[P. Nizan] Ich war zwanzig

Ich war zwanzig

Niemand soll sagen, das sei die schönste Zeit des Lebens.
Alles droht einen zu vernichten: die Liebe, die Ideen, der Verlust der Familie,
der Eintritt in die Welt der Erwachsenen.

Es ist schwer, seinen Part in der Welt zu lernen.
Wie sah unsere Welt damals aus?
Wie das Chaos der Urschöpfung in der antiken Mythologie.
Nur hatte man den Eindruck: das ist der Anfang vom Ende, vom wirklichen
Ende, nicht von einem Ende, das der Beginn eines neuen Anfangs ist.

An der Oberfläche konvulsischer Veränderungen, deren Sinn
eine winzige Zahl von Zeitgenossen herauszufinden versuchte,
war nur ein Tohuwabohu zu erkennen, das unweigerlich
zum Untergang des Bestehenden führen mußte.
Alles erinnert an die Auflösung am Ende einer tödlichen
Krankheit: bevor der Tod eintritt, der alle Körper unkenntlich macht,
löst sich der Zusammenhalt des Fleisches auf, alle Teile fließen auseinander.
Das endet mit Verwesung, die keine Auferstehung kennt.

Paul Nizan
Aden, 1931

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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5 Antworten zu [P. Nizan] Ich war zwanzig

  1. perfecthitz schreibt:

    20….Morgen werde ich 32! Rückblickend würde ich sagen das ich DAMALS nicht gelebt habe. Keine Ahnung von nichts und kein schnall was irgendwann (heute) wichtig sein wird. Heute wichtig für mich. Im selben Atemzug denke ich jedoch darüber nach ob es nicht in 20 Jahren gleich wäre. Die gleichen Gedanken wie jetzt „Damals wusste ich nicht worauf es ankommt“ – EIne Frage der Zeit? oder einfach nur die Frage nach dem grünerem Gras? Eins ist jedoch sicher. Wenn man zurückblickt und sagen kann das heute alles besser ist dann hat man doch alles richtig gemacht!

    • ausgesucht schreibt:

      Zunächst einmal: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Und ich hab sogar ein Geschenk… ^^
      Ich möchte Dir zum Geschenk machen, mit meiner Antwort nicht allzu harsch zu sein. Spaß!! Ganz im Ernst, was Du dort kommentiert hast, trifft auch mein Empfinden ganz gut. Nicht komplett, aber das wäre ein mittleres Wunder, nicht wahr?
      Lediglich die Schlußfolgerung aus Deinem letztgenannten Satz: »Wenn man zurückblickt und sagen kann das heute alles besser ist…« empfinde ich als unlogisch. 😉
      Für mein Empfinden ist kaum mehr als die Folgerung zulässig, daß man nicht alles falsch gemacht hat… 🙂

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