ungute Ziele

Smartphone & Co dürften in der Tendenz dazu führen, daß der Mensch (zumindest der mittelständische, technikinteressierte und sozial unbegabte) sich zum Autisten entwickelt.
Und sage niemand, daß das intensive Interesse an „unbegrenzten” Musiklisten, Video-Streams, Chats und/oder Zwitscherportalen ja wohl das blanke Gegenteil von Autismus wäre. Zugegeben, der Autismus-Begriff dürfte weiter als bisher gefaßt werden müssen, da er die Körpergrenze bzw. die Grenze der auswendigen Kommunikation überschreitet, aber er bezöge sich noch immer auf einen Kokon, der ein Individuum umhüllt, nach bzw. von außen praktisch undurchlässig ist und Interaktion mit realen Menschen (elektronische Abbilder ihrer Aktivitäten sind keine Menschen) weitgehend verhindert…

Advertisements

Über ausgesucht

…desillusioniert
Dieser Beitrag wurde unter Erkennen, kurz & gut, Realität, Zweifel abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

30 Antworten zu ungute Ziele

  1. YDU schreibt:

    Willst du damit sagen, dass das Knutschen der süßen Bildchen im Netz nur bedingt real sein soll?

    • ausgesucht schreibt:

      Nö, das ‘Knutschen’ ist durchaus real. Allerdings hat das Knutschen irgendwelcher Anatomie-Abbilder so gar nichts mit dem Knutschen realer Menschen zu tun. 😀

      • YDU schreibt:

        Aber da gibt es doch die ganz realitischen, du weißt schon, was ich meine, diese Dingsbums halt. Da is auch nix? Ja, wozu werden denn die dann in derartigen Mengen produziert und konsumiert? Ganze Wirtschaftszweige leben doch von dieser Annahmen, die doch bis heute als gesichert galt. Wenn Donald erfährt, dass du Teile einer gut florierenden Wirtschaftsgattung kippen willst, das wird ihm gar nicht gefallen, nö, da bin ich mir so was von sicher! Aber der Knutschfleck …

        • ausgesucht schreibt:

          Aber nein, ich will da gar nichts kippen! Noch bin ich von der Realität der Dings oder Bums oder Dingsbumse nicht überzeugt. Aber die innige Beschäftigung mit (durchaus auch) Fiktivem ist freilich (innere) Realität.

          Ach, der Gedanke gefällt mir, aber nun fällt mir beim besten Willen kein Dreh ein, um das Gespräch auf Donalds Knutschfleck zu lenken… 😀

          • YDU schreibt:

            Knutsch ihn und schon ist es geschehen! 😉 * bitte nicht am Haardingsbums ziehen *

            • ausgesucht schreibt:

              Ach menno, und dabei habe ich mir so lange schon einen Staubwedel aus Echthaar gewünscht… 😆

              • YDU schreibt:

                Man kann nicht alles haben im Leben, sorry …

              • ausgesucht schreibt:

                Aber ich will *huhuhuuuu* alles haben!!! Ich will, ich will, ich will! Ansonsten ist mein Leben *huhuhuuuu* doch völlig nutzlos!

                😀 So also fühlt sich das an? 😀

              • YDU schreibt:

                Alles gut, keine Aufregung, erst mal einen Lolly genießen, dann sieht die Welt ganz anders aus … 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Lolly!? Oh ja, Zucker als Nahrung für die (erschütterten) Nervenzellen. Mit größtem Vergnüg… Aber halt, was sagen denn Zahnfee und Anti-Zucker-Lobbyisten? ^^

              • YDU schreibt:

                Allen Leuten Recht getan, ist eine Kunst …

              • ausgesucht schreibt:

                … die jeder kann.
                Zumindest können sollte, wenn nur die Gegenseite wollte. 😉

              • YDU schreibt:

                Ach du liebe Güte! Dir ist schon klar, dass das Christkind und der Osterhase nur subreal sind und die allzeit wollende Gegenseite an den anderen Enden der Multiversen liegen dürfte …

              • ausgesucht schreibt:

                Sollte wirklich was dran sein an den unter der Hand getuschelten Gerüchten um Christkind und Osterhase?? Du liebe Güte! Aber den Weihnachtsmann, den gibt’s doch aber wirklich, oder… ^_^

              • YDU schreibt:

                Der Weihnachtsmann ist so wirklich, dass man es kaum aushalten kann :“ Ho, ho, ho … “ 🙂
                PS: Glücklich? Genieß dein Glück noch ein wenig …………………………………………………………………………………………………………….. Jetz reicht’s, denn der ist einfach nur ein Christkind in einer späten Phase … 😉

