[phoenix] ZuK → ZusE

Dieser Artikel ist gewissermaßen eine Fortsetzung von diesem und berührt auf das innigste diesen oder diesen. Gestern wurde zwischen 20:15 und 21 Uhr auf phoenix eine Reportage über das Zentrum für unerkannte Krankheiten an der Universitätsklinik Marburg ausgestrahlt. An dieses Zentrum, das 2013 gegründet worden ist und heute unter dem Namen „Zentrum für unerkannte und seltene Erkrankungen” [ZusE] reüssiert, wendet sich täglich rund ein Dutzend Patienten, die sich von ihrem Arzt nicht verstanden oder auch nicht ernstgenommen fühlen (siehe hier).
Wie es scheint, leistet man sich im ZusE einen Luxus, den sich Hausarzt und üblicherweise konsultierte Spezialärzte gar nicht leisten können, nämlich Zeit. An einer Uni-Klinik kann auf dieses Gut schon eher einmal zurückgegriffen werden, da aus den Erkenntnissen über seltene Krankheiten akademischer Gewinn gezogen werden kann. Dennoch ist in der Reportage die Klage zu hören, daß eine Erst-Anamnese, die etwa 2 Stunden gedauert habe, für gerade einmal 30 € abgerechnet werden könne. Ach ja!? Ich kenne Leute, die für diesen Betrag mehr als 4 Stunden lang hart buckeln müssen. Und ich kenne mindestens ein „Leut”, das kaum diesen Betrag für die wöchentliche Lebensmittelration zur Verfügung hat. Was soll also dieses Jammern auf hohem Niveau? Darum geht es aber hier gar nicht, was frag ich auch so blöd?
Jedenfalls habe ich mich entschieden, daß das Marburger ZusE für mich keine Option darstellt. Was ließe sich gewinnen? In einem günstigen Fall vielleicht der Name einer seltenen Gen-Variation, aber noch lange keine Therapie…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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4 Antworten zu [phoenix] ZuK → ZusE

  1. Chantao schreibt:

    Ich leide (litt ?) seit Kindesbeinen unter Zwangssymptomatik wegen einer super-pedantischen Mutter. Nähere Einzelheiten würden hier vom Tausendsten zum Millionsten führen, und wenn die Lawine erst losgetreten ist gibt es keinen halt mehr, also weiter im Text auf kleiner Ebene. Also diese Störung ist auch mit ICD-Code attestiert, aber machen können sie nix, oder wollen vielleicht auch nicht, wäre besser formuliert. Ich muss mich eben am Riemen reißen, sagen sie, sinngemäß. Als ich von der Trunksucht weg wollte, bekam ich Unterstützung ohne gleichen, ich hätte ja auch im besoffenen Kopp Häuser anzünden können, aber Zwang musst Du mit Dir selbst ausmachen, obwohl vom Grundsatz her die selben Wurzeln zuständig sind.

    Als ich mich seinerzeit für die Trocknungs-Therapie entschied, meinte ich deshalb, dass ich nun von der Zwangskrankheit geheilt würde, nääääh, eher kannste einen Saufrückfall haben, 2x bekommste dann noch mal Therapie, danach kannste Dich dann tot saufen. Also hier in HH. Tot saufen, Sehschwäche oder Grippe sind ja von der Abrechnung her mehr ein Hobby, was die Krankenkassen nicht bezahlen. Der Alkohol ist seit 13 Jahren weg, der Zwang ist geblieben. Und obwohl er 25 Prozent meines Tagesablauf ausmacht, obwohl ich deswegen nicht mehr arbeitsfähig bin … muss ich mit mir selbst ausmachen, da muss ich mich eben etwas zusammen nehmen. Ja, viele Abläufe, die ich wegen Ordnungs- und Aufzählezwang durchlaufen muss, viele Abläufe habe ich als IQler natürlich „kultiviert“ und mit eingebaut in den Alltag: Das Problem und nicht die Aufgabenstellung ist: Wenn irgendjemand her kommt und meine Struktur aufbricht könnte ich morden, was ich als kultivierter Mensch natürlich nicht tu‘, aber es kostet unwahrscheinliche Energien (Tinnitus) den Dingen nicht einfach seinen Lauf zu lassen: Ich habe auch einen Befund: Pathologisch aggressiv, worüber ich mich zuerst aufregte, aber wenn und nun kommen wir zum Thema:

