lebensläufig

Da ich mich ja seit ein paar Tagen wieder in einer Situation befinde, viel Tagesfreizeit für Bewerbungen nutzen zu dürfen, beschäftigt mich wieder verstärkt die okkulte Welt des Biographierens. Zudem hat es etwas von Magie, den eigenen Lebenslauf so erscheinen zu lassen, daß wildfremde Menschen ihn für annehmbar halten.
Auf der einen Seite wird erwartet, wichtige Lebensetappen aufzulisten, in denen gerade das Rüstzeug erworben und aufpoliert wurde, das vom potentiellen Arbeitgeber so heiß begehrt wird. Auf der anderen Seite muß der Lebenslauf lückenlos sein.
Als ob das ganze Leben nur aus Einatmen bestünde! Doch erwartet wird es offensichtlich von denen, die einen fairen Deal zwischen Arbeitgeber und -nehmer zustandebringen sollen. Weitsprung ist schön, Weltrekordweiten sind besser. Nur das Anlauf nehmen wird als Makel dargestellt, der besser aus dem Lebenslauf herausretuschiert wird.
Warum haben derartige Recruiter Angst vor Lücken in einem Lebenslauf?

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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27 Antworten zu lebensläufig

  1. Pfeffermatz schreibt:

    Befristete Stelle ausgelaufen oder hattest du die Schnauze voll?

    • ausgesucht schreibt:

      Oh, danke der Nachfrage. 🙂
      Die Antwort ist – mal wieder – komplex. Allerdings hat die Frage mich daran erinnert, daß ich noch immer keinen Artikel darüber verfaßt habe, der die Begriffe Zeitarbeit und Sklavenhaltung in logische Nähe bringt. Auch für diesen Anschubser vielen Dank. ^_^
      Im Telegrammstil: Der Vertrag bei der Zeitarbeitsfirma lautete auf „Befristung mit Übernahmeoption”. Letztere habe ich vergeigt, als ich den Chef am Einsatzort darum bat, gegen das dort praktizierte Mobbing Maßnahmen zu ergreifen. Ab dem Moment war ich für den Arbeitgeber am Einsatzort ein „schwieriger Charakter”. Diese Einschätzung wurde an die Zeitarbeitsfirma weitergereicht. Das Ende vom Lied war, daß man dort partout keinen weiteren Einsatzort mehr finden konnte. Und mit dem Stigma der Unvermittelbarkeit wird der Vertrag nicht verlängert, von Übernahme ganz zu schweigen…

      • Pfeffermatz schreibt:

        So´n Mist 😦 Dann wünsche ich dir zukünftig ein besseres Arbeitsumfeld. Bist du eigentlich Physikerin oder Ingenieurin oder so? Irgendwas formellastiges, auf jeden Fall!

        • ausgesucht schreibt:

          Lehramt und nebenher noch Physik habe ich studiert & abgeschlossen. Leider war nichts Vernünftiges/Brauchbares dabei, jedenfalls zu wenig für die Zukunft. Tja, irgendwie hatte mein Großmütterlein schon recht, ich hätte lieber was Gescheites lernen sollen… 🙂

          • Pfeffermatz schreibt:

            Wie Mathematik?

            • ausgesucht schreibt:

              *chchch*
              Nein, ganz sicher nicht! Für sie waren „Einmaleins” und „Zusammenzählen” (allerhöchstens „Rechnen”) stehende Begriffe. „Mathematik” oder „Buchstabenrechnen” waren mystischer Hokuspokus. Nein, etwas „Vernünftiges lernen” meinte Handwerk etc. 🙂

  2. lawgunsandfreedom schreibt:

    Hm – mein aktueller Vorgesetzter hat für mich eine Vertragsverlängerung beantragt. Bin wohl noch nicht schwierig genug, obwohl ich ihm schon mehrfach auf die Füsse getreten bin.

