diktatorische Demokraten

Heute verschlug es mich besuchsweise in ein paar Straßenschluchten im haupt­städtisch­sten Dorf der Bunten Republik, die in freudiger Erwartung der anstehenden BT-Wahl mit Wahlplakaten zugepflastert sind. Alles prangte in der Sonne des herrlichen Sommertages in zwar bunt leuchtender, sonst aber nichtssagender Farbenpracht. Bis auf die Plakatserie einer bestimmten Partei. Deren Plakate waren zwar nicht zerstört, zerfetzt, überpinselt, unkenntlich gemacht, aber sie waren auf eine Weise verdreht, zusammendrückt, verschoben worden, daß ihr Inhalt nicht mehr zu entziffern ist.
Kann das denn etwas anderes als eine politische Botschaft sein? Bestimmte politische Alternativen sind derzeit so sehr für vogelfrei erklärt, daß sich politisch möglicherweise recht unterbelichtete Zeitgenossen berufen fühlen, das demokratische Recht auf Plakatierung im Rahmen des Wahlkampfes nach Belieben außerkraft zu setzen. Es scheint also so, daß diejenigen, die die Plakate einer ihrer Meinung nach nicht demokratisch agierenden Partei unkenntlich machen, ihrerseits demokratische Rechte (nämlich das Recht auf Wahlwerbung) mit Füßen treten, sich also als Westentaschendiktatoren aufspielen. Und solches Gesocks soll wählbar sein??

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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12 Antworten zu diktatorische Demokraten

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Das mit den Plakaten ist ein Zeichen des grundlegenden Demokratieverständnisses der „Altparteien“ bzw. deren Anhänger. Auch hier im „Süden“ ist das zu beobachten. Wenn man – was bei mir gelegentlich vorkommt – einen Jour fixe in diversen Medien-Redaktionen miterlebt und dort hört, daß diese „Alternative“ auf keinen Fall positiv genannt und beschrieben werden darf, damit man seinen Teil zur Verhinderung einer neuen Nazi-Herrschaft tut, dann frage ich mich auch, in was für einer Demokratie wir leben.

    Dem alten Sozialisten Ignacio Silone wird folgender Spruch zugeschrieben: „Wenn der Faschismus wiederkommt, wird der nicht sagen, „Ich bin der Faschismus“, er wird sagen „Ich bin der Antifaschismus“. Prophetische Worte …

    • ausgesucht schreibt:

      … in der Tat prophetisch! 😉

      Ach, da kommt mir gerade ein Gedanke: ‘Demokratie’ ist ja, dem Namen nach, Volksherrschaft. Ist denn aber, wenn die Mehrheit dieses Volkes weder zur rational-logischen Bewertung von Sachverhalten noch zum Deduzieren neuer (und möglichst vorurteilsfreier) Gedanken in der Lage ist, sich also recht dumm benimmt, Demokratie nicht immer auch die Herrschaft der Dummheit?

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Jein – das Konzept an sich ist nicht unbedingt schlecht. Aber es muß ja auch vom mündigen Bürger getragen werden. Der muß deshalb (nicht nur politisch) gebildet sein und fähig, logisch und rational zu denken. Das ist – wie Du angemerkt hast – meist nicht der Fall. So wie es aussieht wählen Bürger Politiker, die für sie denken und entscheiden sollen. Das kann ein Diktator genau so gut oder schlecht. (Und der kostet im Idealfall auch weniger als ein Parlament).

        BTW: Irgendwie habe ich das Gefühl, daß Politiker früher™ gebildeter waren und mehr Stil und auch Rückgrat hatten. Sicher waren sie genau so verlogen und betrügerisch wie heute. Aber ehrenhaftes Handeln sehe ich überhaupt nicht mehr. So etwas wie der Rücktritt von Frau Leutheusser-Schnarrenberger, nachdem der große Lauschangriff beschlossen wurde. Das hatte Stil und zeigte Haltung. Wir haben keine Politiker mit Charakter mehr.

        • ausgesucht schreibt:

          Eine traurige Wahrheit (wenn es denn auch tatsächlich eine ist), die Du beschreibst. Aber ich sehe es ähnlich. :/

        • YDU schreibt:

          Tja, die Ehrenhaften zeigen Charakter und treten zurück. Nun frage ich mich gerade: Wer bleibt übrig? Kann es sein, dass Stil und Haltung der Politiker mit Charakter den Weg für die derzeitige Liga freigemacht haben … 😉

          • ausgesucht schreibt:

            … da muß ich mal ganz kurz – weil es so herrlich paßt – ein Zitat in die Waagschale trullern: »Der Klügere gibt nach! Eine traurige Wahrheit, sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit« (siehe hier). 🙂

  2. The PetSchmi schreibt:

    Wozu die Aufregung? Das Bundesverfassungsgericht (auf welche Verfassung beziehen die sich eigentlich?!) hat uns doch per Beschluss vom 25.07.2012 sozusagen „auf’s Butterbrot geschmiert“, dass die „Wahlen“ in der Bunten Republik schon seit Jahrzehnten illegal sind; man siehe Abschnitt E unter folgendem Link:

    http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2012/07/fs20120725_2bvf000311.html

    Zwischenzeitlich wurde das Bundeswahlgesetz nicht entsprechend geändert; insofern ist es wohl egal, welchem „nicht rechtsfähigen Verein“ man in Kürze seine Stimme gibt. Allerdings mag man die „Wahl“ bestimmter politischer Alternativen als Unmutsbekundung gegenüber dem System verstehen (analog zu den Nicht-„Wählern“ in der DDR 1.0). Insofern mag jeder selbst entscheiden, ob er seine Stimme „in die Urne wirft“ und die nächsten vier Jahre dann eben lautlos bzw. stimmlos durch die DDR 2.0 schleicht, oder eben lieber „Wahl“-Boykott betreibt. Allerdings: Nicht-„Wählen“ ändert ja eben auch nix…

    • ausgesucht schreibt:

      Ach was, Aufregung. Es geht eher um etwas, das die „Wir-sind-Guten”-Maske von der politisch-gutmenschelnden Fratze so manches Zeitgenossen reißen könnte…

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