine verläßliche Quelle, die Kriminalität und Kleinkriminalität für verschiedene Ethnien/Rassen in den Staaten auflistet? Und eine, die für US-Polizeieinsätze Täter und Opfer nach Ethnien/Rassen aufschlüsselt?

      Es würde mich zumindest nicht wundern, wenn sich an dieser Stelle denn doch Rassismus (oder Relikte davon) zeigen würden. Nicht offen ausgeübter; die Zeiten sind hoffentlich vorbei! Aber vielleicht doch eine „gewisse Häufung” am 1 σ Rand: was die Toleranz in der Rechtsauffassung so hergeben mag… ^^

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Zuverlässig? Na ja, aber zumindest die verfügbaren Daten, die teilweise unabhängig erhoben wurden und dann kreuzreferenziert werden können. Trotzdem muß man sich bei den Studien immer noch die jeweiligen Rahmenbedingungen und die verwendete Methodik ansehen, damit man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht.

        Und klar gibt’s in den USA immer noch Rassismus. Nur wird der von NGOs wie „Black Lives Matter“ extrem überbetont, weil man in den USA mit Opferstatus richtig Geld machen kann. Unsere Medien übernehmen dann die Äußerungen von denen, die am lautesten schreien. Der Rassismus von Schwarzen gegenüber Weißen scheint übrigens stärker zu sein, als umgekehrt. Aber auch das ist stark abhängig von Wohnorten, Bevölkerungsschichten, sozialen und ökonomischen Gegebenheiten. Sehr komplex.

        Hier meine Quellen:
        FBI – Uniform Crime Reporting: https://ucr.fbi.gov/ucr
        Department of Justice: https://www.justice.gov
        CDC: http://www.cdc.gov

        Ich habe immer Probleme damit, die richtigen Suchbegriffe auszuwählen. Umgangssprachliches Englisch fällt mir leicht. Aber Behörden- und Business-Englisch, wie es da vorkommt …

        • lawgunsandfreedom schreibt:

          Ach ja – das FBI hat ein „Data Building Tool“ im Angebot. Sehr cool:
          http://www.ucrdatatool.gov

        • ausgesucht schreibt:

          … in der Tat: sehr komplex. Ich würd’s pragmatisch sehen wollen. Wenn es systemisch und/oder eklatant zu (nachhaltigen) Rassismus-Verstößen kommen würde, hätten sich schon Interessengruppen gefunden, die die statistische Maulwurfsarbeit geleistet hätten, um stichhaltige Belege vorweisen zu können. Davon ist aber medial kein Echo zu erspüren – somit scheint die Wahrscheinlichkeit recht groß zu sein, daß es höchstens temporäre oder lokale Verwerfungen/Ausreißer gibt, wie sie in einem lebenden Organismus, der naturgemäß eine hohe Eigendynamik (also hohe Komplexität, sic!) aufweist, sicherlich innerhalb ethischer Normen nun einmal auftreten können. Und ja, je nachdem, wer solche Einzelereignisse politisch instrumentalisieren will, werden Wutgeheul angestimmt und Entrüstetsein zelebriert, die in keiner rationalen Relation zum „normalen Grundniveau” des Systems stehen.

  2. Marcello Francé schreibt:

    “Summe 106,4 %“ Fängt ja schon mal gut an… Ich meine mich zu erinnern, vor kurzem von einer ziemlich detallierten Analyse gelesen zu haben, die genau das Thema zur Grundlage hat. Die Ergebnisse waren teilweise überraschend: Es werden relativ gesehen weniger Schwarze erschossen als Hispanics oder Weiße, weil die (überwiegend weißen) Polizisten sehr wohl wissen, dass sie für mutmaßlichen Rassismus unter Umständen viel härtere Strafen erwarten können. Auf der anderen Seite wird bei absolut gleichen begangenen (oder vermuteten) Taten wesentlich härter gegen Schwarze vorgegangen (insbesonders gegen Frauen, die dadurch gleich doppelt diskriminiert werden). Das ist zwar oft ebenfalls dem institutionellen Rassismus geschuldet , aber wesentlich schwerer nachzuweisen als ein offensichtlicher Mord, der auch viel mehr Aufmerksamkeit nach sich zieht. Insgesamt sind natürlich die Waffen ein Teil des Problems- nicht die Waffen an sich, die hat die Schweiz auch, sondern der Umgang mit solchen. Und die Polizei an sich. Eine Ausbildung als Polizist in den meisten Staaten der USA ein Witz, da gilt eine IHK Zertifikat als Türsteher wahrscheinlich genau so viel.