    • ausgesucht schreibt:

      Tja, man hat nicht immer Glück, indem man auf einen Masochisten trifft… 🙂

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Ich fürchte, der hat eine unbefristete Merkbefreiung 😀

        • ausgesucht schreibt:

          Hahaha *rofl*; aber Vorsicht, vielleicht führt er ein geheimes Tagebuch… ^_^

          • lawgunsandfreedom schreibt:

            Mir egal. Ich bin heute einem anderen Abteilungsleiter (Sorte: jähzorniger Narzisst) kräftig auf die Füße getreten. Seine gesamte Abteilung hat mich dafür auf den Weihnachtsmarkt zum Glühwein eingeladen Das klappt schon noch mit dem „nicht-übernommen-werden“ 😀

            • ausgesucht schreibt:

              Ich habe ein ziemlich scharfes Bild vor Augen – glaube ich zumindest. Und das Paradoxe ist: Die Chefs, die solche Mißstände letztlich ja oftmals zu verantworten haben, ahnen vielleicht gar nicht (oder wollen es einfach nicht wahrhaben), welche Zustände sie zu verantworten haben. Kann es angehen, daß man als „Held” gefeiert wird, nur weil man mal mutig Klartext (so ohne Scheuklappen etc.) gesprochen hat. Läßt das nicht tief blicken?

              Doch was zählt mehr? Noch ein paar Monate grundversorgt zu sein oder scheinbar erfolgreich gegen eine weitere Windmühle (Sorte: jähzorniger Narzisst) ein Sträußchen ausgefochten zu haben? ^^

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Och – ich suche parallel nach einem anderen Job und habe dabei keinen Streß. Und der Irre in der anderen Abteilung kann mir nix, weil der Chef von meinem Chef meine Meinung ebenfalls vertritt. Es ging um ein betriebsinternes Procedere und das ist zwingend von oben verordnet worden. Da bin ich auf der sicheren Seite. Ich habe nur stur meinen Job gemacht 😀

                So kann man Sträuße fechten, hat den großen Bruder, der einem den Rücken stärkt und kriegt sogar noch ein Lob wenn man eine mäßig sinnvolle Firmenrichtlinie durchsetzt. Die ganze Geschichte ist auf mehreren Ebenen völlig irrsinnig und ich kann mir ausnahmsweise mal erlauben so was lustig zu finden und es genießen.

              • ausgesucht schreibt:

                Klingt spannend, klingt geheimnisvoll. Klingt so, als ob ich gern mit eigenen Augen dabei gewesen wäre. 🙂

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Nah. Trivialitäten. Sturm im Wasserglas. In großen Konzernen scheint das an der Tagesordnung zu sein. Das ist weder spannend, noch geheimnisvoll.

              • ausgesucht schreibt:

                … alltäglich und weder spannend noch geheimnisvoll, aber eben doch der Rede wert, nicht wahr? ^_^

              • ausgesucht schreibt:

                Ach so, das hatte ich vor lauter Aufregung glatt vergessen: Ich wünsche Dir bei Deiner Jobsuche alles erdenklich Gute!!!

              • lawgunsandfreedom schreibt:

                Danke. Habe schon einige interesssante Angebote. Mal sehen, ob’s was wird.

              • ausgesucht schreibt:

                … ich drück die Daumen! Ganz fest. 🙂

  3. Chantao schreibt:

    „Befristung mit Übernahmeoption“ leider komme ich hier einmal wieder zur aktuellen Bezeichnung dieses Begriffs, den wir ja letztlich häufiger lesen und hören:
    (sinngemäß umgemodelt 😉 )
    „Arbeitsvertrag mit ergebnisoffenen Übernahmeoptionen“ 😉 😉

    • ausgesucht schreibt:

      … wenn schon das Arbeitsamt eine institutionalisierte Demütigungsmaschine ist, warum soll so manche Zeitarbeitsfirma das nicht auch sein?? Die sogenannte Übernahmeoption ist doch oftmals kaum mehr als eine Möhre, die Eseln vorgehalten wird.

  4. Chantao schreibt:

    “ Zeitarbeit und Sklavenhaltung“ Wie wir alle wissen durfte auch in diesen Bereichen weitreichende Erkenntnisse schöpfen. Solange ich (bzw. meine Gesundheit) ausreichend top war motivierte man mich mit der Vorstellung, die Welt stünde mir als Super-Trooper-Worker offen. Nach 28 Kilo Gewichtsabnahme war ich eher das Klopapier, was uns oft in öffentlichen Verrichtungsstätten an der Fußsohle kleben bleibt. Da sind sie denn ganz schnell bei der Sache einen freizustellen.

    Letztendlich nutze ich seit einigen Jahre diesen Makel (zwangssymtomatisch attestiert) immer der Beste sein zu wollen, um mich körperlich an den Rand des Todes zu bringen, damit mir auch keine „Maßnahme“ mehr auf’s Auge gedrückt wird. Auch ist mein orthopädisches Schuhwerk (Zuzahlung für Privatschuhe 100 Teuronen, für Sicherheitsschuhwerk wäre es in Summe weitaus mehr) mittlerweile ein triftiger Grund.

