der tollste Hecht im Teich

Eigentlich juckt es mich schon den ganzen Tag lang, zu dem Shitstorm, den eine Werbe­kampagne wegen nebenstehenden Bildes heraufbeschworen hat, ein paar tiefergehende Gedanken zu publizieren.
Darin würde es dann um Vorurteile gehen. Und darum, was die Modebude tatsächlich gesagt bzw. gezeigt, also gemeint hat und was ihr womöglich in den Mund gelegt wird. Vielleicht würde es auch darum gehen, ob es dem hehren Anspruch der Gleich(!)heit entspricht, wenn für manche Model-Ethnien bestimmte Kleidungseigenheiten für nicht haltbar deklariert werden, während sie bei anderen absolut nicht als anstößig interpretiert blieben. Und möglicherweise wäre auch ein Gedanke dazu zu finden, daß ein Shitstorm (mit einer Halbwertszeit von wenigen Stunden, eher der nächste losgetreten wird) in den Zwitschermedien auf vortrefflichste Weise zu umsatzsteigernder Reklame führen dürfte.
Doch dann dämmerte in mir der Verdacht, daß die Protagonisten eines Shitstorms möglicherweise mit dem Befeuern desselben soweit beschäftigt sein könnten, daß weder Zeit noch Gelegenheit bleibt, das Themengebiet rational zu durchdringen. Und schon hatte sich der eingangs erwähnte Wunsch verflüchtigt…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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20 Antworten zu der tollste Hecht im Teich

  1. Man sollte diesen pc-Hysterikern einfach keinerlei Aufmerksamkeit schenken.
    Dieser Aufdruck ist witzig und originell, Punkt. So etwas kauft man, wenn man Stil und Humor besitzt … 😉

    • ausgesucht schreibt:

      Ja, wirklich wahr! Humor und Stil. Und, nicht zu vergessen, auch den Mut, mal nicht in Wassern zu schwimmen, die von den Mainstreamern bereits gelb-warm gefärbt wurden… ^^

      • Marcello Francé schreibt:

        Irgendwie habe ich den Eindruck, dass man es sich auch ZU einfach machen kann.
        Einerseits kann ich durchaus verstehen, dass das Berufsempörtentum mancher Moralapostel dem einen oder anderen auf den Senkel gehen mag, allerdings gibt es durchaus Konversationen wie diese* “Hey, hast du das mit H&M mitbekommen?“ “Ja, so whack, Mann. Schon hart getriggerte Snowflakes, what?“ “Schon, darf man jetzt nicht mal Nigger sagen, oder was? Wenn so ein kleiner Scheiß-Nigger aus seine Herkunft zeigen will, please.“ “Drecks libtards.“ [Zustimmendes Schweigen] … Das Gespräch driftete dann zu Milo Yiannopoulos, wie Ben Shapiro wieder irgendwen in einer Debatte “destroyed“ hatte (ich dachte, man debattiert um Argumente auszutauschen, aber ich habe mich wohl geirrt), Kekistan und Football ab. Schon nach dem Nachschlagen der Hälfte der Wörter stellte sich heraus, dass das wohl nicht nett gemeint war.

        Leute, die so denken, werden natürlich immer einen Grund finden, rassistisch, misogyn usw. usf. zu sein, allerdings ist die Überlegung “Wenn für mich alle Menschen gleichwertig sind, ist anti-PC auch ok, weil das jeden gleich trifft“ in echt einfach unrealistisch. Ich bin zwar nicht der Meinung, dass man alles gleich verbieten und sofort bei allem einen Mordsaufstand machen muss, allerdings finde ich nicht, dass man die Verrohung der Gesprächskultur auch noch beklatschen sollte, weil voll “anti-pc“ und so, ja. Natürlich ist nicht jeder, der bei Afrikaner = Affe assoziert automatisch ein Rassist, so wird das vielen Leuten halt auch heute einfach nur bei gebracht ohne darüber nachzudenken, aber manche schon. So zu tun, als gäbe es diese nicht oder als ob diese irrelevant wären, ist meiner Meinung ziemlich verlogen. Aber bestimmt leide ich an zu vielen “liberal values“:
        http://www.conservapedia.com/Liberal_values

        *aufgeschnappt in Frankfurt im Gespräch zweier Footballspieler aus “God owns country“, wie es scheint.

