Fußfesseln für (wahre) Gefährder

Oftmals – und leider viel, viel zu oft – ist das, was die Politiker von sich geben, kaum mehr als, wie sag ich’s jetzt diplomatisch?, gequirlte Kac*e, die labernderweise verzapft wird.
Wie wohltuend hebt sich da ein Interview ab, das vor wenigen Stunden dem RBB gegeben wurde (siehe hier). Da beweist ein Politiker Fingerspitzengefühl und (möglicherweise sogar) politisch/diplomatische Weisheit. Allerdings fehlen für meinen Geschmack minde­stens zwei Gedanken.
Zum einen sollten die, die von Staates wegen über das „Verordnen”, also das Tragenmüssen von Fußfesseln für sogenannte Gefährder zu befinden haben, ihrerseits zwangsläufig selbst solche Schikaneinstrumente tragen, um überhaupt erst über andere die Tortur verhängen zu dürfen.
Zum anderen sind gerade auch diejenigen als „Gefährder” [des gesellschaftlichen Friedens] zu deklarieren, die mit einem gerüttelt Maß an Willkür andere Menschen stigmatisieren. Man darf ja bestimmte politische Vergleiche mit historischen Gegebenheiten heutzutage nicht mehr ziehen, etwa mit gesellschaftlichen Verhältnissen von vor etwa 70 bis 80 Jahren in Deutschland [was übrigens auch eine Stigmatisierung ist und unweigerlich zu medialem Lynchtum führen würde], aber die Vorverurteilung bestimmter Personen/-gruppen gab’s in der Vergangenheit schon, mit allen menschenverachtenden Konsequenzen…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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8 Antworten zu Fußfesseln für (wahre) Gefährder

  1. günter ehrens schreibt:

    In das Dilemma eines „Gefährders“ kann man schon kommen, wenn man die Pflichten eines Vaters, der als berufener „ehrenamtlicher Betreuer“ seine Aufgabe ernsthaft betreibt, wahrnehmen möchte. Der Betreute ist 43 Jahre alt und seit Geburt hilflos, 1992 zur Caritas eingewiesen worden. Bis dahin haben wir uns mit den Ideologen der DDR und deren Denkmustern herumstreiten müssen, die nur die Uniform gewechselt haben. Was das aus einen Menschenleben gemacht hat, hat nichts mit Würde oder Menschenrecht und noch weniger mit christlichen Werten der Amtskirchen zu tun…

    • ausgesucht schreibt:

      Au ja, ein ganz wunder Punkt. Seltsamerweise aber recht nachhaltig aus den Berichterstattungen über unseren Alltag und (ja auch!) über unser politisches Leben herausgehalten. Es gibt halt für dieses Stiefkind der Menschenwürde keine Lobby, oder?

      • günter ehrens schreibt:

        Zur Radikalisierung:
        Es fällt mir dazu nur ein Hinweis ein. Die ganzheitliche Betrachtungsweise, so wie sie bis etwa 1989 in der alten BRD nachzulesen und dann in Berlin Spandau im Johannesstift auch festgestellt wurde, war in der materiell geprägten DDR nicht wahrnehmbar. Dabei kann diese Entwicklung an anderen Orten hier auch möglich gewesen sein. Eine Bewertung hierzu gebe ich nicht ab, es wäre vermessen.
        Aber:
        Gibt es nicht Parallelen zur Radikalisierung durch den IS, der Pupertät von Jugendlichen, der Reaktion eines älteren Tierzüchters, der den Kreistierarzt auf seinem Hof bei einer „Visite“ erschossen hat, weil er aus seiner Sicht von Amtes wegen in die Ordnung der eigenen Sicht eingegriffen hat? Ist das nicht das beschriebene Dilemma?
        Ich bin in einem Lebensabschnitt, der lernen musste und gelernt hat, damit umzugehen. Der Preis ist ewiger Schmerz, Leid, die eigene Gesundheit und der Verlust an den Glauben an die Menschen.
        Das Maß kann letztlich nur das Menschenrecht selbst sein, das im Rechtsstaat verankert ist, das aus dem Menschen selbst kommen muss und ein neues Bewusstsein zur gemeinsamen Natur, Erde und zum Orbit voraussetzt… Populismus und falsche Propheten gehören jedenfalls nicht dazu…

