„Der Nazi”

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß „der Nazi” als politisches Instrument gehegt und gepäppelt und kultiviert wird, und das praktisch von allen Parteien, um einen sicheren politischen Stich machen zu können, da ein erklecklicher Anteil der Wähler­klientel auf dieses Reizwort anspringen dürfte, ohne sich die Mühe einer umsichtigen(!) politischen, sozialen Analyse antun zu müssen.

Advertisements

Über ausgesucht

…desillusioniert
Dieser Beitrag wurde unter Erkennen, konkret, Zweifel abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

18 Antworten zu „Der Nazi”

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Ich bin ja so was wie ein 70er-Jahre Sozial-Liberaler (mit Betonung auf Liberal an der Grenze zum Anarchismus). Nach heutiger Lesart also ein Nazi.

    Meiner Meinung nach ist diese Bezeichnung für viele Leute heutzutage ein stumpfes Schwert geworden. Die Beschimpfung wird viel zu inflationär gebraucht. Nur haben diejenigen, die weiterhin mit der Nazikeule um sich schlagen, das immer noch nicht begriffen. Und sie werden es auch nicht begreifen. Ist schon lustig, daß Rechte wie Linke sich gegenseitig als Nazi bezeichnen und es teilweise sowohl auf die Rechten als auch auf die Linken zutrifft, weil beide Seiten mit genau denselben Nazi-Methoden (die auch die Methoden der Sozialisten und Kommunisten sind) arbeiten.

    Also: „Alles Nazi, außer Mutti“ …

    • ausgesucht schreibt:

      Ja, das ist ein packendes Thema. Es gibt „braune Strömungen”, die eine echte Gefahr darstellen, die beobachtet und auf eine Weise kanalisert werden müssen, daß weder ein unkontrollierbarer Stau noch eine Überschwemmung oder Unterspülung in Regionen geschieht, wo es verheerend wäre…
      Und ja, da Politik im Moment aus recht hirnlosem Krakeel von praktisch hohlen Schlagworten zu bestehen scheint, ist die Nazi-Bezeichnung wahrlich „ein stumpfes Schwert geworden”, das aber dennoch eine immense Verletzungsgefahr birgt, weil es die Reizschwelle zum Wahrnehmen der wirklichen Gefahr (u. a. hier) vollständig verkleistert…

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Vor allem trifft die Nazi-Keule immer häufiger Leute, die alles, aber keine Nazis sind. Und das hinterlässt seine Spuren. Vor allem einen wachsenden Hass auf die Leute, die das Wort inflationär gebrauchen. Das wird noch lustig …

        • ausgesucht schreibt:

          O ja, das wird noch „lustig”. Aber ganz ehrlich, auf diese Art von „Humor” würd ich gerne verzichten. ^^

        • Marcello Francé schreibt:

          Wobei die rechtspopulistische Begegnung: “Antifaschisten sind die wahren Faschisten“
          genauso unsinnig ist. Ich habe sicher nichts mit dem in Teilen gemeingefährlichen Klamauk-Verein zu tun, der Antifa heißt, aber bin trotzdem gerade wegen meines deutsch-italienischem kulturellen Erbe ein überzeugter Antifaschist. Leider glaube ich, dass ich als “wahrer Faschist“ mich nicht mehr bei dem PNF einschreiben kann, was natürlich sehr bedauernswert ist.

          Auch interessant die Begegnung Weidels über die Anschuldigung von “Halb-Nazis“ in ihrer Partei. Wenn wir mal von der Dämlichkeit des Begriffs (gibt es auch Viertel-Nazis?) an sich Abstand nehmen und es ein wenig verständlicher mit der wohl intendierten Bedeutung (Rechtsradikale an der Grenze zum Rechtsextremismus) versehen, kommt die Antwort, es seien “viele Akademiker in der AfD“ nicht wirklich als überzeugende Entgegnung rüber (ich denke, die Voll-Nazis Dr. Josef Mengele und Dr. Joseph Goebbels würden auf solche Aussagen ziemlich empfindlich reagieren). Ansonsten wird “Nazi“ natürlich gerne als Argument der Argumentlosen genutzt, was oft in einer reductio ad Hitlerum resultiert.

