enttäuschende Liebe

Da gibt es eine Lebensmittelkette, die recht vollmundig mit dem Slogan wirbt: »Wir ♥ Lebensmittel«. Was durchaus stimmen mag. Sosehr, daß man sich dort offenbar gar nicht von seinen Lebensmitteln trennen mag, um sie einem ungewissen Schicksal beim Kunden auszuliefern.
Am Samstag hatte ich in einem solchen Lebensmittelmarkt noch ein paar Besorgungen zu erledigen, um den Wochenendeinkauf für den Haushalt meiner Eltern zu komplettieren, u. a. eine Portion Schabefleisch (das ist ein Frischfleischprodukt, das bekanntermaßen seine durch Zugabe von E·xyz [hier gedanklich irgendeine Ziffernfolge einsetzen] wider­natürlich rote Färbung bei Luftkontakt recht schnell verliert). Was da unter einer Folie verpackt war, sah ordnungsgemäß aus, das Verfallsdatum war längst nicht überschritten.
Am Abend dann die Überraschung: was äußerlich noch immer akzeptabel aussah, hatte ein beängstigendes Innenleben. Nicht etwa Schnipsel in der durchaus natürlichen Farbe toten blutleeren Fleisches (also blaßrot, eher schon ein rötlichgrau), sondern schmutziggrau, eher schon schwarz (und seid froh, daß es kein Geruchsblog gibt). Also außen hui, innen pfui (eher schon *würg*).
Wie lange hat diese Filiale getreu ihrem eingangs zitierten Wahlspruch diesem Lebens­mittel innigliche Liebe angedeihen lassen, bis es sich sich in eine Biowaffe hatte verwandeln können? Ich schätze, ich werde dort nur noch Putzmittel und Konserven kaufen, jedenfalls keine Lebensmittel, die ihren Namen offenbar deshalb tragen, weil sie in kürze bald selbst Leben hervorbringen könnten, nämlich in Form von Maden, Würmern etc. …

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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20 Antworten zu enttäuschende Liebe

  1. knipserei schreibt:

    Mal auf den Preis geschaut? Solange die Kunden viel für wenig wollen, werden wir alle diese Art von ‚Lebensmittel‘ bekommen. Das ist nicht nur in Deinem Markt so.
    Das Doofe, es gibt kaum einen Mittelweg. Kauft man bio, kauft man für gut 25 Prozent nur die Bezeichnung mit, die weder schmeckt noch nach was aussieht. Es ist echt ein Dilemma.

    • ausgesucht schreibt:

      O ja, ich schaue immer auf den Preis; irgendwann ist ALG I zuende und wenn man das Glück/Pech hat, durch das ALG II-Raster zu fallen, achtet man sehr wohl auf die Preise (um vielleicht doch an ALG II vorbei zu kommen)…
      Aber das hattest Du sicherlich gar nicht gemeint, nicht wahr? Genauso wenig wie ich die Folgen des kundenseitigen Immer-billiger-Wahns zu kommentieren beabsichtigte, sondern die offenbar nicht sonderlich belastbare Liebeserklärung der Lebensmittelkette an die zu verschachernden Lebensmittel. ^^

      • knipserei schreibt:

        Welche Liebeserklärung aus der Werbung ist denn schon belastbar? Aber ich meine zu verstehen, was Du meinst.

        • ausgesucht schreibt:

          Irgendwas kitzelt mich, Deine Eingangsfrage noch weiter zuzuspitzen: Welche Liebeserklärung ist denn schon belastbar? ^_^

          • knipserei schreibt:

            Sag ich mal so: Jede Liebeserklärung! Für, nun ja, eine Stunde? Und jede zweite Liebeserklärug für 3 Stunden, jede dritte für gut einen Tag, jede vierte für mindestens 2 Wochen … OK, daran müsste ich jetzt dann noch genauer arbeiten.

  2. shopgirl71 schreibt:

    Wenn es von aussen nicht ersichtlich war, dann ist den Mitarbeitern der Filiale wohl keinen Vorwurf zu machen.
    Der alltägliche Kundenwahnsinn ist auch nicht besser: Habe selber schon unzählige frische Salate und Fleischvariationen aus den Tiefkühltruhen und auch aus wärmeren Regalen gezogen, Gurken in Gläsern in die Truhe damit, Konserven wird das Etikett entzogen (niemand weiß was er abschreiben darf.. ist es Tiernahrung oder Sauerkraut?),frische Milch hinters Nudelregal, Brötchen zum Spielzeug, Bier zum Eis, Wurst zu den Äpfeln.. die Aufzählung ist nicht abschließend.

    • ausgesucht schreibt:

      Nein, da möchte ich widersprechen: da die „Oxidation” von außen beginnt (nämlich da, wo Sauerstoff mitsamt „biologischen Angreifern” drankommt), müßte der Kern noch appetitlich sein, während die Außenhülle sich mehr und mehr verabschiedet. Hier war’s genau umgekehrt – außen super, innen Brechreiz…

  3. volkerwiesner schreibt:

    Könnte bei einer anderen Marke aber auch passieren. Reklamier das im Markt – das wird denen mindestens mal peinlich sein und es gibt Ersatz.

    • ausgesucht schreibt:

      Oh, das hätte ich denen gern präsentiert und – im wahrsten Sinne des Wortes! – auf’s Brot geschmiert. Nur leider hatten die Nornen mir einen anderen Weg bestimmt… ^_^

  4. YDU schreibt:

    Nun mal ganz ehrlich, gib einfach zu, dass du das Rosa deiner Brille für den Einkauf etwas zu kräftig gewählt hast! 😉

  5. YDU schreibt:

    Ganz ehrlich? Ich würde dort gar nix mehr kaufen, denn ich stelle mir gerade vor, was man mit Putzmitteln alles anstellen kann und wie sich das im trauten Heim auswirken würde…

    • ausgesucht schreibt:

      Mag sein, aber ich stelle mir gerade vor, „wie sich das im trauten Heim auswirken” wird, wenn ich da gekaufte Putzmittel dort einsetzen werde… ^^

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