Buch 92 – Die Edda

cover_eddaIn den Schränken und Regalen, die ein paar meiner Bücher fassen müssen, gibt es eine nicht allzu große Abteilung, die physisches Bucheigentum enthält, das zu lesen ich einfach noch nicht geschafft habe.
Mir scheint, daß Die Edda in meiner Buchsammlung den Rekord mit der längsten Wartezeit bis zum Lesen und vor allem Verinnerlichen hält. Andererseits waren die Quellen schon uralt, als Brynjólfur Sveinsson sie in der Mitte des 17. Jahrhunderts zu seiner als Codex Regius bezeich­neten Handschrift kompilierte – da dürfte es auf ein Jahr mehr oder weniger bis zum Lesen nicht ankommen.
Wer sich aus akademischer Sicht den Göttersagen im Teil 1 und den Heldensagen im Teil 2 der Älteren Edda nähert, mag viele kritische Anmerkungen zu Simrocks Über­setzung ins Deutsche vorbringen können. Wer hingegen an Sagen über Helden und Götter interessiert ist, wird die Sprachgewalt, Satzmelodie und -rhythmus der vorliegenden Übersetzung sicherlich zu schätzen wissen.
Zudem finden sich, obwohl die Quellen weit über tausend Jahre zurück reichen, außerordentlich kluge Gedanken, die bis heute nichts an Gültigkeit verloren haben. So lautet die 26. Strophe aus dem Hâvamâl:

Ein unkluger Mann, der zu Andern kommt,
Schweigt am Besten still.
Niemand bemerkt, daß er nichts versteht,
So lang er zu sprechen scheut.
Nur freilich weiß wer wenig weiß
Auch das nicht, wann er schweigen soll.

Oder wie wär’s mit der 63. Strophe?

Der Macht muß, der Mann, wenn er klug ist,
Sich mit Bedacht bedienen,
Denn bald wird er finden, wenn er sich Feinde macht,
Daß dem Starken ein Stärkerer lebt.

Die 9. Strophe aus der Sigurdharkvidha Fafnisbana Thridhja bedient sogar in Blogistan eine Facette der Schreibmotivation so manchen Bloggers:

„Die Freud ist mir entfremdet, des Freunds entbehr ich,
Nur Graun mag mich ergetzen und grimmer Sinn.”

*

Und mußt das Buch auch bevor gelesen es,
Lang liegen auf dem Lager,
Ist reichlich Zeit zur Reife,
des Buches nicht, des Nutzers.  ^_^

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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4 Antworten zu Buch 92 – Die Edda

  1. simonsegur schreibt:

    Und ist die Rezension so spät sie kommt
    ein inspirierender Text,
    so danke ich, der Leser,
    den Unerhörten Wörtern, der Sinnsucht.

  2. lawgunsandfreedom schreibt:

    Wind im Wams, Wahn in den Wanten …

    Das Hâvamâl gehört zu meinen Lieblingskapiteln.

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