        • ausgesucht schreibt:

          Oha, da hast Du ein mächtiges Thema auf das Tapet gewuchtet. Ich hoffe, daß sich kluge Köpfe mit genau diesem Thema auseinandersetzen und einen konsensfähigen Ansatz finden. Aber ich fürchte, daß sie es nicht schaffen werden (oder im schlimmsten Fall gar noch nicht begonnen haben), weil genau dieser Themenkomplex seit Jahrtausenden nicht bewältigt wurde. Bzw., und das macht das Drama noch beängstigender: genau dieser (geschichtlich/historische) Philosophie- und Humanismushokuspokus hat uns doch gerade hierher, in die heutige Humanismuskatastrophe geführt…

          • Günter Ehrens schreibt:

            Oh ja, nur veranlasst Dich das nicht ein bisschen, über den eigenen Weg und die eigene Ansicht nachzudenken? Zum Anschnitt „wie man Bücher lesen und mit den eigenen Ansichten vergleichen“ sollte, möchte ich bemerken:
            Nach der „Wende“ 1989 hatte ich Gelegenheit, mir die Antike ( und antiquarisch) aus den Büchereien des ehemaligen Westberlin näher zu betrachten. Es war für mich die wirkliche Freiheit von Ideen und Gedanken (im denken) zwischen den „Propagandisten im kalten Krieg“. So habe ich die Gelegenheit genutzt, und mir mein „Helden der Literatur“ auszuwählen. Heute im Mainstream lese ich nur noch bestimmte Teile und erkenne den Propheten. Egal welche Perspektive aus welcher Zeit sich dahinter verbirgt. Ehrlicher weise gebe ich auch zu, mich auch geirrt zu haben. Dann stehe ich dazu.
            Übrigens versuche ich Ideologiefrei zu bleiben und orientiere mich an eine Zeitung , die dem Kapital sehr nahe steht, ohne festgelegt zu sein.
            Fazit für mich: Wer die Vergangenheit nicht erlebend kennen gelernt hat, kann über die Zukunft nicht urteilen. Immer beachtend, das jede Aussage nur eine Meinung ist, die widerspruchslos als Selbstverständlichkeit hingenommen werden soll (frei nach K. R. Popper).

            • ausgesucht schreibt:

              Hmm, die Eingangsfrage irritiert mich. Dieses ganze Blog hier ist doch nichts anderes, als „über den eigenen Weg und die eigene Ansicht nachzudenken”. Und sogar über Alternativen. Oder sollte ich mich in diesem Punkt geirrt und Du diesen Fehler dankenswerterweise offengelegt haben??
              Und nein, man kann zwar versuchen, ‘ideologiefrei zu bleiben’, aber man kann es nicht erreichen. Wozu also der Aufwand, der letzten Endes in einem seelischen Desaster enden wird?

              • günter ehrens schreibt:

                …Desaster? Nein, wer im Rahmen der verunglück Migration erst über Werte nachdenkt und diese Diskussion jetzt endlich faforisiert, der hat das Teilhabegesetz für Menschen mit Behinderungen bewusst auf Sand gesetzt. Das Menschenrecht ist Teil der Werte Europas. Ich weiß nicht ob ich mich wegen unserer Eliten schämen oder ob ich sie als destruktiv gestörte Machtmenschen einordnen soll…

              • ausgesucht schreibt:

                Oh, ich würde Deine letztgestellte Frage nicht als entweder-oder verstehen wollen! Was wäre, wenn man sich wegen ‘destruktiv gestörter Machtmenschen’ schämen würde? ^^

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