        • ausgesucht schreibt:

          Ja, ich stimme zu: es kommen seltsame Sprachfetzen zustande, wenn man sich das Denken zu einfach macht. Im Extremfall kann man das Denken ja gleich ganz weglassen. Einfacher geht’s nicht, belfern reicht doch auch.
          Und könnte nicht hier der Hase im Pfeffer liegen? Die gutmenschelnden Tugendterroristen belfern – O Schreck! – doch aber auch. Und nicht zu wenig (das nennt sich dann Shitstorm). Ob sie sich wohl ihrerseits das Denken zu einfach machen?

          • Marcello Francé schreibt:

            Also einerseits wird natürlich durch die ständige Skandalisierung die vielen alten Wunden wieder aufgerissen und den Rechtsextremen ein Forum gegeben, während andere Personen, mögen sie vielleicht auch einfach naiv und unbefangen sein, zu Unrecht beschuldigt werden; aber andererseits einfach die Augen zuzumachen und mögliche Implikationen zu ignorieren ist auch idiotisch.

            Klar würde in einer nicht-rassistischen Gesellschaft sowas ex ante erst gar kein Problem darstellen. Aber so ist es mal nicht. Ich habe selbst schon bei Kreisligaspielen Bananen fliegen sehen, und jeder weiß genau, was damit gemeint ist. Sowas kommt halt aber meistens nur in die Zeitung, wenn es irgendwelche milllionenschweren Goldjungen wie Dani Alves oder Balotelli betrifft, sonst eher selten. Die Aung-San-Suu-Kyi- Methode (wenn ich nicht darüber rede, gibt es das Problem gar nicht) ist irgendwie auch nicht zielführend. Das im vorliegenden Fall das wohl nicht rassistisch, wahrscheinlich höchstens irgendwelche alten Stereotypen propagierender Topos aufgegriffen wurde (wenn überhaupt), ist ziemlich sicher. Allerdings finde ich es unerhört (*kicher), wenn Leute das als Beispiel dafür nehmen, dass es ja in Deutschland keine Probleme mit Rassismus geben könne, wenn man sich “mit diesen Problemen aufhalte“ etc.

            • ausgesucht schreibt:

              Nein, ich möchte widersprechen: Es werden keine alten Wunden aufgerissen (zumindest mehrheitlich nicht); es wird vielmehr lediglich ein „Grund” inszeniert, um sich eine moralische Rechtfertigung zu zimmern für eine hedonistische Selbstüberhöhung. Werden, da so mancher Shitstormer sich für einen besseren Menschen hält, die anderen nicht dadurch zu Untermenschen abgestempelt? Aber man fühlt sich ja so gut, weil man so „gut” ist…

              • Marcello Francé schreibt:

                Das kommt darauf an, bei wem. Alle Leute in einen Topf zu werfen, finde ich ziemlich pauschalisierend. So wenig, wie die “Beschuldigten“ alle Rassisten sind, genauso wenig sind alle “Ankläger/Empörten“ etc. selbstgerechte Pharisäer (kann Spuren von Tautologie enthalten). Das es diese gibt, steht natürlich außer Frage.

                Andererseits, ein Beispiel:
                Jemand spricht mich an und meinte:
                “Na, wie schmeckt die Erde bei euch da unten?“
                (https://de.wikipedia.org/wiki/Terrone)

                Was sind meine Möglichkeiten?
                A) Ignorieren. Vielleicht hören manche Leute irgendwann auf, einen zu diskriminieren, wenn man sie ignoriert.
                Kann funktionieren. Oder halt auch nicht:
                https://de.wikipedia.org/wiki/Ettore_Ovazza

                B) Empowerment, oder Bedeutungsverbesserung durch Verwendung des Begriffs im positiven Kontext: „Terrone sein, heißt profunde Wurzeln zu haben, heißt die Tradition zu pflegen, die eigene Kultur niemals zu verleugnen, dem eigenen Sohn den Vornamen des Großvaters zu geben und einen heiligen Respekt vor der Familie zu haben.“ – Gennaro Gattuso
                Siehe auch in entsprechenden Kontexten gay, bitch, pussy, nigga, dog/ dawg, schwul, lesbisch und unbewusster: Mordskerl, Marschall etc. Aber auch nicht immer so sinnvoll, da es meistens einfacher ist, die Bedeutung eines Wortes zu verschlechtern als andersherum.

