Bock & Gärtner

Fast könnte man froh sein, in einer Zeit, in der es scheinbar nur noch um Terrorgefahr und IS-Terror geht, eine Nachricht zu lesen, die nicht dem Terror verpflichtet ist: »In einem Berliner Krankenhaus hat am Dienstag ein 72 Jahre alter Patient seinen Arzt erschossen und dann sich selbst getötet« (Quelle: FAZ net). Sarkasmus beseite, schließlich geht es um Gewalt, Waffengewalt gegen Menschen. Und die hat doch wohl tabu zu sein, nicht wahr?
Halt, nicht so schnell. Sind wir, wir alle!, nicht längst von der Behauptung indoktriniert, daß es gute Waffengwalt gegen Menschen gibt und eben auch schlechte? Und wer ist der Richter über gut und böse? Welche Person, welche Institution, aufgrund welcher Legitimation?
Auffallend ist bei dem aktuellen Vorfall zumindest, daß der Mediziner aus dem „Benjamin Franklin”-Krankenhaus in der Opferrolle steht. Wie auch sonst, schließlich wurde er lebensgefährlich verletzt und erlag seinen Verletzungen. Aber was wird über den Täter berichtet? Welcher körperliche und/oder seelische Leidensdruck hat ihn in eine Rolle gedrängt, die in logischer Konsequenz in die Ereignisse vom 26.07. münden mußte? Wird man es je erfahren?
Ich gebe es unverblümt zu: mir fallen weit mehr Szenarien ein, die mein Verständnis für den 72-jährigen Täter bestärken, als solche der Ablehnung. Wenn ich mir vorstelle, daß ich seit rund 4 Jahren in jeder Konsultation bei einschlägigen Ärzten um die Aufklärung der Ursachen für das damalige Tatütata-Ereignis bitte, aber mit konstanter Boshaftigkeit vertröstet/ignoriert werde, daß ich knapp 1½ Jahre nach der Überweisung an die Berliner Charité (ja genau die aus obigem Artikel!) außer Vertröstungen noch immer keine nennenswerte Untersuchung erleben durfte, wundere ich mich beinahe schon, warum ich noch immer nicht mit Machete oder Bazooka meinen freundlichen Bitten Nachdruck verliehen habe…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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25 Antworten zu Bock & Gärtner

  1. Chantao schreibt:

    Zumindest habe ich meiner Frau vorgelesen, als ich den Artikel sah im www: Da stand „Gewalttat ohne terroristischen Hintergrund“, darauf würde hingewiesen, oder ähnlich: Ich frohlockte: Endlich mal wieder ein ganz normaler Mord…“ Ja, da fiel ein Stein vom Herzen ähnlich damals, als es endlich auch mal wieder News gab ohne „Flüchtlinge“, denn zum einen, was man uns hier in DE als Terror anbietet kommt ja den Anschlägen in Paris nicht nach, und dennoch 3 Tage N24. Also, die Sache mit dem Bruchpiloten hatte doch da mehr Sensationsmöglichkeit, denn es geht doch um Sensationen, den Medien zumindest.

    Was den Terror angeht, so sagte ich zu meiner Frau: Wenn der Terrorist wirklich logisch denkt, dann begeht er seinen Akt nicht in einer Großstadt sondern in der Walachei in irgendeinem Kaff, was man nicht auf der Landkarte findet auf dem Wochen-, Winter- oder Ostermarkt, denn das hat das Signal: „Selbst in der Knüste (irgendwo in Meck-Pomm z.B., aber da gibt’s ja wieder keine Ausl**r) sind wir nicht sicher.“ Und somit hat die Nord-Normandie und ein Geistlicher terroristische Aussagekraft. Genauso wie in Bayern, die die meisten Flüchtlinge aufgenommen haben und die Knüsten kriegten den Arschtritt dafür. Dankbar- oder Höflichkeit gehen dem Aus**r eben ab.

    Und gerade die Bayern-Haupt-Darsteller sagen schon immer: „Wir schaffen das nicht.“ Arschtritte muss man denen geben, die Willkommenskultur am lautesten rausschreien, das hat dann Wirkung aber kein deutschgeborener Iranerbengel mit pubertären Flausen im Kopf oder ein Bomber mit Kohle in der Tasche, der zu dumm ist sich eine Eintrittskarte zu ergattern, für die ganzen Scheine in der Tasche, die er 5 Minuten später sowieso nicht mehr braucht, um sich dann weit vom Schuß selbst zu erlegen. Hat man den Muslimen nicht gesagt, dass die 27 Jungfrauen nicht für die Dummerles bereitsstehen ?

