Hate Speech

Das Drumherum um „Haßäußerungen” (zu gut Deutsch: hate speech) kann man eigentlich nur lieben. Irgendwie kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, das ist der Name der neuesten Sau, die aktuell durch’s Dorf getrieben wird.
Nimmt man versuchsweise an, daß Haßäußerungen jedem zueigen sind, der (♀ oder ♂) sich auf halbwegs anonymen Portalen in der Gewißheit wähnt, keiner moralischen Instanz unterworfen zu sein, wäre das Praktizieren dieser Eigenheit im Grunde doch nicht der Erwähnung wert (oder so erwähnenswert wie das Vorhandensein von Herz oder roten Blutkörperchen beim jeweiligen Probanden).
Vielleicht ist es sinnvoller, als Antithese zur vorigen Annahme die Vermutung zu setzen, daß Haßäußerungen eben doch individuell und eher eine Ausnahme denn die Regel sind. Dann müßte man sich allerdings fragen, ob ein solches Haßniveau erworben oder vielleicht doch systemisch ist. Ist es nämlich ein vorhandener, nicht erworbener, beispielsweise ererbter Wesenszug, kann man sich darüber ebenso echauffieren wie über Augenfarbe, Porengröße der Haut oder Erbkrankheiten. Ist hingegen das Haßniveau erworben, ist doch wohl am wenigsten der zu verurteilen, über den das Unglück (ohne dessen Verschulden) herein­gebrochen ist. Dann wäre es aber so, daß das Haßniveau rational nur(!) dadurch verringert werden kann, indem die Ursachen reduziert werden, jedoch nicht die Opfer dieser Urachen.
Solange der Begriff „hate speech” praktisch ausnahmslos in den obrigkeitshörigen Medien gebraucht wird, um unterschiedslos Menschen zu diskreditieren, kann man getrost davon ausgehen, daß dieser Begriff eine demagogische Keule für den Machterhalt – nicht mehr und nicht weniger – ist.

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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19 Antworten zu Hate Speech

  1. schlingsite schreibt:

    Aufrührerische Reden sind momentan unbeliebt.

    • ausgesucht schreibt:

      Das darf man ruhigen(!) Gewissens als beredten Vorboten ansehen, nicht wahr? ^^

      • Marcello Francé schreibt:

        Wann waren aufrührischere Reden denn beliebt? Zur Zeit von Robespierre? Ist aber auch nicht gut geendet, wie mir scheint. Immerhin, die Aufrührer, die sich ihr Recht nehmen, werden meist früher oder später von anderen Aufrührern, denen sie dieses Recht im Bewusstsein seines Potentials verweigern wollten, aber nicht konnten, platt gemacht: https://de.wikipedia.org/wiki/Georges_Danton

        • ausgesucht schreibt:

          Tja, das könnte möglicherweise zu einem gewissen Teil der menschlichen Psyche geschuldet sein („Homo homini lupus est”), aber auch ein wenig an der Willkür(!) der Objekte/Ziele liegen, die zu erreichen ‘aufrührischere Reden’ geführt wurden (= schon immer) und werden. Ein Ziel, das nicht „einrastet” bzw. sich im Wollen der breiten Mehrheit verhakt, ist spielend durch ein anderes (ebenso willkürliches) ersetzt, indem lediglich der lauteste Agitator mundtot gemacht wird.

  2. hansarandt schreibt:

    Genau so ist es. Der erste Fehler ist, sich auf diese aufgezwungene Diskussion überhaupt einzulassen. Wer das tut, hängt schon wie der Fisch am Angelhaken. Die ganze Kampagne ist ein geschickter Propagandafeldzug für die Wiedereinführung der Zensur.

    Es sollen neue Gesetze eingeführt werden, die die Unterdrückung unliebsamer Meinungen erlauben. Die neusten Gesetze verlegen diese Zensurkompetenz bewusst in die Hände privater Großkonzerne, die Internetplattformen betreiben, der privatisierte Orwellstaat.

    Wo ist das Problem?

