digitale Kollektivierung

Mein Laptop ist keineswegs ein Beweis, sehr wohl aber ein kaum vom Tisch zu wischendes Indiz, daß die, ach, so segensbringende Digitalisierung schon jetzt in unsicheren Fahr­wassern schlingert. Tendenz: schlechter. Zumindest für den Endverbraucher…
Was ist passiert? Als ich die Bytebüchse gekauft hatte, war mein allererster Schritt zur Einrichtung derselben, alle überflüssigen Dienste und Hardware-Komponenten abzuschalten, zu deaktivieren oder ggf. deinstallieren. Allen voran Bordkamera und Mikrophon, aber auch Standortmeldungen und Interaktion irgendwelcher Software mit Kalender, Mailbox und was es an Gerümpel mehr gibt. Ich mag es nicht, wenn das halbe iNet heruntergeladen wird, nur weil ich auf dem Laptop Musik höre, die ich z. B. via CD bereits erworben habe.
Vor ein paar Stunden der GAU: zwischen einzelnen Tastenanschlägen und Reaktion des Betriebssystems vergingen Sekunden. Das Wort „Geschwindigkeit” war schnell getippt, aber es brauchte ewig, bis es auf dem Bildschirm auch zu sehen war. Ein Blick auf den Task-Manager ließ recht schnell erkennen, was die meiste CPU-Leistung vereinnahmte: erstaunlicherweise der Treiber für die Sound-Karte. Ach so?! Und das, obwohl ich kaum mehr als Systemtöne von ihr abverlange? Ach ja *stirnklatsch*, fast vergessen. Die Komponenten des Laptop-Gesamtsystems ziehen ja munter Updates aus dem Netz, selbst wenn sie so eingestellt sind, wie ich – ich schwöre! – es tat, nämlich nur manuell nach Upgrades etc. zu suchen. Und beim Stöbern in den Innereien fand ich gleich noch zwei weitere nicht ganz uninteressante Fakten. Zum einen ist die Anbindung an das iNet meilenweit von MB/s entfernt (unter Idealbedingungen, also nur wenn ein Tiefdruckgebiet über Polen liegt und die Biskaya sich unter einer Inversionszone befindet, beträgt die Baud-Rate vielleicht 10 bis 20 kB/s); deshalb „tröpfelte” das Betriebssystem also nur noch. Zum anderen durfte ich mit einigem Befremden feststellen, daß irgendwer/-was das Laptop für Interaktionen „geöffnet” hatte: Kamera und Mikrophon waren aktiviert, die Standortmeldung scharfgeschaltet und der ganze Rest gleich mit.
Und was hat das mit dem Eingangssatz zu tun? Nun, offenkundig entscheiden technische Prozesse, wie mein PC zu parametrisieren ist. Ich kann zwar noch munter irgendwas einstellen, aber beileibe nicht sicher sein, daß das Eingestellte auch tatsächlich wirksam wird. Dem Laptop-User wird lediglich eine Scheinrealität vorgegaukelt. In Wahrheit ist er längst entmündigt. Die Kontrolle haben andere bereits übernommen. Die Kontrolle über das Laptop, noch über nur dieses. Und bald sind es die komplette Individualität* und das komplette Leben…

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*) Das Verschwinden der Individualität schafft nicht etwa ein Bedeutungsvakuum, sondern wird durch digitale Kollektivierung, also Borgisierung, kompensiert.

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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21 Antworten zu digitale Kollektivierung

  1. Aristobulus schreibt:

    … danke für den Begriff „die Baud-Rate“, die ich seit hach etwa 25 Jahren (?) nicht mehr gehört hatte. Es gab da mal Modems von 320 Baud, und das war sehr viel. Später gab es ein Modem mit 115 Baud, das aus Leichtmetall mit Kühlrippen bestand, wegen der gewaltigen Hitzeentwicklung, die zum gewaltigen Preis passte.
    Ach wahrscheinlich waren also die 115 Baud doch irgend zahlreichere Baud als jene 320 Baud 😀 , oder es war eine andere Maßeinheit?

