Ausweiskopie

Gestern nun ist es zum ersten Mal passiert, daß das Vorlegen meines Personalausweises offenbar nicht zu meiner Identifikation ausreichte. Stattdessen gab es einen mehr­minütigen Vorgang, bei dem eine App die entscheidende Rolle spielte. Mein Händi gibt das Betreiben von Apps nicht her. Zudem mußte es ja wohl auch eine „App des Vertrauens” sein, die auf einem Händi des Dienstleisters laufen mußte, bei dem ich mich zu identifizieren hatte. Selbst der Kundenbetreuer dieses Dienstleisters hatte kein geeignetes Händi. Also lief er (die Zeit lief auch), um die erforderliche Gerätschaft bei seinem Chef auszuborgen. Dann konnte es auch schon losgehen.
Die App startete einen Anruf (Video-Chat) bei einer, scheint’s, speziellen Firma, die per Telephon eine Person abstellte, um meinen Personalausweis zu checken. Der Aufbau dieser Verbindung benötigte mehr als eine Minute. Dann die Ansage (es war nicht auszumachen, ob vom Band oder von einem echt agierenden Menschen), das Gesicht in die Händikamera zu halten, Vor- und Zunamen herzubeten und eine mündliche Erlaubnis für das gerade laufende Verfahren zu geben. Dann wurde aus der Ferne auf die „Fernkamera” des Händis umgeschaltet, um ein Photo von der Vorderseite des Personalausweises zu machen. Das kostete ein paar Anläufe (und auch Zeitspannen), bis ein reflexionsloses Bild im Kasten war. Gleiches Spiel mit der Rückseite. Dann wurde wieder aus der Ferne das Kameralicht eingeschaltet, um die Sicherheitsmerkmale auf der Ausweisvorderseite zu filmen – ein episches Werk von etwa einer Minute Länge. Und nach insgesamt schon mehr als fünf Minuten war das Prozedere auch schon abgeschlossen, erfolgreich sogar.
Warum habe ich seitdem so ein mulmiges Gefühl? Im Kleingedrucktes des Dienstleisters steht ja was vom Umgang mit meinen persönlichen Daten. Doch wer kann mir garantieren, daß es nirgends auf dem Weg von der App zur „Identifikationsfirma” zu einem Datenunfall kommt? Daß weder App noch Datenleitungen gehackt werden können? Daß nicht während der oben skizzierten fünf Minuten bereits eine Kopie meines Ausweises erstellt wurde?
Nein, das ist keine Paranoia. Es ist ein simples Übertragen der Erfahrungen aus dem täglichen Umgang mit Software und deren typischen Unzulänglichkeiten auf dieses konkrete Beispiel, bei dem man zur kompletten Freigabe personenbezogener Dinge genötigt wird, ansonsten kommt die Dienstleistung nämlich nicht zustande…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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16 Antworten zu Ausweiskopie

  1. >>Vor- und Zunamen herzubeten und eine mündliche Erlaubnis für das gerade laufende Verfahren zu geben.>>

    Wäre mir zu unbestimmt für was genau ich da meine Zustimmung geben würde.

    • ausgesucht schreibt:

      Ganz genau, daher auch mein ‘mulmiges Gefühl’! Doch, mein letztgenannter Satz deutet es ja an, in der Not frißt der Teufel Fliegen, um an einen Job zu kommen…

      • Es ist immer die persönliche Not, die Grundrechte in der Gesellschaft mehr und mehr aushebelt und man so automatisch im Handelsrecht landet, was immer die anderen in ihren AGBs selber geschrieben haben. 🙂

        Trotzdem viel Erfolg bei der Jobsuche!

        • ausgesucht schreibt:

          Da bin ich ganz bei Dir: Das gesamte Verfahren hat unübersehbar die Züge von Nötigung. Aber es gibt eben keine Lobby – und nun sollten wir über Toleranz (= lat. „ertrage es!”) reden… ^^

          • Der Trick ist: es passiert immer im Einvernehmen und der Leistungsersuchende bekommt ja auch etwas dafür und es ist im Nachhinein sein Versäumnis sich über eventuelle nicht gewollte Konsequenzen nicht rechtzeitig informiert zu haben. So ist das juristisch konstruiert.

            Aber ich hatte auch mal so eine Prozedur über mich zu bringen, als ich eine Chipkarte für das Smartphone im Ausland kaufen und freischalten wollte. Ist wohl ein neues Spielzeug für all die Kontrollfreaks in der Welt? 😀

            • ausgesucht schreibt:

              Dieser ‘Trick’, wie Du es nennst, ist ja genau das, was mich nicht nur den obigen Artikel, sondern auch ein paar andere zum Thema Digitalisierung hat hinpinseln lassen…
              Da es unmöglich ist, vollkommen sichere Systeme zu schaffen (je sicherer, desto (zeit)aufwendiger, also profitschmälender), braucht es einen „Mechanismus”, um die Restunsicherheit zu sozialisieren, also den Schwächsten im System überzuhelfen (vgl. den letzten Absatz in diesem Artikel).