    Hass ist erlaubt: Hass auf Putin, Hass auf Assad und Hass den IS und war erlaubt Hass auf Saddam, Hass auf Gaddaffi, Hass auf Milošević, Hass auf Präsident Wulf und Hass auf Bischof Tebartz-van Elst und fast hätte ich es vergessen kein Tag vergeht ohne eine massenmediale Hass-Agenturmeldung gegen Präsident Donald Trump.

    Wenn ich Heiko Maas wäre, würde ich die alle verbieten, aber das tut er natürlich nicht, weil er dazugehört.

    • ausgesucht schreibt:

      An dem Satz: »Die ganze Kampagne ist ein geschickter Propagandafeldzug für die Wiedereinführung der Zensur« zweifle ich das Attribut ‘geschickt&rsqu; ein wenig an. Ich würde eher glaube, dieser Schachzug ist der Obrigkeitskaste mehr oder weniger in den Schoß gefallen. Aber deren „Diplomatie” ist empfindsam genug, dessen Effizienz durchaus erspürt zu haben. Und nun wird dieses Vehikel geritten und geritten und geritten…

      • hansarandt schreibt:

        Einen Schachzug denkt man sich auch vorher aus und wenn man ein Haus baut fällt das einem auch nicht in den Schoß sondern man hat vorher einen genauen Plan. Das selbe gilt für den Krieg. Warum sollte das bei Propagandafeldzügen anders sein, die ja selbst Teil des Krieges sind, des Krieges an der Heimatfront.
        Man spricht in den Kriegführenden Kreisen auch gerne und freimütig von „Wording“, dem geschickten setzen und durchsetzen von Begriffen, wie „Rebell“ (die Guten), „Terrorist“ (die Bösen) „humanitäre Intervention“ (Bombenkrieg gegen Zivilisten) Die Methoden sind spätestens seit George Orwell allgemein bekannt.
        Mir ist nicht bekannt, das Worte vom Himmel fallen. Ich bin immer davon ausgegangen, dass es die Menschen sind, die die Worte erfunden haben und immer wieder neu erfinden.

  3. Dies und Das schreibt:

    Die Ursache all‘ dieser Dinge, wie Fakenews oder Hasstiraden ist eigentlich dahin gehend zu finden, dass mit der Flutung DE’s Herbst 2015 mit Neubürgern der Stöpsel aus der Flasche der deutschen unfreiwilligen Selbstauflegung gezogen wurde so Worte wie „Ausländer“ oder „Asylant“ nur zu flüstern oder sich gar ganz zu verwehren nur daran zu denken.

    Ich weiß noch, wie es mich emotional aufwühlte als doch so ein Lokalpolitiker hier in Hamburg ausposaunte: „Es wird zukünftig so sein, dass wenn jemand aus der Haustür tritt er in jeder Richtung in 10 Minuten Fußweg auf ein Flüchtlingswohnheim treffen wird…“ Oh, da war die Freude groß, glaube ich. 😉 Mittels solch dümmlicher Aussagen wurde der Korken geradezu aus der Flasche heraus katapultiert. Ich weiß noch, wie mich ein Lokalreporter fragte auf der Straße, was ich denn dazu denken würde: Natürlich habe ich unehrlich geantwortet und rumgeeiert, dass die Leute ja nichts dafür können und es besser sei hier im Ort als irgendwo im Wald. „Im Wald“ das ist in einer gut situierten Gegend in Poppenbüttel, wo ich auch einmal logierte. Heute wird nicht mehr rum geeiert, heute sagt man, was man meint und schon ist es „Hate Speech“. Da wird das Ganze so schön an den viel gespriesenen Gassenjargon angelehnt und weil’s denglisch klingt ist es modern. Von den Politikdarstellern denunziert, weil man in DE ja eigentlich doch nicht seine Meinung sagen soll, weil’s irgendwie ja auch unschön werden könnte.