                C) Mich darüber aufregen, v.a. wenn das häufiger vorkommt. Hätte ich den kein Recht dazu? Vor allem wenn bspw. Leute seit 25 Jahren gegen die Herkunft von Menschen pöbeln, dies dann abstreiten um Wählerstimmen zu gewinnen und einen beschuldigen, keinen Humor zu haben?

                Ein Beispiel (von vielen):
                Matteo Salvini (2009) stimmt den Chor an:
                “Riecht den Gestank bei dem selbst die Hunde fliehen, hier wollen Neapolitaner einziehen“
                Matteo Salvini (2015): “Ich hatte nie etwas gegen Südiataliener oder Neapolitaner, die Medien haben mich ganz falsch dargestellt“ “Und die Beleidigungen?“ “Klar, dass jetzt paar verklemmte Süditaliener das nicht verstehen. Die verstehen nie irgendetwas und wollen sich nur selbstgerecht aufspielen“ (im Interview mit TG 1 zu den Regionalwahlen, nicht wörtlich)

                ersteres Zitat aus:
                http://www.facemagazine.it/25-anni-di-insulti-leghisti-che-il-sud-non-dimentica/

                Ich finde, dass es durchaus Gründe gibt, sich aufzuregen. Was ich manchmal etwas befremdlich finde, wenn andere sich an anderer Stelle statt aufregen. Roberto Blanco war so ein Fall. Neger ist aus gutem Grund nicht mehr so gerne gesehen, aber “wunderbarer Neger“ war gut gemeint und wurde auch richtig verstanden. Meinetwegen kann man jetzt Blanco vorwerfen, dass er ein Hausneger oder Uncle Tom ist oder was auch immer, aber sich für ihn “ersatzaufzuregen“ ist unsinnig und erfolgt wahrscheinlich ausschließlich auf den von dir genannten Gründen. Wobei ein echter “House nigger“ wahrscheinlich dieser Typ ist: https://www.youtube.com/watch?v=hC2jjohThWU

                Übrigens: Ist es nicht so, dass es inzwischen schon eine ganze Industrie dafür gibt, für Leute, die sich darüber aufregen, wie sehr sich die Leute aufregen? Inwiefern soll das bitte besser sein? Das finde ich auch lächerlich: Youtube-Talkshows mit teils miserablen Quellenangaben und noch schlechterer Recherche, aber hunderttausenden Fans, die sich selbstgerecht darüber echauffieren, wie sich selbstgerechte “SJW loser“, wie es dort so schön heißt, über Leute und Ereignisse echauffieren. “Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?“ – Matthäus 7,3

              • ausgesucht schreibt:

                Alle Leute in einen Topf zu werfen ist ‘ziemlich pauschalisierend’. Aber ich kann mir nicht vorstellen, daß einer von uns beiden das täte, zumindest finde ich bislang keine Indizien für einen solchen Vorwurf.

              • Marcello Francé schreibt:

                Tschuldigung, habe “(zumindest mehrheitlich nicht)“ überlesen, dadurch klang die Aussage etwas absolut. Mea culpa.

                Addendum:

                Überhaupt soll man natürlich nicht gleich den Boten erschießen, aber oft macht es schon einen Unterschied, wer was sagt. Wenn ein NEOS-Politiker z.B. davon spräche, Flüchtlinge “konzentriert“ in Lagern unterzubringen, ist das wohl höchstens ein Stirnrunzler wert, wenn es allerdings ein FPÖler wie Kickl ist ( http://www.zeit.de/politik/ausland/2018-01/oesterreich-herbert-kickl-rechtspopulismus-provokation ) sollte man schon in Erwägung ziehen, dass dieser zumindest bereit sein könnte, der Aufmerksamkeitökonomie zu Liebe gleichzeitig Flüchtlinge und NS-Opfer zu beleidigen oder einen ganz schlechten Humor hat (und das ist nicht mal die Schlechtmöglichste Interpretation).

                Naja, wer solche Sprüche wie: „Wie kann einer, der Ariel heißt, so viel Dreck am Stecken haben?“ von Seiten der FPÖ schon lustig findet und dafür wiederum allen Ernstes „Wiener Blut – zu viel Fremdes tut niemand gut.“ (ich dachte, zumindest über die Blut-und-Boden-Ideologie wären wir hinweg + fürchterliche Grammatik)

              • ausgesucht schreibt:

                … wie hatte mein Mathelehrer immer mal wieder gefordert: Geht mal ein Stückchen von der Tafel weg und guck noch einmal, was du da jetzt geschrieben hast.

