Fang bei Dir an!

Ist diese, die beste aller Welten, nicht schrecklich ungerecht eingerichtet? Wenn man sich beispielsweise nur einmal auf das Vermögen konzentriert: Sind nicht sehr, sehr, sehr viele Menschen schrecklich arm? Und ungerechterweise ganz wenige Menschen sehr, sehr, sehr reich? Könnte man nicht vielleicht ein bißchen mehr Gerechtigkeit in die Welt bringen, wenn die Reichen geschröpft würden, was den Armen zugutekommen könnte?

Ja?! Siehst Du ihn auch, diesen Menschen, dort im Spiegel, der gerade heftig Zustimmung nickt? Nun gut, nicht jeder. Wer bei der Bezifferung seines Vermögens über ein paar Hunderttausender lächelnd hinwegsehen kann, wird sich mit seiner Zustimmung wohl eher dezent zurückhalten. Aber die anderen nicken? Nun ja, die Umstände verführen direkt dazu, aber ist das gerechtfertigt?

Die Gerechtigkeit in dieser (mehrheitlich) ungerechtesten der Welten zu erhöhen, kann nicht verkehrt sein. Und doch ist das eingangs skizzierte Verfahren alles andere als zielführend. Zum einen wird, wer sich unaufgeregt und mit buchhalterischer Stoik dem Thema nähert, finden, daß Schröpfen und Nach-unten-regnen-lassen nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann. Zum anderen genügt ein verstehender Blick auf die Mehrheit der Menschen: nicht die ganz Armen, die die außer ihrem nackten Leben praktisch nichts mehr haben, sondern deren Mitmenschen, die durchaus nicht vermögend sind, aber sich schlecht und recht durchs Leben schlagen können. Werden diese von jenen um ein paar Cent oder um eine Pfandflasche angeschnorrt, geben sie sich allzu oft hartleibig. Sie sind sich zu fein, auch nur das Schwarze unter den Fingernägeln wegzugeben, damit es der anderen Kaste, der es noch dreckiger geht, den Hauch eines Bißchens besser gehe. Doch sind das nicht gerade die Leute, die sich während des ersten Absatzes dieses Textes ganz treuherzig im Spiegel haben nicken sehen?

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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14 Antworten zu Fang bei Dir an!

  1. YDU schreibt:

    Jetzt einmal ganz ehrlich, das innerliche Nicken am Anfang mit dem fiesen Ende in Verbindung zu bringen, betäubt doch glatt den Lachmuskel! Was das Schwarze unter den Nägeln betrifft, da muss ich für die feinsäuberliche Entsorgung bezahlen …

    • ausgesucht schreibt:

      Hm, ich möchte meine Antwort (ausnahmsweise) nicht mit Komik verbandelt sehen: den Bogen zu schließen vom ‘innerlichen Nicken am Anfang mit dem fiesen Ende [des Artikels]’ hat nämlich keineswegs etwas Komisches. Von Seiten der Bettelnden ganz sicher nicht. Aber auch von seiten derjenigen Unreichen nicht, die durchaus geben könnten. Es ist so erniedrigend, wenn diese den Fragenden keines Blickes würdigen! Wenn diese den Blickkontakt meiden, als hinge das Fortbestehen des Universums von diesem Akt unmenschlicher Ignoranz ab! Wenn diese nicht annähernd die Größe habe, mit offenem Blick die Worte zu sprechen: „Nein, ich werde nichts geben” oder, ein wenig mehr der Wahrheit verpflichtet: „Nein, ich will nichts geben”…

  2. Petschmi schreibt:

    Das Dumme ist: auch diejenigen, die „bei der Bezifferung ihres Vermögens über ein paar Hunderttausender lächelnd hinwegsehen“ können, sind aus Sicht der wirklich Reichen und gleichzeitig global Mächtigen auch nur „Biomasse auf zwei Beinen“. Und werden als solche bei Bedarf ohne Wimpernzucken zur (angesichts der aktuellen Weltlage möglicherweise „atomaren“) Schlachtbank geführt.

    Die wenigen Dutzend wirklich Mächtigen aus dem Kreise der „Rothen Schilde“, „Rockefellernden Felsen“ oder mit der Automarke „Wartburg“ nicht unähnlichen Familiennamen treibt inzwischen nicht mehr lediglich weltlich-politisches Machtstreben (diese Macht im umfassenden Sinne haben sie längst) an. Vielmehr sind offenbar auch religiöse Motive von Bedeutung; „Erez Israel“ mit einer künftigen Welthauptstadt Jerusalem inmitten einer ansonsten globalisierten und ethnisch durchmischten Welt lässt in diesem Zusammenhang grüßen!

    Aber das kann derzeit noch jeder bei Bedarf unschwer selbst im Detail recherchieren, denn trotz „uns Heiko“ ist das Zwischennetz ja derzeit noch einigermaßen frei…

    • ausgesucht schreibt:

      O ja, gut zusammengetragen und pointiert, gefällt mir. Ach nein, so kann ich das ja gar nicht stehenlassen: mir gefällt die Prägnanz der „Auflistung” des Themenkreises, nicht die Ursache noch Ausmaß oder Nebenwirkungen desselben. :/

      btw: es hat mich sehr gefreut, von Dir zu lesen; ist schon so: Es eilt die Zeit im Sauseschritt… 😉

  3. Chantao schreibt:

    Werden diese von jenen um ein paar Cent oder um eine Pfandflasche angeschnorrt, geben sie sich allzu oft hartleibig. Sie sind sich zu fein, auch nur das Schwarze unter den Fingernägeln wegzugeben, damit es der anderen Kaste, der es noch dreckiger geht, den Hauch eines Bißchens besser gehe.

    Ich gehöre wahrscheinlich zu diesen Angeschnorrten, jedoch würde ich nie nicht geben; meine Lebenseinstellung ist die: Hätte ich vor 13 Jahren weiter gesoffen, wie ich gesoffen habe, würde ich garantiert auch zu den Schnorrern gehören, denn zu den Anschnorrern. Und aus eben dieser Weltsicht gebe ich gerne, aber denen, die meinen Wegesrand zieren. Soll heißen: Es bekommt derjenige, der die Obdachtlosenzeitung lokal in HH anbietet mein zurück erhaltenes Wechselgeld vor dem Discounter, vor dem der Betroffene feilbietet, meistens ist das dann desjenigen Taschengeld für’s WE. Mit dieser bescheidenen (oftmals nicht bescheidenen Geldbetrag) drücke ich meine Dankbarkeit aus über den Zustand gesundheitlicher Natur, den ich ergatterte, weil ich eben nicht mehr Alkoholisches konsumiere. Umständlich aber poetisch ausgedrückt, aber so isses nun mal.

    • ausgesucht schreibt:

      Da stimme ich zu, nicht jeder kann immer geben. Ist es aber nicht trotzdem so, daß viel mehr Zeitgenossen viel mehr geben könnten (also eben nicht Helfen und Almosen „nach oben” delegieren)? Und ja, wenn ich nur 20 Cent zum Weggeben habe, aber zwei Bedürftige sehe, fällt mein Vorurteil die Wahl, wer sie bekomme (es bevorzugt die, die einen sicht-/spürbaren Beitrag zum anstehenden Almosen leisten bzw. womöglich geleistet haben…).

  4. Chantao schreibt:

    Und „Anschnorrern“ sollte „Angeschnorrten“ heißen, denn nur so macht es Sinn 😉 Hand quicker than Brain.

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