Unliebsames wegschminken

Ein von der Obrigkeitskaste offenbar für probat empfundenes Mittel zur politischen Führung scheint die Forcierung des Herdentriebs zu sein. Warum sonst sollten in regelmäßigen Abständen belanglose Meinungsumfragen unters Volk gestreut werden? Sie sehen zwar oftmals so aus, als kämen sie dem Anspruch einer umfassenden Informations­verbreitung nach demokratischem Ideal nach, sind aber – darüber sollte man sich nicht täuschen lassen – Instrumente zur politischen Gängelung (also zur Erhaltung der Macht).
Jüngstes Beispiel ist der ARD-Deutschlandtrend (vgl. hier). Neben anderen gibt es die Umfrage­ergebnisse zur „Zufriedenheit mit der Bundesregierung”. Die soll ja in diesem Monat gesunken sein. umfrage20161104Die Skalierung der originalen Zufrieden­heitsachse (li. in Abb.) ist schlichtweg absurd! Irgendwo im Chart gibt es zwei Maßzahlen und vier Hilfslinien, die allerdings nach Gieß­kannenprinzip ausge­streut zu sein scheinen.
Anhand der Daten des Textes (Aug. 2014 [Max] und Feb. 2016 [Min]) bzw. der Angaben im Chart kann die tatsächliche Achseinteilung nachvollzogen werden, die hier (vgl. Abb., re. Skale) einmal nachträglich eingezeichnet ist. Und plötzlich ist zu erkennen, was mit der ursprünglich verwendeten Darstellung tunlichst vermieden werden sollte, nämlich daß seit immerhin schon knapp einem Jahr die Zufriedenheit mit der Bundesregierung deutlich unter 50 % rangiert.
Es ist, wenn man sich ein bißchen Mühe gibt, gar nicht so schwer, in anscheinend informativen Präsentationen mißliebige Zusammenhänge „wegzuschminken”.

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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14 Antworten zu Unliebsames wegschminken

    • ausgesucht schreibt:

      Ja, etwas. Da die „unentschieden”-Stimmen nicht erkennbar sind, wird graphische Redundanz vorgegaukelt [‘approve’ + ‘disapprove’ ≈ 100].

      Hier sind beide Graphen mal spiegelbildlich übereinander gelegt; was an Koinzidenz fehlt, sind die nicht berücksichtigten „unentschieden”-Stimmen:
      statistik_putin20161104

      Also selbst dort bleiben Wünsche offen… ^^

      • Marcello Francé schreibt:

        Daten dazu gibt es hier: http://www.levada.ru/eng/indexes-0
        Die Anzahl der Unentschiedenen bewegt sich für die letzten 7 Jahre aber sowieso nur zwischen 1-3%

        • ausgesucht schreibt:

          … vielleicht nicht der letzte Schluß, aber diese Graphik sagt alles, was mit den Daten anzufangen ist:
          statistik_putin20161104x
          Oder vielleicht doch nicht? 🙂

          Ach übrigens, da wäre noch ein Nachtrag: 25% der zugrundeliegenden Daten (das sind absolut 52 Datensätze) sind nicht konsistent, da die Summe der 3 Komponenten 99 oder 101, nicht aber 100 ergibt…

          • Marcello Francé schreibt:

            Diese Grafik erstaunt nicht, weil Putin in seiner Anfangszeit noch nicht jedem ein Begriff gewesen sein wird. Aber die alten Ergebnisse sind für aktuelle Betrachtungen kaum relevant und bei den neueren ist die Anzahl der Unentschlossenen vgl.weise gering.

            • ausgesucht schreibt:

              Warum kann ein Fakt (hier: eine Graphik) nicht einfach nur zur Kenntnis genommen werden? Ohne Wertung oder „Pro|Kontra” Interpretation? Weil es um Putin geht und man zu Putin eine Meinung haben muß? Fakt ist: Die beiden verwendeten Quellen legen den Schluß – was selbst beileibe kein(!) Fakt ist – nahe, daß die aktuelle dt. Regierung weniger als 45 % Zustimmung und daß Putin aktuell mehr als 80 % hat. Punkt.

      • Marcello Francé schreibt:

        Die eigentliche Implikation mit “so ist es besser“ bezog sich übrigens eher auf die Prozentzahlen, und die Feststellung, dass selbst ein Wladimir Putin die 103% Zustimmung (bereits unter Berücksichtigung der verstorbenen Anhänger) eines Heydər Əliyev wohl doch nicht erreichen kann

        • ausgesucht schreibt:

          Ach, ich liebe die Zweideutigkeit in der Sprache. 😉

          Doch ist es nicht gerade die Person Putins, die polarisiert? Hätte er weniger als 50 % Zustimmung, wäre er ein Diktaor, der gegen die Interessen seines Volkes trotzdem regiert; nun hat er mehr als 80 %, also ist er ein Diktator, der sich (ohnehin nur gefälschte) Zustimmungszahlen mit diktatorischen Mitteln zuschreiben läßt… *hmm*

          • Marcello Francé schreibt:

            Ich auch. Das er mit weniger als 50% Zustimmung grundsätzlich ein Diktator wäre, halte ich aber für ein Gerücht. Immer wieder haben in Ländern, die man m.E. als recht demokratisch einstufen kann, die Regierungschefs keine Mehrheit in der Bevölkerung, der umgekehrte Fall mit den 80% tritt aber nur sehr selten ein.