              • ausgesucht schreibt:

                Hab‘ ich’s doch geahnt: das Christkind mit Damenbart bekommt einfach nur ’ne neue Bezeichnung und tingelt weiter als Weihnachtsmann… 😉

  2. phileos70 schreibt:

    In der Tat, Sozialpsychologen und Psychiater – ich bin mir nicht sicher, welche Disziplin zuständig wäre – könnten eines Tages auf den Gedanken verfallen, den durch Einsamkeits- und Zeittotschlägertechniken erworbenen Sozialautismus als Paradigma für den pathologischen Autismus zu verwenden. Die ersten Symptome, die ihnen dann auffallen würden, wären: erhöhte Reizbarkeit bei mangelnder Ansprechbarkeit.

    • ausgesucht schreibt:

      Yep. Und die Frage, wer denn nun „zuständig” sein könnte, wird wahrscheinlich weder unter den Sozialpsychologen noch unter den Psychiatern ausgemacht, denn wenn das Thema erst mal „Mode” geworden sein wird, werden von A, wie Anthropologen, bis Z, wie Zen-Buddhisten, alle(!) schon immer davon gewußt und davor gewarnt haben… 😉

    • lawgunsandfreedom schreibt:

      Sozialautismus – gefällt mir besser als der pauschale Autismusbegriff. Denn letzterer ist primär genetisch bedingt, während Sozialautismus erworben werden kann.

      • ausgesucht schreibt:

        Ähmmmmmm. Das ‘kann’ im letztgenannten Satz macht ihn ja beinahe unangreifbar. Dennoch möchte ich bekunden, daß ich als wesentlich für Sozialautimus das Sozialgefüge ansehe und nicht sosehr den individuellen „Beitrag”.

      • phileos70 schreibt:

        Ja, und diese Differenz ist in meinem Kommentar genau auseinandergehalten. Der Begriff des Sozialautismus wird aber nur vestanden, wenn er sich auf den medizinischen Autismus als Ähnlichem bezieht. Die Ironie in dem Text – zu erkennen am Konjunktiv – hält diese Differenz der Ähnlichen sehr wohl auseinander.

  3. davboe schreibt:

    Hmmmmm.
    Schon mal drüber nachgedacht, wie sich real existierende Autistinnen und Autisten fühlen, wenn hier munter von Autismus geredet und der Begriff in ganz anderen Kontexten verwendet wird als dem, der diesen Menschen etwas bedeutet: Eine andere Art und Weise, die Welt wahrzunehmen, mit den Menschen darin zu kommunizieren und die anfallenden Probleme anzugehen?

    Der hier konstruierte „Sozialautismus“ ließe sich auch mit Hilfe anderer Begriffe beschreiben – Eurer Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.
    Autismus ist Autismus und taugt weder als Schimpfwort noch als Behelfskategorie.

    • ausgesucht schreibt:

      Oh, ich würde es nach diese Watsche nicht mehr wagen, meiner Phantasie Spielraum zu geben, der die Phantasie irgendwelcher Zeitgenossen in unerlaubter Weise übersteigt, sodaß sie ihr Du-darfst-Edikt gleich (einmal mehr?) glauben verhängen zu müssen.

    • lawgunsandfreedom schreibt:

      Einerseits habe ich Verständnis dafür, andererseits gehen mir manchmal diverse Befindlichkeiten von Minderheiten ziemlich auf den Senkel. In der breiten Masse ist das, was Autismus ausmacht, nur sehr oberflächlich bekannt (Rainman-Effekt). Da wird halt Ähnliches mit Ähnlichem verknüpft – ob’s passt oder nicht. Das Gehirn arbeitet halt so. Ich persönlich fühle mich davon jetzt nicht so sehr auf den Schlips getreten (bin selbst Betroffener).