    P.S.
    Sie wissen, dass der deutsche Bundestag vor einiger Zeit das Gesetz wegen des Staatstrojaners verabschiedet hat, nicht? Laut diesem Gesetz darf staatlicherseits mit Hilfe dieses Staatstrojaners alles abgehört und staatlicherseits ausspioniert werden, absolut realsozialistisch!, Grenzen des Abbhörens sind nur theoretisch vorgesehen, und Bedenken oder gar Kontrollen gibt es nicht.
    Stellen Sie also bitte Ihr Mikrofon, Ihre Kamera und Ihre Standortbestimmung ganz aus!, nein, stellen Sie sie bitte noch gänzer auser. Nein. Stellen Sie sie am Besten allergänzest ausestens.

    • ausgesucht schreibt:

      … ich habe so gar keine Probleme damit, Kamera und Mikro von der Platine zu löten. Aber vorher frage ich mich recht eindringlich, warum die Mehrheit des Stimmviehs die Beschneidung von Individualität und Freiheit/Freiraum nicht nur dumpf brütend hinnimmt, sondern offenkundig sogar noch willkommenheißt *grübel*

  2. schlingsite schreibt:

    Der digitale Gott will aus Gründen der Benutzerfreundlichkeit nur dein Bestes.

    • ausgesucht schreibt:

      … das mag stimmen. Aber kann es zugleich auch stimmen, daß für analoge Lebensformen gut ist, was digital benutzerfreundliches Bestes ist? *grmpf*

  3. Chantao schreibt:

    Man muss es eben wissen: Es gibt einen Unterschied zwischen den Begriffen: Eigentümer und Besitzer. Du magst Deinen Laptop besitzen, aber Eigentümer ist Google und Friends; ich erinnere noch, als ich auf meinem ersten Smartphone das Google-Auto-Sync abstellte, weil ich nicht tausende von Friends in meiner Kontaktliste wünschte, die meinen Speicher unnütz belasteten. Oh, was bekam ich unwirrsche Google-Sync-Error-Meldungen. Nun, jetzt habe ich Android 6.0 (damals noch 2.3) und nun ist es vorbei mit der eigenen Entscheidungsfindung. Ich habe tausende von Friends und basta.

    Und das Basta gilt auch für alles andere an Hardware mit der ich mir erlaube im Internet zu gucken.
    Eigentümer sind immer nur die anderen. 😦

  4. lawgunsandfreedom schreibt:

    Alle meine Rechner (mit Ausnahme meines MacBook Pro) laufen auf Linux. Da habe ich solche Probleme nicht. Die 2x im Jahr, wo ich mal Windows brauche, kann ich auch VirtualBox starten.

    Gut, mit Hilfe einer Applikations-Firewall oder Einträgen im Hosts-File muß ich dann noch so Sachen wie Google-Anal-ytics, Beacons, Tracker und sonstigen Unsinn blocken, was leider immer aufwändiger wird. So langsam macht das Internet keinen Spaß mehr.

    • ausgesucht schreibt:

      Der Name „Internet” leitet sich ja nicht von „nett” ab, also dürfte die Erwartung von „Spaß im iNet” einigermaßen heroisch sein, nicht wahr.

      Aber, mal als Advocatus diaboli gesprochen, glaubst Du wirklich, daß es nicht längst Versuche der Infiltration, Unterwanderung, Aushöhlung auch(!) von Linux gegeben haben und geben könnte, diese „Insel der Unerreichbaren” zu okkupieren bzw. wenigstens zu kontrollieren? Sicher anders als bei ‘RiesenSchrott’ (oder wie WinzWeich richtig heißt), aber doch wohl auch höchst unwahrscheinlich, wenn nicht…

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Linux ist sicher nicht die Insel der Unerreichbaren. Es ist nur aufwändiger im Vergleich zu Windows und Lücken werden im Allgemeinen eher/schneller gestopft. Da ich u.a. auch in der IT-Security unterwegs bin, kenne ich die Schwachstellen der gängigen Betriebssysteme und der Hardware nur zu gut. Mit diesem Spielzeug kann ich sowohl Windows, Macs oder Linux-Kisten übernehmen, wenn ich’s drauf anlege.

        In Deinem speziellen Fall ist es einfach ein „Flaw“ im Betriebssystem. Davon gibt’s viele in jedem Betriebssystem. Aber manche wirken sich halt schon sehr störend aus. Andere sieht man nicht, öffnen aber ein Scheunentor auf dem eigenen Rechner. Schon ein einfaches Windows-Update kann sämtliche Sicherheitseinstellungen rückgängig machen, die man mühsam reingedengelt hat. Diverse Applikationen, die man selbst installiert tun das auch.

