Paradigmenwechsel

Die Zahl der Ereignisse, die von offiziöser Stelle als Terror (besser noch: IS-Terror) etikettiert werden, nimmt mittlerweile erschreckenden Umfang an. Proportional dazu steigen auch die Schulterschlußbekundungen. Kann man es denn ernstlich noch schaffen, den eigenen Web-Auftritt im richtigen Rhythmus in den Farben des jeweils betroffenen Landes zu gestalten? Und dann noch die mit stolz vorgerecktem Kinn herausposaunte Bekundung: „Wir zeigen keine Angst, wir machen weiter wie bisher!”
Ach ja, auch hier?! Vielleicht lohnt es sich ja, mal darüber nachzudenken, ob nicht jede Abweichung, und sei sie auch noch so klein, von der tagtäglichen Routine, die in mehr oder weniger direktem Zusammenhang mit der Terrorgefahr und terroristischen Ereignissen steht, nicht doch ein Sieg derjenigen ist, die massiv in diese Routine eingreifen wollen.
Sind heroische Lippenbekenntnisse nicht wie Pfeifen im Wald? Die Angst ist real, mag sie nun rational oder irrational sein, nur wird sie vom Pfeifen nicht geringer. Aber man macht andere auf die eigene Ängstlichkeit aufmerksam! Gaius Mucius Scaevola, so berichten die Geschichtsschreiber, hat Porsenna nicht durch aufgeregtes Geschnatter in die Schranken verwiesen, sondern durch eine Hand·lung, die Gleichrangigkeit mit dem Gegner, wenn nicht gar Überlegenheit bewiesen hat (siehe hier). Zeit für einen Paradigmenwechsel?

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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6 Antworten zu Paradigmenwechsel

  1. Marcello Francé schreibt:

    “Kann man es denn ernstlich noch schaffen, den eigenen Web-Auftritt im richtigen Rhythmus in den Farben des jeweils betroffenen Landes zu gestalten?“ Mitleidsbekundungen für alle Opfer? Einfach in den panarabischen Farben erstrahlen lassen (schwarz, weiß, grün, rot) , damit liegt man in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle goldrichtig. Bloß kommt das halt in den Zeitungen in der “zwei Sätze lange unnütze Meldungen am Rand von Seite 56“ Rubrik. Statt finden sie trotzdem. Aber wer ist deswegen hier beunruhigt?

    • ausgesucht schreibt:

      … ich würde bei der Farbwahl sogar noch weitergehen. Warum ‘schwarz, rot, weiß, grün’ und nicht gleich alle (sichtbaren) Farben?
      Flagge_farbig
      Man könnte sogar noch weiter gehen: alle Flaggen dieser Erde werden standardisiert (= gleiche Formate, gleicher Untergrund – Unterschiede erzeugen Neid & Mißgunst und führen letztlich zu Krieg, Mord & Totschlag). Die Individualisierung erfolgt lediglich durch die Wahl eines dominierende Farbpunktes

  2. YDU schreibt:

    Wir pfeifen auf die Angst, das ist alles! Fallweise pfeifen wir vor Angst aus dem letzten Loch, aber das muss nicht jeder wissen und ganz nebenbei pfeifen wir alle aus, die uns Angst machen wollen! Was mich betrifft , so pfeife ich gerade die „Ballade vom Pfeifer“, die Reinhard Mey vorsorglich schon vor Jahren komponierte … 😉

    • ausgesucht schreibt:

      … wenn wir doch nur auf die Angst pfiffen, wenigstens manchmal!

      Ach, übrigens, der Reinhard ist sangestechnisch einer der Großen, der ganz, ganz Großen. Nur zählt die „Ballade vom Pfeifer” in meinen Ohren nicht zu den Meisterwerken – ach, pfeif drauf. 😉

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