Tee-theoretisch

Wie groß sind eigentlich „L” oder „XL”? Und nein, es geht bei dieser Frage nicht – auch wenn der Wonnemonat gerade erst begonnen hat – um Länge, Breite oder Umfang irgendwelcher „Lustrüben”.
Am Getränkekiosk wird z. B. Tee in vier Größen angeboten: S, M, L und XL. Die liebevoll-mitfühlende Frage: »Wie groß???« konterte ich mit: »Um wieviel ist denn die Größe L größer als M?« – gibt es etwas Schockierendes als zwei leere Augen, die mit totem Blick auf eine 4-Becher-Menagerie starren?
Aber nun wollte ich’s wissen: Kann man aus den Preisen der 4 Darreichungsformen auf mehr schließen als auf den Verkaufspreis eines jeden einzelnen Teebechers? Antwort: Man kann; wenigstens in der Größenordnung. Jede Teebechergröße hat den gleichen „Grundpreis”, nämlich den Abgabepreis des Teebeutels, der sogleich in mehr oder weniger viel Wasser baden gehen wird (bis er völlig erschöpft, ach nein, ausgelaugt ist). Sicherlich ist es rational, einen linearen Zusammenhang zwischen Bechergröße und Abgabepreis zu vermuten: PAbgabe = PTeebeutel + k · VBecher + εBecher.
Darin sind k eine vorläufig noch unbekannte Konstante, die den Aufwand für die Zubereitung des Teebechers widerspiegelt, und εBecher Korrekturterme (also εS, εM … εXL), die das Runden der Abgabepreise auf volle 5 Cent ermöglichen.
Unglücklicherweise ist die Lineare Regression von Preis und Volumen (pro Becher: S … XL) kein geeigneter Lösungsansatz, weil ja gerade die Volumina unbekannt sind. Allerdings lassen sich aus dem obigen Gleichungssystem durchaus die gesuchten Größen (PTeebeutel, VM ÷ VS, VL ÷ VS, VXL ÷ VS sowie (eigentlich nur der Vollständigkeit halber) der Koeffizient k) abschätzen, wenn die Abgabepreise (PS = 1.45 €, PM = 1.75 €, PL = 2.10 € und PXL = 2.40 €) vorgegeben sind:

PTeebeutel = 1.12995 €,
VM = 1.9467·VS, VL = 3.0455·VS und VXL = 3.9874·VS
k = 0.31851754….

Jetzt ist zwar der Tee kalt, aber immerhin kann ich mich nun der recht gut fundierten Gewißheit hingeben, daß M die doppelte, L die dreifache und XL die vierfache Portion bezogen auf das als S verkaufte Volumen ist (die Nachkommastellen rühren aus den bei dieser Abschätzungsart nicht erfaßbaren ε-Werten). Seltsam, ich hatte sowas wie VS : VM : VL : VXL = 1 : 1.3 : 1.4 : 1.5 erwartet; so kann man sich täuschen… ^_^

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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8 Antworten zu Tee-theoretisch

  1. moserschreibt schreibt:

    Endlich hat dieses Problem mal jemand leicht verständlich erläutert! 😂👍

  2. moserschreibt schreibt:

    Ja, wäre aber nicht so wissenschaftlich spannend! 😉

    • ausgesucht schreibt:

      Na, zumindest war ich ganz froh, das Ganze binnen 5 Minuten auf dem Bahnsteig (wo der Kiosk steht) mit trockenen Zahlen anstelle des Rumgepansches mit Meßflüssigkeiten „gelöst” zu haben… 😉

  3. YDU schreibt:

    Die Sache mit dem Tee berührt mich ja nicht wirklich, aber die vielen V in der Gleichung finde ich irgendwie gut vansinnig gut, vvvvverdammt cool … Wenn ich erwachsen bin, lasse ich mir die Sache mit dem Kaffee durch den Kopf gehen. Besser nicht, denn die vielen Vau’s könnten das Aroma vvvvvverderben! Was nun wirklich fehlt, das ist die Beziehung zum Preis! 😉

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