    Und wer ist Schuld an der Misere ? Tja, die Darsteller selbst und die Mainstream-Medien. Wenn man ganz 2016 immer nur überall nur hört, liest, sieht, (riecht hahahaha, alle Sinne wurden angesprochen) „Flüchtlinge, Flüchtlinge“, na, wie soll man das so schnell aussem Kopp kriegen ? Jetzt hatte man versucht mit Sabbelschulze ein neues Thema hinzubekommen, aber mit so ein wenig dummlabern, näh, das hat sich erledigt für die Altparteien. Sensationen sind gefragt und nicht ein Glatzkopf mit Kinnbart.

    Die Glatze hätte man Sommer 2017 präsentieren müssen und seit Donald Trump wissen wir, dass Populisten nicht mehr Glatze tragen. Und wenn die Politikdarsteller auch noch populistisch argumentieren, tja, Chaos an allen Fronten. Alles taumelt dahin, wie der Korken aus der Flasche auf den Wogen von Populismus und Sensationsgier.

    Mir würde als Lösung nur noch das Bild einfallen: Der Zauberlehrling in der Ballade von Johann Wolfgang von Goethe, aber das ist erstens eine andere Geschichte und könnte andererseits auch zu deutsch ‚rüberkommen…. 😉

    • ausgesucht schreibt:

      … und das scheint durchaus auch eine Grundlage für das angesprochene Rumgeeiere zu sein: harten, balastbaren, überprüfbaren Fakten sind immer individuelle Träume, Hoffnungen, Projektionen, Ängste überlagert – nicht nur bei den Politiker-Darstellern, sondern auch bei uns, deren Opfern.

  4. The PetSchmi schreibt:

    1934 hieß das „Hetze“. Ansonsten sind sich die Gesetzestexte erschreckend ähnlich.

    • ausgesucht schreibt:

      Müssen(!) sie sich nicht ‘erschreckend ähneln’? Schließlich haben sie über weite Strecken „gemeinsame Gene”.

      Und was ‘die Hetze’ angeht, fallen mir spontan zwei Gedanken ein: zum einen war der Gebrauch des Begriffes damals ebenso demagogisch wie heute auch (wieder, oder noch immer?). Die Schablone ist die gleiche, nur heute wird von ‘Fremdenfeindlichkeit’, ‘Haß’, ‘Terrorgefahr’, ‘Radikalismus’ etc. etc. etc. gefaselt. Auf der anderen Seite kann gegen ein menschenverachtendes System doch gar nicht genug ‘gehetzt’ werden.

      • The PetSchmi schreibt:

        Immerhin landet man derzeit noch nicht im Lager im Falle von „Hate Speech“. Aber wer weiß; warten wir mal ab, wohin das Ganze schlußendlich führt…

        • ausgesucht schreibt:

          In der Tat: diese Angst teile ich mit Dir. Es ist nicht ausgeschlossen (für genügend lange Zeiträume sogar höchst wahrscheinlich), daß sich auch jene Geschichte wiederholen wird. Und – Hand aufs Herz! – die Zeichen stehen wahrlich nicht auf „so bald nicht”. :/

  5. Chantao schreibt:

    Nach Herbst 2017 ist für 4 Jahre diese Terminologie sowieso out, da gelten wieder rein deutsche Themen; wenn wir die News betrachten: Korea hat schon wieder Raketen hochgeschossen und USA und Südkorea haben Luftmanöver … ich denke, bald gibt es wieder Themen, die solche kleinkarierten Sommerthemen, wie’s rund um’s Hating gibt von weitaus GROESSEREN THEMEN abgelöst. So welche, wo Türkei und Inschischlick nur Pille-Palle sind.

    • ausgesucht schreibt:

      Ja, diese Gefahr besteht wirklich. Bleibt zu hoffen, daß unsere Politiker-Darsteller ein wenig Selbsterhaltungtrieb bewahrt haben und/oder die Lenker der weltlichen Dinge (also die Reichsten der Suuuuperreichen) so weitreichend global diversifiziert sind, daß es keine finanziellen Anreize (für die „Richtigen” bringt Kriegsspiel unfaßbare Extrarenditen) für das Verheizen von ein paar Milliarden Menschen gibt…

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