    • phileos70 schreibt:

      Die Übertragung, sprich: die übertragene Rede, von Autismus (im übrigen weiß niemand so genau, was das eigentlich ist) auf Sozialautismus ist nicht in wertender oder abwertender Absicht gebraucht, sondern weist auf strukturelle Ähnlichkeiten hin. Diese mehr oder weiniger bewußte Verwechslung der Kategorien der Wertung und der Struktur werden häufig in diskretitierender Absicht verwandt. Dann stehen plötzlich auf der einen Seite die Wohlgesinnten und auf der anderen, denen angeblich das Menschliche fremd sei oder eine entsprechende Empathie abgehe. Nota bene: Die Autisten brauchen meine Verteidigung nicht, das ist meine Höflichkeit gegen ihre Selbständigkeit als Mensch. Ich bitte zu bedenken: Wenn Euer Argument stimmte, müßten wir mit dem Korrekturstift durch viele Romanen gehn. Auch dort wird oft in übertragener Rede von der verkrüppelten Seele gesprochen.Darüber regt sich kein Behinderter auf, weil er sehr wohl weiß, was Analogien und Metaphern sind. Es regt sich kein Shizophrener auf, wenn im alltäglichen Sprachgebrauch von schizophrenem Verhalten gesprochen wird.

      • ausgesucht schreibt:

        O ja, da stimme ich zu. Bis auf eine Prise Salz, die ich würzenderweise einstreuen möchte. Ist es heutzutage nicht üblich geworden, bei einem Reizwort gleich auf die Barrikaden zu gehen, anstatt auch nur einen Gedanken auf den Kontext zu verschwenden? Das mag der Informationsflut geschuldet sein, da viel zuwenig Zeit bleibt, außer gewissermaßen der Überschrift den Text durch(!)zuarbeiten. Das mag aber auch damit zu tun haben, durch diese Unsitte auf wohlfeile Art eine moralische Keule ergreifen zu können, mit der man auf die anderen im Bewußtsein seines eigenen Gutmenschentum losdreschen kann.
        Insofern bin ich felsenfest davon überzeugt, daß sich früher oder später jemand finden wird, der eben doch mit dem Korrekturstift durch die Romane geht… (gibt’s ja längst, daß Romane, d. h. Sprachzeugen ihrer(!) Zeit an Mode, Geschmack und (Un)sitte unserer(!) Zeit angeglichen werden).

  4. davboe schreibt:

    „Oh, ich würde es nach diese Watsche nicht mehr wagen, meiner Phantasie Spielraum zu geben.“
    Na dann ist ja gut. Fantasie wird ohnehin überbewertet 🙂

    Und ich kann sehr wohl mit dem Phänomen, das die Wortschöpfung „Sozialautismus“ in ein Wort fassen will, etwas anfangen – und finde den Begriff „Sozialautismus“ auch passend.

    Ich frage mich nur, ob es nicht schlichtweg höflicher ist, einen neuen Begriff dafür zu erfinden.
    Derartige Begriffe werden nämlich sehr wohl als Schimpfwörter verwendet – man lausche einmal im Rauschen der Politikerphrasen, da kann schon mal der politische Gegenger als „Autist“ beschimpft oder eine missliebige aussagen gilt als „schizophren“, dabei können die von diesen Krankheiten/Störungen betroffenen Menschen gar nichts dafür; dennoch werden diese Begriffe mit kritischer, bisweilen abwertender Intention verwendet.

    Na ja, ich arbeite nun mal mit diesen Menschen zusammen, das mag der Grund sein, dass ich persönlich so ein Phänomen wie den o.g. „Sozialautismus“ zwar sehe, aber diesen Begriff kritisch sehe.
    Vermutlich auch, weil ich weiß, wie sich „Mongo!“, „Behindi!“ oder „Du Autist“ auf dem Pausenhof anhören – gar nicht gut. Dennoch bin ich kein Freund von Sprechregelungen oder dem Zwang, Kinderbüchern umschrieben zu müssen. So wollte ich nicht verstanden werden.

    Aber befruchtender Austausch. Dank dafür.

    Wen interessiert, was Autismus eigentlich ist – hier hier wird geholfen: http://www.autismusstuttgart.de/pdf/Fachtag2017Anmeldung.pdf

    • ausgesucht schreibt:

      Es freut mich, daß klärende Worte die anfängliche Mißstimmung entspannt haben. Ich finde diese Deine Kommentierung sehr erhellend. Ich stimme ihr durchaus zu – bis auf eine Einschränkung: eine oktroyierte Sprachregelung schafft die eigentliche Ursache wohl nicht aus der Welt. Das schafft, wenn überhaupt, auch wenn es reihenweise gegen Windmühlen geht, allerhöchstens Aufklärung.

      PS: die späte Antwort ist keinesfalls böse Absicht, sondern ein „Kollateralschaden”, da Dein Kommentar durch die WordPress-Algorithmen in den SPAM-Ordner verschoben wurde…

ein Kommentar ist hier möglich:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s