stürmisch

Ursprünglich war es gar nicht meine Absicht, über das wandelnde Sturmtief Xavier hier etwas zu schreiben. Schließlich ist kaum mehr vor meine Photolinse „gelaufen” als eine vom Dach gefetzte Solaranlage:

Windkraft- vs. Solaranlage, wer ist der Favorit?

Der Herbst naht – die Dächer (f)liegen so tief

Aber dann wedelte Xavier auf unerfreuliche Weise direkt ins private Erleben. Und läßt sich sowas denn kommentarlos hinnehmen?
An Samstag wollte mit der DB übers Land fahren. Also kurzen Blick auf deren Reiseauskunft geworfen, man weiß ja nie. Große Überraschung: zu keinem infrage kommenden Zug gab es einen Negativhinweis (= fällt aus, hat Verspätung, nur via SEV etc.). Auf zum Bahnhof! Gleich der erste Blick auf die Anzeigetafel bescherte gleich zwei Überraschungen. Zum einen eine Verspätung – natürlich! –, zum anderen das avisierte Fahrtende irgendwo mitten im Nirgends zwischen Start- und Zielbahnhof. Wenige Minuten später eine Neuigkeit, eine doppelte gar: ein nachfolgender Zug ist pünktlich angekündigt und soll sogar bis zum Zielbahnhof „reichen”. Die Freude währte keine zehn Minuten, dann zerbröselte erst der Endpunkt der Fahrt, dann die Startzeit.
Das sprechende Gesicht hinter dem DB-Des(!)informationsschalter faselte etwas von: „Da müssen Sie über XYZ fahren”. Warum auch nicht, hundert Kilometer Umweg (bzw. Fahrstreckenverdoppelung) können doch nicht zuviel verlangt sein. Allerdings gab’s beim besten Willen keine Bestätigung dafür, daß es von XYZ eine Verbindung zum gewünschten Zielort geben würde…
Glücklicherweise war gleich um die Ecke ein PKW mietbar, der Mietpreis in der Höhe einer DB-Bahncard. Diese im Moment aber vollkommen wirkungslos. Was soll’s? Versprochen ist versprochen! Also weiter auf Gummirädern, statt auf Eisenreifen. Die Fahrzeit? Länger(!) als mit dem Zug (gemessen am Mittelwert etlicher Fahrten, der direkte Vergleich fiel ja DB-seitig aus). Der Komfort? Hm, meine Reiselektüre blieb zumindest unangetastet.
Die Benzinkosten? Tja, das ist wahrlich spannend: knapp unter den Kosten der DB-Fahr­karten. Was kann man nun aus der Geschichte um den Erlkönig Xavier lernen?

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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7 Antworten zu stürmisch

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    a) Der DB Streckenagent ist unter aller Kanone.
    b) Die Bahn ist recht unzuverlässig und häufig unpünktlich
    c) Selbst wenn man die Kosten für Anschaffung und Betrieb eines KFZ gegen die Kosten des öffentlichen Nahverkehrs aufrechnet, gibt’s einige Fälle, in denen das Auto günstiger ist.

    • ausgesucht schreibt:

      zu a) Ja! Aber sowas von.
      zu b) Ich schlage die Formulierung vor: Die Bahn ist häufig und recht zuverlässig unpünktlich.
      zu c) Ja, diese Vermutung hege ich auch schon länger. Sie verwirrt mich nur, da sie aus Sicht einer staatlichen Regulierung (verstopfte Straßen, Energie- & Schadschoffbilanz, Lärm- & Umweltschutz etc.) eine völlig absurde Politik anzeigt…

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        „Unreliability, you can count on …“ – der neue DB Slogan.

        Und was die Politik angeht … die glauben doch tatsächlich, daß ihre Maßnahmen sinnvoll und nützlich sind … und funktionieren. Da Politiker aber von der Realität entkoppelt sind und sich in einer „Beinahe-Realität“ rumtreiben wundert mich das nicht sonderlich.

        • ausgesucht schreibt:

          Laß Dir den Slogan schützen, damit kannst Du sicherlich mal die dicke Marie machen. Zahlt die DB eigentlich in Geld oder in Fahrkarten?

          Und was die Politik angeht, ist Dein Satz wie ein Dosenöffner in eine andere Welt. Ja, die Politiker sind – da stimme ich Dir über weite Strecken zu – durchaus ‘von der Realität entkoppelt’. Aber drängen sich dadurch nicht zwei andere Gedanken unweigerlich ins Licht der Aufmerksamkeit? Zum einen kann man möglicherweise die Diskrepanz von Politiker- und Normalmensch-Sicht auch damit erläutern, daß Normalmenschen und nicht etwa die Politiker recht abgespaced sind. Und ist denn zum anderen die Annahme einer ‘Beinahe-Realität’ nicht recht verwegen? In ihrer Welt, mit ihrer Weltsicht (mit ihrem Verstand?) ist das womöglich die – ich sag mal so – realste 🙂 aller Realitäten…

          • lawgunsandfreedom schreibt:

            Die Politiker wollen uns ja permanent verkaufen, daß sie als Einzige den Zugang zur echten Realität™ haben.

            Heutzutage wird doch alles mit Konstruktivismus (der mit dem naiven Realismus korrespondiert) begründet. Noch witziger finde ich den Radikalen Konstruktivismus der allein auf der persönlichen Wahrheit/Wahrnehmung aufbaut. (Sehr sympathisch, aber auch nicht abendfüllend).

            Man sucht man sich also Leute, die die eigene, persönliche Wahrheit weitestgehend teilen und schon hat man sich eine Realitätsblase geschaffen, in der man sich wohlfühlen kann. (Der aktuelle Tribalismus und diverse ideologische Grabenkriege sind die Auswüchse davon).

            Kollidiert diese Realitätsblase mit anderen Blasen, kommt es zu mehr oder weniger großen Konflikten. Das ist das, was wir aktuell haben. Jeder versucht seine Wahrheit™ dem Anderen überzustülpen und das geschieht im Allgemeinen mit Hilfe von Rhetorik, Ideologie und verschiedenen Formen von Gewalt, statt mit wissenschaftlichen Erkenntnistheorien und Falsifikation.

            Es gibt Deine Wahrheit, meine Wahrheit, DIE WAHRHEIT™ und die Realität. An letzterer müssen sich die Wahrheiten messen. Manche Leute können bis kurz vor dem Ende die Realität verweigern, andere kollidieren auf höchst peinliche, schmerzhafte, unterhaltsame (für Andere) Weise mit ihr. Und all diese Konstrukte zerbrechen am endgültigen Realitätstest – dem Tod, der Vernichtung. 😀

            • ausgesucht schreibt:

              Ein wundervoller Kommentar! Vielen lieben Dank dafür.
              Ich bin immer und immer wieder fasziniert, wie vollendet der Verdrängungsmechanismus funktioniert: Wer die Realität nicht wahrnehmen (‘wahr’ wie Wahrheit) will, findet zweifelsohne Mittel und Wege, DIE Wahrheit™ weiträumig zu umgehen. 😉

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