höchstwahrscheinlich gefangen

Meine Eltern sind Mieter in einem Wohnhaus, das über stolze acht Etagen verfügt. Es befinden sich darin 160 Wohnungen, die allesamt altersgerecht und barrierefrei sind. Leerstand gibt es kaum – die Wohnung werden von älteren und/oder motorisch eingeschränkten Menschen gern angenommen. Dieses nicht zuletzt wegen der beiden Fahrstühle, die die Wohnungen mit dem Draußen barrierefrei verbinden.
Das klingt doch alles recht passabel. Zumindest könnte es so klingen, wenn die Fahrstühle in Ordnung wären. Sind sie aber nicht. Hat der Vermieter billigsten Schund einbauen lassen, sind die Aufzugsmonteure gnadenlos inkompetent, erlaubt sich wer ein übles Spielchen? Man weiß es nicht! Fest steht jedoch, daß die Aufzüge schrecklich oft (und dann mitunter gleich für mehrere Tage)Fahrstuhl1_20160831 nicht betriebsbereit sind. Die nebenstehende Abbildung illustriert die empirisch geschätzte Betriebs­dauer der beiden Fahrstühle.
Der eine (hier blau markiert) fällt im Mittel alle 2 Wochen (bzw. 14 Tage) aus. An der kumulierten Wahrscheinlichkeit (in der Abb. eine der etwa s-förmigen Linien) läßt sich ablesen, daß der blau gekennzeichnete Aufzug praktisch nie länger als 3 ½ Wochen am Stück funktioniert.
Wenn wenigstens ein Fahrstuhl funktioniert, ist es zwar lästig, aber noch halbwegs hinnehmbar, wenn immer mal wieder nur einer der beiden Aufzüge den Dienst versagt. Doch wie wahrscheinlich ist es eigentlich, daß beide zugleich nicht betriebsbereit sind?
Fahrstuhl2_20160831Die nebenstehende Abbildung gibt sicherlich keine exakte Antwort, aber sie illustriert zumindest in der korrekten Größenordnung das zu erwartende Drama. Die zugrunde­liegenden Daten sind aus numeri­schen Experimenten gewonnen worden, die auf den Daten aus der obigen Abbildung (d. h. poisson­verteilte Betriebsdauer; Mittel­werte: 14 und 52 Tage) basieren. Das numerische Experiment lief über einen Zeitraum von eintausendfünfhundert Jahren (so lange lebt kein Mieter, aber der PC ist geduldig).
Verblüffend ist, daß das Gesamtereignis [= gleichzeitiger Ausfall zweier Fahrstühle] keineswegs der Poisson-Statistik unterworfen ist. Obwohl es die beiden unabhängigen Teilereignisse [= Ausfall genau eines Aufzugs] nach Voraussetzung sehr wohl sind und obwohl der Gesamtprozeß mutmaßlich der „Statistik der kleinen Zahlen” angehören sollte, stellen die Häufigkeiten der empirisch ausgewürfelten Verfügbarkeitszeiträume nicht einmal in gröbster Näherung eine Poissonverteilung dar. Erkennbar ist dieser Fakt am Verlauf der kumulierten Wahrscheinlichkeit (rote Linie im unteren Chart), die so gänzlich anders als in den Beispielen im obigen Chart aussieht.
Im Mittel ergibt sich eine Dauer von 74 Wochen zwischen zwei aufeinanderfolgenden Ausfällen zugleich beider Fahrstühle (der Median ist durch den roten „50%”-Punkt auf dem Graph der kumulierten Wahrscheinlichkeit markiert). Wäre die Zeitdauer zwischen zwei aufeinanderfolgenden Komplettausfällen tatsächlich poissonverteilt, würden praktisch nie – wie man leicht nachrechnen kann – Zeiträume unterhalb von 52 Wochen bzw. oberhalb von 96 Wochen zu registrieren sein. Aber in der Realität treten sie sehr wohl auf.