    Natürlich hoffe ich, dass das Thema Terror in Deutschland erstmal Pause hat, denn wenn der Terrorist schlau ist, dann weiß er, dass er in DE mit Hartz-IV ganz gut über die Runden kommt, besser als in FR und man schneidet nicht die Hand ab, die einen nährt, eigentlich…

    • ausgesucht schreibt:

      *chchch* da ist Dir eine gar zu possierliche Darstellung des Hier & Jetzt gelungen. Chapeau! Aber hast Du es beim Tippen bemerkt, die Crux steckt im: »Wenn der Terrorist wirklich logisch denkt«. Freilich denkt er logisch! Nur die Logik am Arsch Knust der Welt ist eine andere als im Speckmantel derselben… 😉

  2. Chantao schreibt:

    Zu Tatütata-Ereignis:

    sinnsucht schreibt:
    14/07/2012 um 6:19 am
    Besten …..wenn Du es auf Anhieb „getroffen“ hättest – ich halte, zumindest versuche ich es, die Person, die dieses Blog zu verantworten hat, bewußt im Hintergrund (wir sind im www und wer weiß, wo noch, ohnehin schon komplett gläsern)

    Eigentlich war ich zeit meines InternetLebens stolz darauf, dass ich Näheres über Personen recherchierte, die mein Interesse auf sich zogen, und an einer anderen Stelle, ich weiß nicht mehr wo, hoffte Ausgesucht (nur sinngemäß) als arme Putzfachkraft hoffentlich einen reichen Kerl zu ergattern …. vielleicht hilft das irgendeinem anderen fähigeren Recherchierer weiter hihihi Ausgesucht war seinerzeit nicht näher auf meine Vermutung des Femininen eingegangen, vielleicht kam ich der Wahrheit wirklich nahe, wer weiß, denn die Weisheit hier im Blog: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Maskuline so pfiffig sind.

  3. Pingback: Mord des tages | Schwerdtfegr (beta)

  4. YDU schreibt:

    Über „Tatütata-Ereignisse“ bekommt man bei Feuerwehr, Polizei oder Rettung sehr präzise Auskünfte! Die Herren in Weiß haben mit lautstarker Vergangenheit nichts am Hut … 😉

    • ausgesucht schreibt:

      … mir würde es vollauf genügen, wenn die Damen und Herren in „weiß nicht” sich mit dem Jetzt abgäben – ich würde jede Lautstärke tolerieren (= ist eine Frage der Schwerpunktsetzung). ^^

      • YDU schreibt:

        Das „Jetzt“ ist einfach zu schnell, denn kaum angekommen, ist es auch schon wieder weg! 😉

        • ausgesucht schreibt:

          Aber nein! In einem statischen Universum gibt es kein ‘Jetzt’, wer wollte da widersprechen?! Aber in einem dynamischen ist das Jetzt (genauer: sind die Jetzte) ein Punkt, in dem diverse Nachher-Prozesse sich überschneiden, – und Punkte sind unkaputtbar… ^^

          • YDU schreibt:

            Du willst mir mit den kopflastigen Ideen einiger Theorieschnösel mein höchstpersönliches Jetzt „klauen“? Da wird nichts draus – Punkt! Diese dynamische Idee, wo sich viel klitzekleine Jetzts zu einem schleierhaften „Überjetzt“ zusammenfügen, gefällt mir schon wesentlich besser, da sie meiner gängigen Jetzt-Wahrnehmung recht gut entsprechen. Praktische Beispiele lasse ich jetzt mal außen vor, um den Umfang des Kommentars überschaubar zu halten. Fazit: Wenn meine persönlichen Jetzt-Punkte unkaputtbar sind, so freut mich das sehr, da ich mit ihnen ja dynamisch verbunden bin und damit ebenfalls zur Unkaputtbarkeit neigen sollte … Oder wie nun? 😉

            • ausgesucht schreibt:

              Nein, ich möchte Dir nicht »mit den kopflastigen Ideen einiger Theorieschnösel [Dein] höchstpersönliches Jetzt „klauen“«. Jedenfalls nicht jetzt… ^_^

              • YDU schreibt:

                Mmmhh, jetzt (noch) nicht, das ist ja sehr erfreulich, stellt sich nur die Frage: Wann dann?

              • ausgesucht schreibt:

                Naja, also nicht im Jetzt, aber ob nachher oder vorher, ist noch unklar. Fest steht: irgendwann um das Jetzt umher… ^_^

              • YDU schreibt:

                Irgendwann, das nenne ich wahre Präzision und habe sogleich den Wcker gestellt, damit ich nichts verpenne …

              • ausgesucht schreibt:

                … das ist ja putzig, mit der „Irgendwann = wahre Präzision”-Aussage ist der Kommentar-Thread sogar trilateral geworden, nämlich schweiz-uhrwerkerisch präzis. ^_^

  5. davina77 schreibt:

    Kennst Du die Serie Dexter? In der ein psychisch kranker die Psychos tötet, die von ihren Verbrechen loskommen? Nun, das nenne ich ausgleichende Gerechtigkeit.

    Natürlich ist es wirklich schlimm, was gerade passiert. Dass im Jahr 2000irgendwas immer noch Religion ein Anstoß für Gewalt ist (hammer ma widder nix aus den Kreuzzüchen gelernt, wa?), dass im Moment (ob es die Hitze ist?) soviele sich selbst und andere töten.

    Aber – da ich selbst ein Mensch mit schlimmen Erfahrungen bin – hätte ich nichts dagegen einzuwenden, wenn man ab und an noch Selbstjustiz verüben könnte oder wenn ECHTE Gerechtigkeit verübt werden würde, anstatt das Pseudo-Gehabe, was gerade in Deutschland herrscht.

