Buch 91 – Einfach Göttlich

cover_pratchettEs gibt nicht wenige Bücher, die das Attribut „göttlich” im Namen oder, etwas bescheidener, im Untertitel führen. Der Scheibenwelt-Roman Einfach Göttlich von Terry Pratchett (* 28.04.1948, † 12.03.2015) gehört dazu. Und das mit vollem Fug und Recht an vorderster Stelle – er ist einfach göttlich.
Ich bezeichne den Roman an dieser Stelle einfach einmal als philosophisches Werk, nicht nur um geschmeidig auf den nächsten Satz überleiten zu können. Selten las sich ein philosophisches Buch so leicht, obwohl es mit einer Themenvielfalt gespickt ist, die ganze Kompendien an welt­anschaulichen, philosophischen, anthropo­logischen Gedanken füllen könnte.
Auf knapp 400 Seiten wird die Geschichte eines Novizen erzählt, der aus tiefstem Inneren an einen Gott glaubt. Da ist kein Zweifel, kein analytisches Zerstückeln des Glaubens, aber auch keine aufgesetzte Pose, etwa um im Glaubensbetrieb Karriere zu machen. Dieser Novize wird von einer Welt, die Religion allenfalls als Werkzeug ansieht, um beliebige (gleichermaßen kleinliche wie Großmacht-) Gelüste befriedigen zu können, instrumentalisiert und findet sich plötzlich zwischen die Mühlsteine der großen Politik geworfen. Der ganz großen – auch Götter machen Politik.
Die Handlung scheint mit leichter Feder geschrieben, sie verblüfft immer wieder durch einen unglaublichen Wortwitz. Und nicht nur durch solchen. Mit einem Augenzwinkern wird die Klaviatur der Assoziationen und Anspielungen bedient, die das Bild einer fiktiven Welt entstehen läßt, bis man mitten im genüßlichen Lächeln (oder auch schenkel­klopfendem Lachen) realisiert, daß diese Phantasiewelt uns, in all unserer Klugheit und Aufgeklärtheit, einen blitzblanken Spiegel vorhält…wertung_45stern

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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6 Antworten zu Buch 91 – Einfach Göttlich

  1. Pingback: Buch 91 – Einfach Göttlich — Unerhörte Worte | Es ist wie es ist ... Fotoblog

  2. lawgunsandfreedom schreibt:

    Eine erstklassige Kritik! Was ich an Pratchett so liebe … er moralisiert ohne erhobenen Zeigefinger, auf eine höchst amüsante und oft sehr liebevolle Art. Trotzdem haben seine Bücher Ecken und Kanten, Schärfe und Klarheit. Der Blick des weisen Narren auf eine seltsame Welt, voller seltsamer Leute, die sich seltsam verhalten.

    Das tut er auch sehr häufig in seinen anderen Scheibenwelt-Romanen, die ebenfalls voller philosophischer Rundumschläge und elementarer Weisheit stecken – in verständliche, unkomplizierte Sprache gekleidet. Meist bekommt man gar nicht mit, daß man, während man sich köstlich amüsiert, gleichzeitig in einer Vorlesung sitzt. Pratchett beschreibt unsere Welt, unser menschliches Verhalten, aus einem anderen Blickwinkel. „Einfach göttlich“ habe ich vor Jahren erst auf deutsch und dann nocheinmal auf englisch gelesen. Die Übersetzer geben sich sehr viel Mühe, trotzdem setzt „Small Gods“ wie der Titel im Original heißt, in Sachen Wortwitz und Vieldeutigkeit tatsächlich nochmal eins drauf.

    »Die Menscheit hat die Sprache nur entwickelt, „um die Affen im anderen Baum besser beleidigen zu können“«

    »Das Licht glaubt, es sei schneller als alles andere, aber egal wie schnell es sich bewegt, die Dunkelheit ist immer schon vorher da und erwartet das Licht bereits.«

    Falls Du Blut geleckt hast, würde ich als nächstes „Wachen, Wachen“ empfehlen, oder „Good Omens„. Letzteres aber bevorzugt im Original, da es in der Übersetzung zu sehr verliert.

    • ausgesucht schreibt:

      Ohne jeden Zweifel hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen: »Der Blick des weisen Narren auf eine seltsame Welt, voller seltsamer Leute, die sich seltsam verhalten«. Chapeau!

      Ich habe übrigens, nachdem ich das erste Dutzend an zitierfähigen Stellen notiert hatte, entschieden, die anderen (24?) Scheibenweltromane auch noch zu lesen. Ist aber im Moment *verdammte Axt* eine Geldfrage: ein Paperback-Buch halbiert etwa die wöchentliche Lebensmittelration (auch nicht schlecht: durch Lesen abnehmen). ^^

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Hm – bei Amazon kriegt man die Bücher gebraucht für einen Appel und ein Ei. Alternativ kann ich Bibliothek für Fernleihe spielen. Da ich fast alles von Pratchett habe (deutsch und englisch), brauchst Du mir nur zu sagen, was Du lesen willst. Wenn es nicht gerade schon verliehen ist, dann schicke ich es Dir gerne.

        • ausgesucht schreibt:

          Amazonien mag ich nicht (IMHO überwiegen die zweifelsohne vorhandenen Vorteile den einen Nachteil [= Angreifbarkeit im weitesten Sinne] nicht). Und Bücher, die andere im Besitz haben, auch nicht – ich komme von der Marotte des Glossierens nicht los, direkt auf den Buchseiten (siehe u. a. hier)…
          Trotzdem vielen lieben Dank für das Angebot. Ich weiß das zu schätzen, sehr sogar.

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