                Ist Dir bewußt, daß Du ziemlich genau den Wirkmechanismus von Shitstorms (vvlt. sogar von Gutmenscheltum im allgemeinen) skizziert hast? Blöde Frage, ich muß ja davon ausgehen, daß es Dir bewußt sei. Wäre ich es nicht, würde ich mich nicht auf einen Dialog (also was beidseitiges) einlassen. Aber was – Hand aufs Herz – gibt mir/uns das Recht, eine erwartete Eigenschaft oder Reaktion am anderen zu werten? Und nicht nur zu werten, sondern diese eigene(!)Interpretation vollmundig zu verurteilen?

                Im obigen Beispiel, um auf den Ausgangsartikel zurück zu kommen, führt ein menschlicher „Kleiderständer” ein Kleidungsstück vor, das letztlich Geschmacksache (also nicht diskussionsfähig) ist. Wäre eigentlich bei allen Ethnien ein Shitstorm losgebrochen worden? Man weiß es nicht, wahrscheinlich aber wohl eher nicht. Die Assoziation: „Das trifft Schwarze!« ist im Kopf der (späteren) Shitstormer entstanden…

              • Marcello Francé schreibt:

                „Wäre bei allen Ethnien ein Shitstorm losgebrochen worden?“ Das ist doch aber auch ein false balance/ equivalence Trugschluss. Weiße wurden nun mal historisch in der westlichen Welt nicht so häufig mit diesem rassistischen Affenvergleichen konfrontiert. Denn natürlich präsentiert sich der neue Rassismus eben gerade als antirassistisch (eine beliebte Taktik bei vielen Gruppierungen der Neuen Rechten bspw.)

                Ich finde schon, dass man dazu das Recht hat, und wenn nicht, muss man es sich nehmen. Antiautoritär und libertär und anarchistisch schön und gut, aber de facto läuft das menschliche Zusammenleben so einfach nicht ab. Und einfach nicht zu verurteilen kann auch übel enden, wie man am allseits bekannten Niemöller-Zitat sieht. Das Problem sind glaube ich eher die Prioritäten; die m.E. total falsch gesetzt werden.

              • ausgesucht schreibt:

                … und weil meine Tante Frieda an einem Hustenbonbon gestorben ist, sind alle, die ein Hustenbonbon anbieten, a priori eines Mordversuchs verdächtig.

  2. Gelb-warm ist allerdings auch originell, wobei ich sicher bin, dass sowas in bestimmten Kreisen als Thermalwasser gilt … 😉

  3. schlingsite schreibt:

    Dass sich der kleine Bengel, wenn auch vielleicht selbstironisch, über Rassismus mokiert auf Kosten einer vom Aussterben bedrohten Tierart, setzt dem ganzen die Krone auf.

    • ausgesucht schreibt:

      Ja, da stimme ich zu: auch das ist ein Aspekt, den die Ritter und Hofdamen der politischen Korrektheit gern einmal ignorieren, da er ihrer Entrüstung doch wohl ein wenig im Wege stünde.

  4. richardhorn1963 schreibt:

    Es kommt – wie immer – auf den Zusammenhang an. Wo Vertrauen ist und Mitgefühl und Menschlichkeit und Liebe, da darf man „mein Äffchen“ sagen, auch wenn der oder die andere einen Pelz haben sollte.

    Wo Menschlichkeit und Verständnis fühlt, ist auch ein Wort wie „Maximalpigmentiert“ schon rassistisch.

    • ausgesucht schreibt:

      Ja, da nicke ich zustimmend: Vertrauen, Empathie und humanistisches Gut sind ziemlich sicher Schlüsselworte in derartigen „Geschichten”.
      Aber vielleicht liegt gerade da auch die Crux. Ist denn Verständnis nicht im wesentlichen bewußt gewordene Empathie? Betonung auf ‘bewußt’, denn gerade damit scheint es nicht weit her zu sein. Es ist doch viel einfacher, der blökenden Herde blind hörig zu folgen, als den Versuch zu wagen, komplexe Strukturen zu analysieren und daraufhin bewußt einen eigenen Standpunkt zu beziehen…

  5. Papageno schreibt:

    Da las ich heute diesen Artikel:

    http://www.20min.ch/panorama/news/story/-Beruhigt-euch-mal-wieder—28165519

    Ich staune einfach immer wieder, dass es Leute gibt, die sich einfach über ALLES aufregen wollen. Dann fehlt doch die Zeit für anderes….

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