Kurz: wenn der Vermieter nicht endlich mal die Qualität der beiden Fahrstühle verbessert, werden im Mittel alle 1 ½ Jahre viele bedürftige Mieter des Hauses Gefangene in ihrer Wohnung (oder halt Ausgesperrte) sein. Und das vielleicht am Freitagabend, wenn 2 bis 3 Tage lang niemand von den Aufzugsmonteuren Erbarmen hat oder zeigt…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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18 Antworten zu höchstwahrscheinlich gefangen

  1. Nicht umsonst ist D Exportweltmeister. wer reichlich produziert hat auch schon mal nicht so dufte Teile dabei. Und die werden dann für die Gefangenen des Systems Merkel bzw. deren Inhaber verbaut. Außer Siemens, die liefern global Murks.

    • ausgesucht schreibt:

      … nicht umsonst bin ich skeptisch, wenn mir jemand mit tränenfeuchtem Gesicht (Freudentränen!, versteht sich) von seinem „citius altius fortius”-Glauben schwärmt, wo ich lieber durch Intensivierung gesicherte Qualität genießen würde. ^_^

      • Und schon steht ein frisches stahlhartes Hollandrad im Keller, die dubiosen Baumarkt- Alukisten will ich nicht! Bei good old steel sieht man, wenn es brechen wird, bei Alu und Karbon kracht es einfach.

        • ausgesucht schreibt:

          Hmm, der Rahmen meines Fahrrades ist aus Stahl (ich hoffe zumindest, daß sich sowas unter der Lackschicht befindet ^_^), aber sehen würde ich sich anbahnende Risse wahrscheinlich dennoch nicht, da ich den herbstlichen Winterfestmachen-Fahrradputz ausfallen ließ … allerdings den von 2012. 😀

  2. lawgunsandfreedom schreibt:

    It’s a trap …

  3. YDU schreibt:

    Nun, vermutlich werden jetzt fast alle Bewohner um die Wohnungen im Erdgeschoß ansuchen … Ach, falls es einen feinen Vorgarten gibt, wäre zelten eine praktische Übergangslösung! 😉

    • ausgesucht schreibt:

      … das dürfte ein wüstes Gedränge geben, wenn die Insassen aus den insgesamt 7 darüberliegenden Wohnungen mit in die Erdgeschoßwohnung einzögen. 😉
      Und, ganz ehrlich, im Erdgeschoß möchte ich nun nicht unbedingt wohnen – immer dieser Geschützlärm! Das ist in der Wohnung kaum auszuhalten, geschweige denn beim Zelten im Vorgarten… ^_^

      • YDU schreibt:

        Tja, das gute alte Langhaus, da wurden alle gerecht bewohnt. Den Geschützlärm muss man einfach als Lärmschutz betrachten und schon ist alles in Butter … 😉

        • ausgesucht schreibt:

          … und ich dachte immer, das Dingens hieße ‘Erdgeschoß’, weil die „Freundlichkeiten” der Mieter untereinander im gerecht bewohnten erdgeschossigen Langhaus früher oder später in Raufhändel ausarteten, die seit der Erfindung des guten alten Samuel C. durch Projektile ausgetauscht wurden. Es wurde also in Erdnähe geschossen (daher der Name ‘Erdgeschoß’); in die Luft zu zielen war nicht nötig, d.h. die ‘Luftnummer’ (im Gegensatz zum ‘Erdgeschoß’) wurde erst im Zusammenhang mit Hochhäusern erfunden und weiterentwickelt. 😉

          • YDU schreibt:

            Raufhändel, welch ein böses Wort für die klassiche Art der Morgengymnastik und zugleich Kalorien abzubauen! 😉

            • ausgesucht schreibt:

              Du meinst, die Entwicklung und immer weitere Verfeinerung der Rechtsprechung (speziell: Nachbarschaftsrecht) ist die direkte Ursache für Übergewicht, weil wegen juristisch eingeschränkter Morgengymnastik der Kalorienverbrennungsofen nicht so richtig angefacht werden kann? 😉

              • YDU schreibt:

                Der erzwungene Friede hat seinen Preis, aber keiner sagt einem die Wahrheit, so schaut’s aus! 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Ach, die armen Kalorientierchen – so gern würden sie hinweg eilen in die große weite Welt, nur wissen sie es nicht noch sagt man’s ihnen; so sind sie vom Gesetzbuch her gezwungen, sich im Erdgeschoß niederzusetzen (deswegen heißt es ja Gesetzbuch und nicht Laufbuch oder Wanderkarte). 😉

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