erfolgreicher Misserfolg

Aus spieltheoretischer Sicht ist das, was die FDP jüngst vorgeführt hat, einigermaßen bedenklich, aus politischer Sicht dürfte es so ziemlich das Beste sein, was dem willigen Stimmvieh dargeboten werden konnte. Können denn die Vasallen der Obrigkeitskaste (sprich Parteien)  noch deutlicher zeigen, wie hohl es hinter der Politfassade ist?
Da gibt es eine Partei, die zwar nicht wörtlich, aber dem Inhalt nach sagt: „Wir haben gegenüber 2013 rund 9 % Stimmanteil verloren; nun haben wir – scheiß auf die Wähler! – eben keine Lust mehr zum Regieren”. Da gibt es Parteien, die nicht etwa die Frage erörtern: Wie können wir [gemeinsam] regierungsfähig werden, sondern kleinlich darauf bedacht sind, Trophäen aus den Gesprächsrunden mit „nach Hause” zu tragen, damit man dort sähe, welch große Krieger sie sind. Da gibt es einen Bundespräsidenten, der sich das Getue in aller Seelenruhe zwei Monate lang anschaut, um dann, wenn das jamaikanische Kind in den deutschen Brunnen gefallen ist, den Moralapostel zu mimen. Es geht doch überhaupt nicht darum, daß Parteien „ihre Verantwortung an die Wähler zurückgeben” würden (vgl. hier). Es geht darum, daß sie ihre Verantwortung überhaupt erst wahrnehmen. Das gilt übrigens auch für den BuPrä. Schließlich gibt es nicht erst seit gestern ernsthafte Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Pöstchens, der auf Schloß Schönblick beheimatet ist. Oder ist es präsidiale Absicht, der kommissarisch stümpernden Kanzlerin noch ein paar schöne Tage im Amt zu gewähren? Immerhin sind mehr als 4 % der aktu­ellen Legislaturperiode allein für Sondierungen einer einzigen Koalitionsmöglichkeit ins Land gegangen. Aber es gibt ja noch mindestens 18 andere. Damit lassen sind spielend noch 36 Monate überbrücken, ehe überhaupt in Verhandlungen zur Regierungsbildung übergegangen werden kann. Mit dieser Taktik dürfte das Merkel es vielleicht sogar schaffen, die 16 Jahre der Birne zu überflügeln. Um die Übersicht nicht zu verlieren, hier einmal eine Liste von durchzusondierenden Koalitionen (Quelle: BTW-Info):

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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2 Antworten zu erfolgreicher Misserfolg

  1. Belgien einst ohne Regierungsdeppen: „Trotz Eurokrise hat sich Belgien gut entwickelt. Das BIP wuchs 2010 um 2,7 und 2011 um 1,8 Prozent, schneller als durchschnittlich in der Euro-Zone“.

    • ausgesucht schreibt:

      … ein gutes Indiz! Aber halt eben kein Beweis. Aber eben auch eine interessante Anregung!
      Arbeitshypothese: Politiker-Darsteller „funktionieren” nach dem Schema cum hoc ergo propter hoc (d. h. sie machen ihre Politik, um recht zu behalten).
      Und nun die Frage: Werden unlogische politische Entscheidungen wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher, wenn der Haufen der Politiker-Darsteller größer wird? Und ist die EU nicht ein viel größerer Haufen als z. B. Belgien?

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