beredte Textlücken

Nun bin ich ja echt mal gespannt, wie in der Pressekonferenz, die in wenigen Stunden schon Licht ins Dunkel bringen soll, die seltsamen Lücken geschlossen werden sollen: »Der terrorverdächtige Jaber al-Bakr ist tot in seiner Zelle in Leipzig gefunden worden. […] Laut einem Bericht von Spiegel Online, der sich auf Justizkreise bezieht, soll sich der Syrer im Hungerstreik und wegen akuter Selbstmordgefahr unter ständiger Beobachtung befunden haben « (Quelle: Zeit online, Hervorhebung nachträglich eingefügt).
Nun gut, wenn al-Bakr tatsächlich unter ‘ständiger Beobachtung’ stand, dann fand dieser Suizid halt unter ‘ständig beobachtenden Augen’ statt. Ständige Beobachtung muß nicht zwingend einen Suizidversuch vereiteln. Viel wahrscheinlicher aber ist, daß das ‘ständig’ im Eifer des Gefechts zur eigenen Reinwaschung zwar gesprochen wurde, aber nicht wirklich verläßlich ist.
Aber was wäre, wenn der Suizid durch die vielleicht ‘ständigen Beobachter’ billigend in Kauf genommen wurde? Eine Exekution (vgl. hier) war bei der Festnahme wegen der Umstände nicht möglich, doch ein Angeklagter vor den Schranken des Gerichts ist heikel. Ganz besonders in politisch heiklen Situationen. Und als brisant – nehmen wir doch ruhig einmal die jüngsten Wahlergebnisse als Indikator – darf man die aktuelle politische Situation durchaus betrachten, in die die Bunte Republik durch die kanzlerische „Wir schaffen das”-Hybris manövriert wurde. War es nicht seltsam, mit welchen Attributen die Lückenpresse die Vorgänge um al-Bakr garnierte?

  • Ganz zu Beginn wurde sehr intensiv hervorgehoben, daß al-Bakr sich legal in Deutschland aufhielt, d. h. schon vor dem „Wir schaffen das”-Satz seinen Asylantrag gestellt hatte (vgl. hier, speziell den letzten Absatz).
  • Dann wurde ganz kurz (nur einige wenige Nachrichtensendungen lang) erwähnt, daß er schon monatelang im Visier der Terrorfahnder war.
  • Etwas dauerhafter war die Nachricht, daß al-Bakr hochbrisanten Sprengstoff in der Wohnung hatte.
  • Dann wurde ganz extrem kurz erwähnt (nur in einer Nachrichtensendung hab ich’s hören können), daß der Sprengstoff nicht transportfähig wäre und vor Ort entschärft werden müsse; wie wollte der potentielle Attentäter diesen hochbrisanten, nicht transportfähigen Sprengstoff – das Entschärfen kann ja wohl kaum intendiert gewesen sein – zu gleich zwei Flughäfen transportieren und deponieren?
  • Aber! Die Ausführung stand, so wurde und wird berichtet, unmittelbar bevor; die Medien bedienen eine Palette zwischen ‘in letzter Sekunde’ und ‘binnen weniger Tage’. Auch hier, wie später in der JVA: (scheinbar) eine sorgfältige Beobachtung, aber in Wirklichkeit viel Spielraum zum Vorbereiten und Durchführen von Handlungen, die diametral zu den Interessen der Beobachter stehen (stehen sollten?).
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Über ausgesucht

…desillusioniert
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6 Antworten zu beredte Textlücken

  1. YDU schreibt:

    Wir starren gewohnheitsmäßig auf die Lettern, obwohl wir zwischen den Zeilen lesen müssten, um der Wahrheit näher zu kommen ….

    • ausgesucht schreibt:

      … ich werde Deinem Satz mit ganzer Inbrunst zustimmen, wenn der letzte Halbsatz heißen wird: »um der ihrer Wahrheit näher zu kommen« (im Sinne von ‘ihrem demagogischem Ziel’). 😉

  2. YDU schreibt:

    Du nimmst es wahrlich sehr genau mit der Wahrheit … Nun stelle ich mir gerade Dein Inbrunstverhalten vor und schon läuft mein Kopfkino auf Hochtouren! Und das ist die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit … 😉

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