    • ausgesucht schreibt:

      Wie gesagt: die im Artikel verwendete Graphik, die letzten Endes auf Daten zurückgeht, die direkt aus den Staaten stammen, zeigt zumindest für die ersten 6 ½ Monate des Jahres 2016 an, daß, bezogen auf die absoluten Bevölkerungszahlen, knapp 2 ½-mal mehr Schwarze als Weiße erlegt wurden…

      • Marcello Francé schreibt:

        Das ist richtig und ein ernstzunehmendes Problem- Andererseits ist natürlich die Frage der (potentiell) gefährlichen Begegnungen zwischen Polizei und Bürgern auch ein relevanter Aspekt. Das es dort zu mehr Begegnungen zwischen Schwarzen und Polizisten kommt, hat mehrere Gründe: Höhere Kriminalitätsrate der Afroamerikaner, Racial Profiling, und hohe Arbeitslosigkeits- und Obdachlosigkeitsrate unter vielen Afroamerikanern. Wer immer zu hause ist und nicht auf der Straße, wird statistisch seltener erschossen. Andererseits muss man auch zu hause aufpassen: Das weltbekannte Motto der USA ist ja auch: Erst schießen, dann fragen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/dallas-jason-harrison-von-polizisten-erschossen-a-1024184.html

        • ausgesucht schreibt:

          Die Punkte, die Du dort angesprochen hast, sehe ich auch: »Höhere Kriminalitätsrate der Afroamerikaner, Racial Profiling und hohe Arbeitslosigkeits- und Obdachlosigkeitsrate unter vielen Afroamerikanern«. Aber sind nicht gerade solche ethnik-affinen „Cluster”-Bildungen, zumal wenn sie in den seltensten Fällen multilateral so erwünscht/gewollt sind, ein Hinweis auf realen Rassismus?

          • lawgunsandfreedom schreibt:

            Jein – gerade „Racial Profiling“ ergibt sich, wenn aus einer gewissen ethnischen Gruppe überproportional viele Verbrechen begangen werden. Das ist dann nicht zwingend Rassismus, wird aber als solcher verkauft. Korrellation – keine Kausalität.

            Auch „Public Housing“ und Sozialhilfe (die es auch in US-Bundesstaaten gibt) werden gerne als Anzeichen für Rassismus gegenüber Schwarzen gedeutet. Dabei wird aber großzügig übersehen, daß die Programme ja auch für den „White Trash“ und andere sozial schwache Minderheiten gedacht sind – nicht nur für Schwarze.

            Man hat auch eine Zeit lang mit Gewalt versucht, das Bildungsniveau von Schwarzen auf das von weißen MIttelständlern zu heben – als antirassistisches Programm zwecks Gleichberechtigung und Gleichstellung. Nur die wenigsten haben das geschafft, weil gleichzeitig die staatlichen Gelder reichlich flossen und die meisten Stipendiaten es nicht für erforderlich hielten, sich anzustrengen. Angebote um institutionellen Rassismus abzubauen und Chancengleichheit zu verbessern gab und gibt es eine Menge.

            Für afroamerikanische Sportlertypen wurden dann noch die „African Studies“ als Fach eingeführt. Etwas, was ich eher als rassistisch ansehe, da man mit einem Abschluß in dem Fach hinterher gar nichts anfangen konnte und nur erfolgreiche Sportler, die aber akademisch nichts auf die Reihe brachten an den Colleges halten konnte.

            • ausgesucht schreibt:

              Ich bin mir nicht sicher, ob Rassismus nur dann (per definitionem) vorliegt, wenn Unterschiede im Umgang nur bei trennscharf unterscheidbaren Rassen nachweisbar sind, oder ob dieser Begriff nicht mittlerweile allgemeiner auf Unterschiede in Bevölkerungsgruppen abstellt. Da könnten (Konjunktiv!) durchaus WASP vs. White Trash & Blacks/African-Americans & Hispanics et. al. rassistische Merkmale nachweisbar sein, oder nicht?

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Du kannst sicher immer rassistische Merkmale nachweisen, vor allem weil der Begriff Rassismus auch nicht sauber definiert ist und immer mehr verwässert wird. Inzwischen kann man für fast alles einen Rassismusbezug konstruieren.

                Jeder versucht sich irgendwie zu positionieren und abzugrenzen von „denen da“. Das hat eher was mit Frontenbildung als mit Rassismus zu tun. Nach meiner Wahrnehmung ist Rassismus oft nur vorgeschoben und es geht eigentlich um Ressourcen, Macht und Kontrolle.