            Die Zustimmungszahlen sind sehr wahrscheinlich nicht gefälscht, das Levada-Zentrum, welches Hr. Putin wohl nicht gefällt: http://www.bbc.com/news/world-europe-37278649 gilt als das einzige überregionale unabhängige Meinungsinstitut Russlands. Das heißt, die Russen mögen Putin wohl (nun gut, die Alternativen wie LDPR – Moment, gibt es “Faschisten“ nicht nur in Kiew?- sind auch eine Katastrophe). Zudem sind 84% der Russen 2015 (1999: 74%) der Meinung, die stalinistische Periode habe nicht mehr Schlechtes als Gutes bewirkt oder gar nur Schlechtes. 19% wünschen sich die SU zurück. Dafür hat sich in eineinhalb Jahren (März 2014 – November 2015) der Anteil an Russen verdoppelt, die Russland “zweifelsfrei“ als Demokratie erkennen (8%->16%) Warum wohl Russland gerade in dieser Zeitspanne so viel demokratischer geworden ist?

            Hat das was mit Putin zu tun? Auch, aber nicht nur. Russlands Verfassung: „zu 50 Prozent aus französischer konstitutioneller Inspiration, zu 30 Prozent aus amerikanischer Inspiration und zu 20 Prozent aus imperialem russischen Erbe“ (Jelzin) lässt eben die Möglichkeiten für eine Missbrauch der präsidialen Stellung, ausßerdem sind evtl. die Zahlen vertauscht.

            • ausgesucht schreibt:

              Mit meinem Beispiel hatte ich nicht vor, eine Definition für ‘Diktator’ anhand irgendeiner Einzelzahl [deren Erhebungsmethode zudem noch nebulös ist] zu geben, sondern eine Illustration dafür, wie ein „Fakt” [hier sogar quantifizierbar und deshalb *ironie* objektiv], der mit einem Sachverhalt allerhöchstens in schwachem Zusammenhang steht, nach Belieben so oder diametral ausgelegt werden kann.

              Doch was genau sollen die „statistischen” Angaben im Mittelfeld Deines Kommentar besagen/beweisen? Was besagt eine Umfrage, die z. B. die Einzelfrage enthält: »Hat die stalinistische Periode mehr Gutes als Schlechtes für die Sowjetunion bewirkt: j/n?« Wie sollte man darauf antworten können? Was ist gut, was schlecht? Gut bzw. schlecht für wen oder was? Wie quantifiziert man ‘gut’, wie ‘schlecht’? Wieviele von den Notwendigkeiten des damaligen Überlebenskampfes gehen (ursächlich!) auf Stalin zurück, wieviele wären zwingend auch ohne Jossip so und nicht anders notwendig gewesen? Kurz: auch hier gilt: Traue nur den Statistiken, die du selbst gefälscht hast.
              Erweiterung dieses Grundsatzes: Jede Statistik dient direkt (klar!) oder indirekt (d. h. durch Information, diese aber absichtsvoll/zielorientiert) der Meinungsmanipulation.
              Dazu paßt nämlich auch die jelzinsche Bewertung der russischen Verfassung, von der allerdings nicht bekannt ist, wie alkoholumnebelt der gute alte Boris während seiner „Wahrheitsbekundung” denn tatsächlich gewesen ist. Doch selbst wenn er in einem lichten Moment zu dieser Einschätzung gekommen ist, was besagen die Relationen der historischen Quellen, aus denen die russische Verfassung schöpft?

  1. Chantao schreibt:

    Die wohl größte Frechheit sind „Erhebungen“ auf dem Lügensender ZDF. Und die allergrößte Frechheit ist, dass man sich die eigene Propaganda mittels GEZ finanzieren läßt. Das Schlachtopfer, dass den Schlachter selbst bezahlt, obskur…

    • ausgesucht schreibt:

      Irgendwie ist die Menschheit, zumindest ein großer Teil von ihr, mit einer gewissen Perversität aufgestattet, wenn es um arme Tiere und Schlachtbänke geht: so liefert ein Schwein das Fleisch für leckere Würstchen, aber zugleich auch mit den eigenen Därmen das „Verpackungsmaterial” für diese tierische „Opfergabe”…

      • Chantao schreibt:

        Muss eben alles verwertet werden. Mich erinnert an meine Tante selig, die nicht nur Kirschkompott zauberte, sondern auch eine leckere Suppe aus Kernen und Stielen 😉

        Was die Schlachtbänke betrifft wird es sich zum einen um fiskale Effizienz zum anderen um das schlechte Gewissen drehen und darum dass wirklich alles vernichtet werden muss von einem Individuum, damit es scheint, als hätte es niemals auf unserer schönen Welt existiert.

        • ausgesucht schreibt:

          Unter diesem Gesichtswinkel verstärkt sich meine Bewunderung für die antiken Ägypter noch, die nachdrücklichst darum bemüht gewesen sein sollen, daß ihr Name in aller Zukunft ausgesprochen werde… – eine Methode, um nicht nur (im Schattenreich) ewig weiterzuleben, sondern auch um die Spuren der Existenz ‘auf unserer schönen Welt’ untilgbar zu machen. ^^

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