    Du betrügst den Staat? Lebenslänglich

    Du mißbrauchst ein Kind? 3 Jahre (ist ja nicht schlimm, was da in der Kinderseele passiert, das heilt ja wieder)

    Generell bin ich dankbar, dass wir keine Selbstjustiz und waffenverherrlichenden Staat haben, in dem jeder das Recht hat, mit Waffengewalt zu agieren, wenn er sich auch nur ein µ bedroht fühlt.

    Aber so manches Mal …

    Lg Davina

    • ausgesucht schreibt:

      Nö, den ‘fingerfertigen Rechtshänder’ kenne ich nicht…
      Aber ganz im ernst: ich hatte auch mal so eine, ähm, Phase, in der ich glaubte, Selbstjustiz sei ein barbarischer Rückfall des Menschen ins Animalische. Heute bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das nicht vorschnell geurteilt war. Wollen wir nicht vergessen, daß der Mensch mit seinem, ach, so großen Gehirn sich komplett dem absolut natürlichen Vorgang verweigert, der ihn überhaupt erst hervorgebracht hat. Bei Darwin heißt dieser Vorgang: „survival of the fittest”. Ob es gut ist, sich überlegener als 99,999999999999999% aller übrigen irdischen Lebensformen zu fühlen, muß sich erst noch herausstellen… ^^

      • davina77 schreibt:

        Und da haben wir es wieder, bzw. leitet es mich dazu: Der Mensch ist das schlimmste Raubtier auf Erden.
        Wobei ich finde, dass da dem Raubtier unrecht getan wird, da es kein solch ein grausames Wesen gibt, wie den Menschen, der aus Lust tötet – und nicht weil er seine Familie ernähren muss … naja, oder Hunger hat ^^
        Selbstjustiz wäre nur legitim, wenn die Kräfte gleich verteilt wären.
        Aber waren sie das jemals? Eigentlich eher nicht.
        Als der eine noch mit dem Messer kämpfte, wurde er vom Schwert aufgespießt. Der andere kam mit dem Langbogen – und wurde vom Schießpulver niedergestreckt.
        So, im Konsens kann man wirklich froh sein, dass wir den Instinkt unterdrücken, muss ich zugeben …

        • ausgesucht schreibt:

          Das ist echt ein heißes Thema! Vor allem, wenn man eine generelle Lösung anstrebt. Ich bin nicht davon überzeugt, daß das Unterdrücken von Instinkten sich auf Dauer als nutzbringend erweist. Vielleicht sollte das Ausleben der Instinkte kultiviert werden (also eher nicht ‘Messer’ vs. ‘Schießpulver’)? Bei der Gelegenheit könnte übrigens herauskommen, daß die Reichen und deren Steigbügelhalter, nämlich die Obrigkeitskaste, ihre menschenverachtenden Instinkte (nach wie vor!) sehr gut ausleben, während alle übrigen gefälligst ergeben zu kuschen haben…

          • davina77 schreibt:

            Back to the roots, also? (mehr oder minder)

            Nee, lieber nicht.

            Ich weiß nicht, ob Du schon einmal mit den richtig psychisch kranken Menschen zu tun hattest, die ihren Instinkten den freien Lauf lassen – das endet für gewöhnlich damit, dass man im Krankenhaus landet oder tot ist. Aus, für gesunde Menschen, unerfindlichen Gründen.

            Außerdem: Hier vermischt sich ganz klar die Fantasie mit dem Instinkt. Denn der Urinstinkt des Menschen heißt: RENN!

            Wir sind Fluchttiere, keine Raubtiere.

            Die Unterdrückung der Instinkte/Fantasien – was die Gewalt und manch andere Sachen anbelangt – ist doch eher vorteilhaft.

            Denn so muss der moderne Mensch – besonders die Frauen und Kinder darunter – nicht damit rechnen, von jetzt auf gleich ohne Grund verprügelt, geschändet oder mißhandelt zu werden.

            Ja, das gibt es leider noch oft genug. Und ja, es wird im Verborgenen praktiziert, aber im Großen und Ganzen wird sich an die Grenzen gehalten.

            Fantasien/Instinkte ausleben? Nun, für was gibt es Hobby-Jäger, Schützenvereine, die Mittelalterszene (wir kämpfen immerhin mit echtem Stahl, und glaub mir, DAS tut weh :-D) und Hausfrauen mit dem Nudelholz?

            Wir suchen die Kompensierung unserer Instinkte, so denn wir sie nicht unter Kontrolle halten wollen oder können, meist in solchen Hobbies.

            Eigentlich eine gute Lösung, heutzutage.

            Unser Urinstinkt hieße eigentlich, dass wir uns verstecken, nur zum fressen rauskommen und ansonsten das Weite suchen. Ok, und das bischen Fortpflanzung noch dabei.

            Man, sind wir langweilig *lol*

            • ausgesucht schreibt:

              … welch ein Glück, daß der Urinstinkt der Flucht uns wenigstens noch als Relikt zugestanden ist – als Urlaubsfahrt „weit weg” von Zuhause. 😉

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