              • ausgesucht schreibt:

                Da bin ich bei Dir: jede im Sozialverbund relevante Erscheinung hat (mindestens) eine handfeste Ursache (Reichtum, Macht, Einfluß etc.), auch der Rassismus…

          • Marcello Francé schreibt:

            Ja,das sind sie auch. Daran bestehen keine Zweifel. In der USA gab und gibt es sehr viel Rassismus. Wir haben mal in der Schule die Gesellschaftspyramide der USA durchgemacht, was ziemlich interessant war (das Fach war interessanterweise Italienisch). Ganz oben stehen die WASPs (withe anglo saxon protestans) aus den protestantischen Nationen (England, Schottland, Holland), auch Nordeuropas (Schweden, wie in ehemals Neuschweden). Dann kommen die Deutschen. Lincoln war mit denen ja nicht so glücklich, heute würde er sie vermutlich als “unintegrierbar“ oder so bezeichnen. Dann kamen die Iren und Italiener (die in dieser Reihenfolge nach den Deutschen ! die größte europäische Einwanderungsgruppe darstellten). Die waren ja katholisch, arm und von ländlichen Regionen, also schon mal ziemlich weit unten (siehe auch Sacco&Vanzetti). Dann kam erst mal lange nichts, dann die Hispanics und dann die Afroamerikaner. Noch darunter oder zumindest auf gleichem Niveau sind nur noch der abfällig als “white trash“ bezeichnete Bevölkerungsanteil und die Native Americans. Im Grunde genommen hat sich das zwar ein bisschen aufgeweicht, aber noch nicht grundsätzlich geändert, nur bei den “Weißen“ ist es etwas besser geworden. Trotzdem gibt es auch intrakulturelle Probleme (wie Alkohol bei native americans, und Vaterlosigkeit bei Afroamerikanern) aber ich habe auch oft den Eindruck, dass bestimmte Teile der jeweiligen Gesellschaft zu wenig darüber reflektieren. Wenn Osama bin Laden die Parabel mit dem Wolf und dem Schaf bringt, mag er vielleicht aus seiner Sicht recht haben, verleugnet aber auch, dass der Nahe Osten auch vor US und Sowjetinterventionen nicht friedlich war. https://www.youtube.com/watch?v=MwkrO16CaWo Es ist wichtig, Missstände offenzulegen, aber gefährlich, alle Verantwortung aus der Hand zu geben. “But there is something that I must say to my people, who stand on the warm threshold which leads into the palace of justice: In the process of gaining our rightful place, we must not be guilty of wrongful deeds. Let us not seek to satisfy our thirst for freedom by drinking from the cup of bitterness and hatred.“
            Insofern ist das Zitat von 2pacs Song Changes doch anklagend gegen verschiedene Seiten: “It ain’t a secret, don’t conceal the fact: The penitentiary’s packed, and it’s filled with blacks“

            • ausgesucht schreibt:

              … das stimmt ja ziemlich gut mit dem überein, das in ich heute gegen 15:35 Uhr in einem Kommentar fallengelassen habe. Freut mich, daß wir ähnliche Ansichten haben, auch wenn diese Ansichten ein nicht gerade charmantes Thema berühren (Ausgangsthese war: der Autoritätsbeweis des Es-gibt-keinen-US-Rassismus steht auf wackeligen Füßen). ^^

  3. Pfeffermatz schreibt:

    Und die Hispanics werden deutlich unterproportional erschossen. Das spricht auch nicht gerade für Rassismus. Eventuell stammen die Daten der zwei Diagramme (Anteil an Gesamtbevölkerung, Anteil Erschossener) aus unterschiedlichen Quellen, die jeweils die Zuordnung zu den Gruppen “Weiße“, “Schwarze“, “Hispanics“, “Andere“ verschieden handhaben (es soll tatsächlich so was wie Vermischung geben…). Damit wäre jegliche Aussage anhand dieser Daten Humbug.

    • ausgesucht schreibt:

      Naja, ‘Humbug’ ist ist diesem Zusammenhang ein etwas unschönes Wort. Zur Erinnerung: im obigen Ausgangsartikel sollte lediglich darauf hingewiesen werden, daß Daten & Chart die Aussagen des interviewten Profilers nicht stützen…
      Ganz nebenbei: ich verstehe den Gedankengang nicht, weshalb – jetzt mal losgelöst vom Ausgangsartikel! – Rassismus, wenn er sich auf nur eine Ethnie konzentrieren sollte, kein Rassismus sein soll, sofern es eine Bevölkerungsgruppe gibt, die von rassistischen Handlungen etwas weniger gebeutelt wird.

      • Pfeffermatz schreibt:

        Ist Humbug ein unschönes Wort? Finde ich netter als manch Alternative…..
        Ich musste dabei auch an diesen unseligen Oxfam-Armutsbericht denken, bei dem Daten aus unterschiedlichen Quellen mit einander verglichen wurden, so dass die getroffene Aussage über die Verteilung des Wohlstands unsinnig war, was der Sache keinen Gefallen tut. Denn natürlich ist der Wohlstand ungleich verteilt, und ich zweifele auch nicht daran, dass das rassistische Tendenzen bei der amerikanischen Polizei gibt. Aber Daten, deren Herkunft unklar ist, die sich zum Teil auf deutlich über 100% summieren, und auf Basis derer ein Rassismus gegenüber Schwarze aber eben nicht gegenüber Hispanics ausmachbar ist, halte ich – und da sind wir uns scheinbar einig – für unbrauchbar. Und ich benutze dafür gerne den Begriff „Humbug“ 🙂

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