  2. Aristobulus schreibt:

    Seinen Sie sicher, dass Ihr Ausweis auf diese Weise unlöschbar im Internet aufzufinden ist, und dass er vielleicht als Muster für Fälschungen dienen wird (jaja, Fotofälschungen von Phantomfotoausweisen per App, für irgendwen, der an Fotos von Ausweisen glaubt!, aber solche gibt es ja. Man kann sogar Schusswaffen mit solchen Fotos kaufen).

    Also, ein Personalausweis dient als Legitimation, aber nur als Gegenstand. Hingegen bei einem Foto kann nicht festgestellt werden, ob etwa das Wasserzeichen (bzw. die neumodische Entsprechung) stimmt – und ob das überhaupt ein Ausweis sei.

    Ähm, was haben Sie denn da gemacht/erstanden/bestellt, weswegen man Ihnen sowas ab- nein aufgenötigt hat?

  3. YDU schreibt:

    Sehr suspekt … 😦

  4. The PetSchmi schreibt:

    Lass‘ Dir doch gleich einen RFiD-Chip implantieren; das Zeichen des „Tieres“, oder wie man den laut biblischer Prophezeiung demnächst erscheinenden „Anti-Christen“ (der übrigens nicht unbedingt eine Person sein muss; ein blutrünstiges NWO-Weltkommunismus-System täte es auch) sonst noch so nennt.

    Ist sowieso schon alles in Planung; siehe* den youtube-Einspieler, der dort unter der Kennung SVF1APB92vk hinterlegt ist.

    Nur für Erwachsene!!!

    p.s.: Regisseur und Ex-Special-Forces-Soldat David Crowley wurde übrigens kurz vor dem Kinostart von „Gray State“ in seinem Haus „erweitert suizidiert“. So was kann passieren, wenn man sich zu sehr mit dem „tiefen Staat“ anlegt…

    ——————
    *) [Anmerkung von sinnsucht:] Die ursprünglich im Kommentar angegebene Verlinkung wurde „deaktiviert”, um eine versehentliche/unbeabsichtigte Benutzung des Links zu vermeiden.

    • ausgesucht schreibt:

      Kleines „Vorwort“: Es tut mir leid, daß ich Deinen Kommentar ein wenig verstümmeln mußte (die Sache mit der Verlinkung), aber irgendwie spielt FSK da auch eine gewisse Rolle…

      Nun aber zur Sache! Sag mal, warum sollte ich mir noch so einen Chip implantieren lassen??? Oder ob es vielleicht besser ist, alle Einzelteile gechipt zu haben, falls ein Macheten-Mörder mal wieder zuschlägt oder nach einem Verkehrsunfall?

      Im übrigen brauchen wir auf den Antichristen nun wahrlich nicht zu warten. Er ist unter uns, er war nie weg…

      • The PetSchmi schreibt:

        …ohne das „Zeichen des Tieres“ (vulgo: implantierten „RFiD-Chip“) wird man nach bevorstehender Abschaffung des Bargeldes demnächst schlicht nix mehr kaufen können. Die Leute werden dann Schlange stehen zwecks Implantation; sie sind mit dem eingepflanzten „Bezahl-Chip“ dann vollkommen kontrollier- und manipulierbar.

        • ausgesucht schreibt:

          Aber ja doch, genau so war es zu verstehen! Und vielleicht wird es auch so oder so ähnlich kommen.

          Und meine Anmerkung paßte durchaus zum Thema. Gut, sie war flapsig formuliert, dafür bitte ich um Vergebung, aber sie war dennoch ernst gemeint: Im Mittelalter gab es den ehrbaren Beruf der Beutelschneider. Das waren die freundlichen Zeitgenossen, die im Gedränge des Marktes oder wo auch immer den Geldbeutel (oder die Geldkatze oder wie auch immer das Dingens genannt wurde) mit einem geschickten Messerschnitt vom Gürtel trennten. Zugleich trennten sie den Besitzer von einem Teil seines Vermögens.
          Und nun (= heute, morgen, bald) wird alle Diversifikation der Finanzmittel-Aufbewahrung aufgegeben. Stattdessen wird der Chip unter einer (sicherlich recht kleinen) Hautregion konzentriert. Das dürfte zu einem Revival der Beutelschneider führen, nur daß sie diesmal Handabschneider heißen würden. Aber was macht ein Mensch, dem mitsamt dem Unterarm der Chip gestohlen wurde? Seine Existenz ist unmöglich geworden – er vegetiert noch, ist aber gesellschaftlich nicht mehr vorhanden…

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