        Deshalb habe ich immer wieder einen Netzwerksniffer (Wireshark) zwischen meinem Rechner und dem Router, damit ich sehe, was da raus geht und ob ich das will.

        • ausgesucht schreibt:

          … natürlich habe ich sofort meinen Denkhügel durchforstet, was denn so alles (nach-)installiert worden ist. Und das Bedrückende: es war nur(!) ein Virenscanner. 😯
          Und das bestätigt mich in meiner Annahme – oder soll ich ehrlicherweise Verschwörungstheorie schreiben? –, daß Virenscanner und Leistungs-Tuner und wie dieses Geraffel sonst noch heißt bzw. sich anbiedert, in Wirklichkeit noch eine viel wichtigere (hidden) function besitzen. Aber das ist eine andere Geschichte (die ich aber bereits im Denkhügel habe und herauskullern lasse, wenn ich sie wiederfinde).
          Und ja, Netzwerk-Sniffer sind von unschätzbarem Wert! Nicht zuletzt um ultimativ zu erkennen, daß betriebssystemeigene Firewalls, Defender etc. nichts als Placebos sind…

          • lawgunsandfreedom schreibt:

            Virenscanner sind Schlangenöl. Etliche davon spielen „Man in the Middle“. Die brechen die SSL/TLS-Verschlüsselung des Datenstreams, gucken mit Fake-Zertifikaten in „Deine“ Daten, auf daß auch sicher keine „Malware“ dabei sei, und senden sie wieder neu verschlüsselt an Deinen Browser. Nebenher telefonieren sie nach Hause und übertragen dabei Daten, die man vielleicht gerne privat halten möchte.

            Tatsache ist, daß Antivirensoftware scheunentorgroße Löcher in jegliche Sicherheitsarchitektur reißt. Schutz bietet AV-Software nur bei bereits bekannten Viren und auch da längst keine 100%. Ich baue Dir mit den gängigen Malware-Baukästen ein Payload (Keylogger, Remote-Shell, etc), den kein Virenscanner erkennt.

            Best of Schlangenöl: https://blog.fefe.de/?q=Schlangenöl

            • ausgesucht schreibt:

              »Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor« 🙂

            • Aristobulus schreibt:

              *zitter’*
              Wir werden alle sterben.

              • ausgesucht schreibt:

                In der Tat, das werden wir. 🙂
                Sollte man aber deshalb alles über sich ergehen lassen, schlimmer noch: mit Feuereifer alles daransetzen, um den Tod möglich qualvoll zu gestalten? Und das aus eigenem(!) Antrieb! Wo sind die Philosophen, die die Lehrmeinung vertraten, das Leben diene einzig dem Zweck, eine Schule zu durchlaufen, an deren Ende man dem Tod gelassen in die leeren Augenhöhlen blicken kann…

              • Aristobulus schreibt:

                Tscha, das war die Stoa, nicht?, und die ging so, bis Heidegger kam und mit seinen Filzpantoffeln mal wieder alles töt-, toter- und am Tötesten geschlagen hat.

              • ausgesucht schreibt:

                Tja, sowas wie Nahrungskette gibt es offenbar nicht nur in der Biologie, sondern auch in der Philosophie. 😉

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Erinnert mich dran, daß Karl Marx mal eine Entgegnung auf das Büchlein „Der Einzige und sein Eigentum“ von Max Stirner geschrieben hat. Die war länger als das Büchlein selbst, aber er hat es nicht veröffentlicht, weil er sich dann öffentlich mit Stirner hätte auseinander setzen müssen, und das hat er sich nicht getraut. ^_^

              • ausgesucht schreibt:

                … na zumindest hat olle Karl an dieser Stelle ein ganz gutes Gespür bewiesen, welchen Platz jeder einzelne in der „Fressen-und-gefressen-werden”-Kette inne hat. ^^

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Jo. Schade nur, daß philosophische Prädatoren wie Stirner, die eine ganze Clique von Jung-Hegelianern in die Enge treiben, so selten sind. Da wäre uns wohl so einiges erspart geblieben ^_^

              • ausgesucht schreibt:

                *chchch*
                Danke! Das ging runter wie Öl; Du hast mir diesen Tag verschönt 😉

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