          • ausgesucht schreibt:

            Wow, das gefällt mir: reductio ad Hitlerum. Aber vergiß die Viertel-Nazis, die 3/7-Nazis sind am tückischsten…

          • lawgunsandfreedom schreibt:

            Wie schon (angeblich) Ignazio Silone gesagt haben soll «Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‹Ich bin der Faschismus›. Nein, er wird sagen: ‹Ich bin der Antifaschismus›.»

            Linksextreme wie Rechtsextreme sind Kollektivisten, die natürlichen Feinde der Individualisten und der Freiheit. Deshalb kann ich Linken wie Rechten wenig abgewinnen. Vor allem, da sich deren Methoden nicht voneinander unterscheiden. Ob man jetzt „Nazimethoden“ sagt, oder „Sozialistenmethoden“ ist egal. (Die verwendeten Methoden sind der Grund für die Nazibezeichnungen – weniger die politischen Ziele). Beide Seiten wollen mit Gewalt ein Utopia schaffen, in dem letztendlich niemand leben will, weil es auf Unterdrückung beruht.

            • ausgesucht schreibt:

              … und nicht nur ‘niemand leben will’, sondern auch nicht leben kann.

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Zeitweise geht das schon. Faschismus funktioniert – wie eine Maschine. Aber das ist halt ein sehr freudloses Leben in so einer Gesellschaft. Wie in allen totalitären Systemen.

              • ausgesucht schreibt:

                Ja! Wahrscheinlich meint Dein ‘zeitweise’ inetwa das gleiche wie mein ‘nicht leben’ (im Sinne von leben, nicht vegetieren). ^^

            • Marcello Francé schreibt:

              Ich kenne das Zitat, finde es aber zweckentfremdet, wenn es als Argument für faschistische Denkweisen verwendet wird. Wrsl. war es als Warnung gedacht, weil man unter dem Banner des Antifaschismus leicht autoritäre Tendenzen als unabdingbar rechtfertigen kann.

              Stimme deinem Punkt aber nicht zu: Nur weil ein System auf Unterdrückung beruht, heißt das nicht, dass dort keiner Leben möchte. Es wollen sogar außerordentlich viele, wenn es wirtschaftlich gut läuft, zumindest wenn sie selbst nicht allzuviel Unterdrückung abbekommen (was mit Konformismus meist ganz gut zu erreichen ist). Du überschätzt vermutlich den Individualismus und das Freiheitsstreben der Menschen, weil es dir selbst sehr wichtig ist

              • ausgesucht schreibt:

                Ich vermute, daß es weniger ‘als Argument für faschistische Denkweisen verwendet wird’. Eher schon als Warnung: Laßt euch nicht von dem einlullen, was auf den Etiketten steht, beachtet die Inhalte.

              • Marcello Francé schreibt:

                Nun ja, um zu der Ursprungsaussage zurückzukehren: Ich sehe darin keine Warnung, sondern eine Anschuldigung, die sich direkt gegen Antifaschismus als solches richtet.

                Deswegen meine ich ja, dass es als Aussage das Zitat, das die von dir erwähnte Interpretation plausibel scheinen lässt, dadurch ins falsche Licht gerückt wird.

                Natürlich kommt es auch drauf an, wer das genau und wie er das sagt, jedoch kann es eben auch als Totschlagargument wie der vermeintliche „Nazi“ verwendet werden.

              • ausgesucht schreibt:

                Ja, da hast Du große Wahrheiten gelassen ausgesprochen. Aber wir sind, was mich freut, durchaus einig darüber, daß allzu gern Begriffe aus dem Kontext gerissen und als ‘Totschlagargument’ intrumentalisiert werden. Und plötzlich kann sogar eine noch so dumme (weil unpassende/nichtssagende) Aussage qua Autoritätsbeweis scheinbar(!) zu einem Argument werden – der Mensch ist schon pfiffig, der nach Bestätigung gierende.

ein Kommentar ist hier möglich:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s