Diebstahl

Du sollst nicht stehlen. Nicht den Apfel aus Nachbars Garten, keinen Ladendiebstahl, von Diebstahlsdelikten im ganz großen Maßstab ohnehin zu schweigen. Es ist nicht recht, sich etwas anzueignen, das einem anderen gehört. Zur Einhaltung dieser Handlungsmaxime, mehr noch zur Ahndung von Verstößen wider sie gibt es den ganz großen Apparat (Legislative, Exekutive, Judikative), damit alles hübsch rechtens sei.

Kurzer Einschub: Es gab mal Zeiten, in denen es ganz natürlich war, also der Natur der Sache angemessen, sich das Eigentum anderer anzueignen. Gemeint ist die Arbeitskraft, die sich der Sklavenhalter einverleibt. Notgedrungen muß er auch die leibliche Hülle nicht nur in Kauf nehmen, sondern auch soweit erhalten, wie er aus ihr Arbeitskraft schöpfen will.

Unsere Gesellschaft sieht mit ihren Moralvorstellungen die Verhältnisse als sowieso antiquiert und zurecht abgeschafft an, in denen das Schicksal darüber entscheidet, ob man als Sklave ausgenutzt wird oder als Sklavenbesitzer sehr wohl ausnutzen darf und soll. Abgeschafft? Wirklich?!
Genau geschaut: Ein Auftraggeber1 kauft sich bei meinem Arbeitgeber2, einer Zeitarbeits­firma, Arbeitskraft ein, also mich bzw. meine Arbeitskraft. Der finanzielle Gegenwert dieser meiner Arbeitskraft wird aber vom Nutznießer dieser Arbeitskraft (= dem Auftrag­geber) nicht etwa deren Eigentümer zugewiesen, sondern zu einem dramatischen Anteil der Vermittlungsfirma. M. a. W. stelle ich meine Arbeitskraft zur Verfügung, bekomme aber nur einen Bruchteil ihres (Markt-)Wertes dafür, weil ein erheblicher Anteil meines Eigentums, also meiner Arbeitskraft, von jemandem einverleibt wird, der sich durch die Gnade des Schicksals (siehe Einschub) dafür legitimiert (siehe ersten Absatz) sieht.
Ist das nun nur Diebstahl oder zugleich auch noch ein Rückfall in antiquierte, aber vielleicht doch nicht so ganz abgeschaffte Verhältnisse?

—————
1 Eine Firma bzw. ein Institut, die bzw. das über eine Zeitarbeitsfirma auf Arbeitskräfte zugreifen möchte.
2 Ein Unternehmen, das Arbeitskräfte an Firmen/Unternehmen vermittelt.

Advertisements

Über ausgesucht

…desillusioniert
Dieser Beitrag wurde unter konkret, Kritik, Realität, Zweifel abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Diebstahl

  1. Aristobulus schreibt:

    Nein, ist es nicht, Ausgesucht.
    Warum nicht: Weil es nicht um Versklavung gehen kann, wenn ich mich selbst in die Sklaverei verkaufe (zumal solches äußerst selten vorkommt).
    Ferner leistet die Zeitarbeitfirma etwas, indem sie den Zeitarbeiter da hin und dort hin vermittelt. Es wäre für den Zeitarbeiter selber nicht möglich, sich jeweils bei den Firmen zu bewerben, die für einige Zeit jemanden brauchen, nicht? Also verdient der Zeitarbeiter wenig, aber er verdient etwas. Wenn er sich nicht von der Zeitarbeitfirma vermitteln ließe, würde er gar nichts verdienen.

    • Aristobulus schreibt:

      Noch etwas: Wenn es um Sklaverei geht!, ja?, also um das Thema Sklaverei!, dann muss die reale Sklaverei in islamischen Ländern erwähnt werden, damit es real bleibt.
      Die schlechtverdienenden Zeitarbeiter in Deutschland in dem Zusammenhang zu erwähnen, ist nicht real.

      In Mauretanien existiert die Sklaverei offiziell, und Imame rechtfertigen sie laufend mit dem Koran. In Saudi-Arabien auch, obgleich da ein Gesetz 1965 (ja, neunzehnhundert65) die Sklaverei abgeschafft haben will. Aber das entspricht eben nicht der Scharia, die Sklaverei vorschreibt, und weil in allen 57 Ländern der OIC eben die Scharia gilt, gibt es dort eben Sklaverei. Sklaverei zu ächten wäre ja nicht rechtgläubig.
      Das ist reale Sklaverei für viele hunderttausend bis Millionen SKLAVEN. Reale Sklaverei. So real wie für gepeitschte Neger in Savannah (Georgia) anno 1860.

    • ausgesucht schreibt:

      Hm, da scheint das sedierend Dressurgeschwurble der Sklavenhalter schon recht gut verinnerlicht zu sein. 😯
      Selbstverständlich kann ich mich ohne einen Mittelmann direkt mit einem potentiellen Arbeitgeber treffen und Beschäftigungskonditionen aushandeln, meinethalben auch zeitliche Begrenztheit der Anstellung…

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        … nur greifen die Firmen lieber zu den Sklavenhändlern, weil sie dann die ganzen lästigen gesetzlichen Formalitäten nicht beachten müssen.

        • ausgesucht schreibt:

          … stimmt durchaus, aber dann sollen sie eine einmalige(!) Vermittlungs-Courtage an die Vermittlungsfirma (= Zeitarbeitsfirma) zahlen, diese nicht aber auch noch vom Vermittelten abkassieren. Laß Dir das auf der Zunge zergehen: Ein Zeitarbeitnehmer bezahlt dafür, daß er seine Arbeitskraft einer Firma zur Verfügung stellen darf.

    • lawgunsandfreedom schreibt:

      Dann ist es halt Leibeigenschaft und das ist auch nicht unbedingt besser.

      • ausgesucht schreibt:

        Hm, die nun gerade weniger. Die moderne Form der Sklaverei hat ja gerade diesen mißlichen Passus überwunden, nämlich lästigerweise die Körperhülle gleich mitkaufen zu müssen. Heute wird nur das „Ding” der Begierde „gehandelt”: die pure Arbeitskraft. Und es wird – staatlich sanktioniert – der Gegenwert derselben munter in fremde Taschen abgezweigt.

  2. Chantao schreibt:

    Ich war ja lange Zeit auch Leihsklave. Ich war dann als „Extrem-Worker ohne Akkordbezahlung“ auch sehr begehrt und stand auf einer Hitliste für so Firmen wie Mannesmann Kranbau in Wetter; das Blöde war nur, dass man nach einem Jahr aus der Lieblingsfirma raus musste und dann erstmal einige Monat in Scheißjobs hinundher geschoben wurde, was die Hülle und auch das innere Fluid sehr zermürbte. Da die Hülle bereits erheblich Kampfspuren aufwies wurde sie dann irgendwann aussortiert (kriegte einen Arschtritt obwohl bei der Lieblingsfirma GROSSES Lob floß). Das innere Fluid wehrt sich seitdem, auch wenn die Arbeitsgemeinschaft Narrenhagen mit Saktionen zu erpressen versucht mit einem LangZeitKrankenschein gegen die Ausbeutung. Sowas geht natürlich nur mit poröser Hülle 😉 Arm sind diese dran, wo die Hülle noch fast unverbraucht ist, aber so ist eben das Leben.

    • ausgesucht schreibt:

      … das Elend besteht darin, daß diejenigen, die als Leidtragende – ganz freiwillig! – diesen Styx durchschwimmen müssen, keine Lobby haben.

ein Kommentar ist hier möglich:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s