    Wenn jemand mich nicht ernst nimmt, mir womöglich noch über den Mund fährt, wie’s mal eine Rentenablehnungstante beim Renterversicherer versuchte: Dann weise ich auf diesen Paragraphen in meiner Vita hin und stelle dann in Aussicht, dass ich mich ab jetzt nicht mehr zusammennehmen werde  …. Und schon hört man mir zu. Ich kann auch innerlich ganz ruhig sein und aussen bin ich eben pathologisch aggressiv 😉 Ich meine, es wurde ja nie etwas medizinisch angegangen. Ich war mal in der ExDDR auf Kur deswegen und als erstes dort sagten sie mir, da könnten sie auch nix machen aber arbeitsfähig würden sie mich schreiben. OK, wieder daheim habe ich wieder eine Stelle angenommen, ich arbeite immer sehr genau und 200prozentig, dann sagt jemand „Faule Sau“ zu mir und jubelt mir einen Fehler unter, den ich als Fehlerloser gar nicht begangen haben kann, dann arbeite ich 400prozentig bis ich wieder 20 KG abgenommen habe und falle dann mager um … Und schon wieder Langzeit au.

    Ja, ich bin auch nihilistisch, bin auch fatalistisch oder welche -ismen mir noch andrehen möchte, drauf geschi**n. Ich bin schon 61 Jahre alt, sooo lange wird’s nicht mehr dauern dieses temporäre Erdendasein; ich sichere nur noch meine Struktur und dort, wo der Zwang mir nützt, da schlage ich voll zu …. hihihi Hauptsache ist immer, man hat für alles ICD in den Unterlagen und den Nachweis, dass man es angesprochen hat aber keinen hat’s gestört.

    • ausgesucht schreibt:

      Na, das ist doch mal ein „Bericht” der ganz besonderen Art: offen, Dein Inneres zeigend, unverblümt. Ich kann gar nicht anders, als dafür zu danken. Vielen Dank für diese ergreifende Darstellung! Weißt Du, sie macht betroffen, gar kein Zweifel. Aber sie hat mich, ich gebe es unumwunden zu, sie hat mich zugleich auch lächeln lassen. Stell Dir mal meine Fratze vor, wie sie so voller Wut lächelt…
      Doch dieses Lächeln ist nicht etwa geschauspielert und entstand erst recht nicht aus Wonne über das Leid eines anderen, sondern es ist sardonisch: nach Außen stellt sich dieser Staat mitsamt seinen Institutionen als makellos dar, wie ein sauber geöltes schnurrendes Maschinchen. Aber hinter der Fassade rumpelt und rumort es gar mächtig. Wie so ein Mannequin – zierlich, mit raubtierhafter Grandezza, geschminkt wie ein Püppchen, makellos, aber inwendig, da wo die Gedärme arbeiten, ist’s dieselbe Sche*ße wie überall. ^^

  2. Chantao schreibt:

    Ja und eben deshalb, weil man „Krankheit“ auch selbst kultivieren kann liest man unlängst in den Hintergründen der „Terrorwelle“, die über Europa geschwappt ist und gerade im Bunten Deutschland: Da waren meistens Menschen nicht nur mit Migrationshintergrund am Werke, sondern oft waren sie auch in psychiatrischer Behandlung. Damit ich nicht dauernd in die Harzer-Behörde muss, sitze ich auch lieber beim Doc, ist einfach viel schöner. Leichter wäre, weil nicht so Zeit intensiv bei der Arge ab 8:00 Uhr im Wartezimmer; aber auch dort schon: Werden bei Doc die mit der privaten Clubkarte dem gemeinen Kassenvolke vorgezogen: Bei der Arge erlebte ich jüngst als 8:00-Uhr-Erster, dass eine Busladung Fluchtsuchender vor mir dran war, weil sie Nummerkarten hatten noch vor meiner, eben der ersten Nummer.

    Wer krank ist, wird nicht abgeschoben, selbst die Krankheit ist nicht mehr heilig, aber das ist wieder eine Geschichte die woanders hingehört. Die Wut-Fratze ist also durchaus angemessen.

    • ausgesucht schreibt:

      Wie wahr, wie wahr! Es wird langsam Zeit für diese andere Geschichte, womit ich aber nicht nur Geschichten, sondern komplette Kapitel in Geschichtsbänden meine (aber wahrscheinlich werden die sich eh nur in der Utopie-Ecke irgendwelcher Independent-Bibliotheken wiederfinden lassen)… ^^

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