    Nun, ich bin kein Laumalocher in der sozialen Hängematte, ich würde gerne wieder, wenn ich dürfte, nur im Alter geht es mit dem körperlichen Abwracken halt immer rasanter.
    Gelernt habe ich Groß- und Aussenhandel, habe Abi, habe Umschulungen), leider bekam ich in der Leihsklaverei auch immer nur Sachen „unter meinem eigentlichen Niveau). Lagerist, Produktionshelfer. Der Weg nach unten ist steil.

    • ausgesucht schreibt:

      Ach ja, diese Pille durfte ich auch schon schlucken; dutzendweise sogar. Ich kann Prozesse optimieren und kriege als höchstes Angebot, Daten einzuhacken… 🙂

  5. Chantao schreibt:

    1.) „schwieriger Charakter”.+ 2.) „Unvermittelbarkeit wird der Vertrag nicht verlängert“

    Man ist nur dann ein „angenehmer Charakter“, wenn man sich dazu durchringen kann, jeden Mist kommentarlos zu verrichten und sich danach am besten noch als „faule S*u“ beschimpfen lassen kann, ohne auszurasten. Ich sagte dann immer „den A**h hinhalten, um ge**ckt zu werden“ und sich noch freuen. Leider stößt solch eine Denke nicht auf Freunde. Es ist dann immer so, dass gerade die Leute, die trotz Sklavenlohn noch verantwortungsbewußt arbeiten, meistens auch noch den Ar*chtritt kassieren, um sie zu motivieren noch mehr von ihrer Substanz zu opfern.

    Wichtig zu Punkt 2.) ist es dann aber auch nicht noch, um das Ganze auf die Spitze zu treiben von der ArgeSGB2 sanktioniert zu werden. Sowas geht auch nur in Deutschland, zum einen, weil es hier SGB2 gibt und woanders in der Welt nicht, aber zweitens, weil man sowas nur mit den Deutschen (in diesem Fall Biodeutschen) machen kann, was mich stets sehr verwundert.

    Neulich war mal ein Bericht, dass man es versucht hat mit sogenannten Flüchtlingen, die das aber nicht mitmachen wollten, zum einen, weil sie meinten, dass 10fache verdienen zu müssen, zum anderen, weil sie auch Gleichstellung zur Behandlung wie Angestellte auf dem ersten Markt klagen wollten. Zugereiste kennen oft ihre Rechte besser als der Inländer. Ich hingegen weise die amtlichen Stellen gerne darauf hin, dass ich bei der Behandlung, die ja eine Zeit sehr schikanös war, gleichbehandelt werden möchte, wie Zugereiste. Das würde schon ausreichen und wird auch gerne von den SachbearbeiterInnen angenommen. Man muss es ihnen eben halt nur sagen.

    • ausgesucht schreibt:

      Ja, das sagst Du was! Soziale Fairness ist für viele Deutsche etwas, um ganz abstrakt den Gutmenschen heraushängen zu lassen, wo es um Biertischparolen über „die da hinten” (am besten in einem anderen Bundesland) geht. In der Realität wird jedoch die Nase gerümpft über Bettler, über HartzIV-rer über Sozialschmarotzer, die zeitarbeiten, statt vollwertige Mitglieder der Gesellschaft zu sein etc. Und ein Zeitarbeiter hat in der heilen Welt der Bessermenschen nichts zu bestellen, er hat zu puckeln, devot zu schweigen und gefälligst seinen Arsch hinzuhalten, damit er kräftig getreten werde…

      • Chantao schreibt:

        Und gerade dieses Heer von Willigen bringt den Sesselfurzern und Geldsäcken den angenehmen Lebensstandard und ihrem Auskommen im Alter, wo hingegen den armen Willigen das Sozialamt bleibt. Und falls wir diese Mißstände öffentlich stellen, damit sich endlich etwas tut kommt die geheime Staatspolizei und verhaftet uns wegen Landesfriedensbruch.

        • ausgesucht schreibt:

          Diese letztgenannte Konsequenz habe ich noch nicht erleben dürfen, halte sie aber durchaus für nicht unwahrscheinlich. Nicht nur deshalb halte ich diese Welt keinesfalls für die beste aller möglichen… ^^

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