Pest oder Streckschuss

Da der „Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland ‘katastrophale Folgen‘ für die Schweinehalter haben [könnte]”, fordern die buntdeutschen Bauern einen tiefgreifenden Abschuß – man wünscht sich eine Reduzierung um 70 % – von Wildschweinen (Quelle: n-tv). Es gibt sogar ein moralisches Feigenblatt: „Das Leid der Tiere bei einer Jagd sei deutlich geringer als durch die Pest”.
Kann das die Wahrheit sein? Oder heißt ein Teil der Wahrheit: „Das Leid der Bauern bei einer Jagd sei deutlich geringer als durch die Pest”? Und müßte der andere Teil dieser Wahrheit nicht radikal von menschlicher Hybris und selbstherrlichen Moralvorstellungen befreit werden: „Das Leid der Tiere könnte möglicherweise bei einer Jagd geringer sein als durch die Pest”?

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…desillusioniert
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19 Antworten zu Pest oder Streckschuss

  1. mannedante schreibt:

    Wo bleibt das Leid des gefangenen Schweines?

  2. Sven Meier schreibt:

    Moin. Nachdem ich heute diese Nachricht gelesen hatte, konnte ich mich nicht des Verdachts erwehren, dass hinter dieser Forderung rein wirtschaftliche Interessen stecken.

  3. chris schreibt:

    Die Nachricht gestern ist mir auch übel aufgestoßen.
    Aber die lieben Jäger schießen in Wald und Feld
    ohnehin so ziemlich auf alles, was kreucht und
    fleucht. Es würde mich also gar nicht wundern,
    wenn sich hier wirtschaftliches Interesse der
    Bauern aufs vorzüglichste mit der Mordlust
    der Jägerschaft verbündet…

    • ausgesucht schreibt:

      Nun ja, pauschal von Mordlust zu schreiben, sehe ich als leicht übertrieben an. Aber ein Glücksfall dürfte für so manchen Hubertusjünger durchaus sein, wie wirtschaftliche Interessen mit blutigem Lustgewinn aktuell zusammenpassen. :mrgreen:

  4. Tom Hansmann schreibt:

    Danke – die Wahrheit ist ja bekanntlich eine Falle. Ich empfehle dazu http://www.zeit.de/2018/03/afrikanische-schweinepest-wildschweine-ausbreitung-sven-herzog-interview

    • ausgesucht schreibt:

      Wenn ich mal ganz viel Zeit habe, suche ich einen Artikel heraus, den ich hier mal hinterlegt habe. In dem geht es darum, daß Wahrheit außerhalb abstrakter Konstrukte allerhöchstens eine Konvention (einer tonangebenden Mehrheit) ist. Oder ggf. auch einen anderen, der den Tenor hat: Es gibt keine Wahrheit. ^_^

  5. lawgunsandfreedom schreibt:

    Hm – einerseits haben wir viel zu viele Wildschweine. Das liegt daran, daß die Bauern „Feldfrüchte“ anbauen, die die Schweine besonders gerne mögen. Mais zum Beispiel. Da wandern die Säue im Frühjahr in’s Feld und kommen erst wieder raus, wenn geerntet wird. Das verursacht beträchtlichen Schaden, den die Jäger/Hegeringe zahlen müssen.

    Wenn man sich den Anstieg der Wildschweinpopulation ansieht – das korreliert sehr schön mit der Veränderung der Anbaugewohnheiten der Bauern. In den 80ern wurden in Bayern rund 8.000 Schweine jährlich erlegt. Inzwischen ist man bei 25.000 und die Population wird nicht geringer.

    Die Jäger dagegen können gar nicht so viel schießen, wie sie sollen. Es gibt nämlich behördliche Abschußpläne, die – vor allem in Bezug auf die Wildschwein-Population – gar nicht erfüllt werden können. Beim Kampf gegen die Überpopulation der Schweine verlieren zur Zeit die Jäger und die Wald-/Feldbauern. Es gibt nämlich gar nicht genügend Jäger um die Schweinepopulation erfolgreich zurückzudrängen.
    https://www.ksta.de/region/rhein-berg-oberberg/zerstoerungen-in-wohngebieten-wildschweine-erobern-die-gaerten-in-rhein-berg-28368170

    Letztens: So eine Wildsau, die ist schlau. Die Bache schickt einfach einen Überläufer (Jährling) vor. Wenn’s keinen Knall tut und das Jungschwein umfällt, dann kommt die ganze Rotte (immer noch vorsichtig) nach. Die Jäger haben aber auch nicht viel freies Schußfeld. Im Wald sind freie Flächen eher rar. Und wenn die Rotte vom Wald ins leckere Maisfeld wechselt, dann hat es grade mal 2–2,5 Meter Feldweg. Das reicht für einen, hoffentlich guten, Schuß.

    Und allerletztens: Die Preise für Wildschwein sind im Keller. Ist zwar lecker, aber keiner kauft es.

    • ausgesucht schreibt:

      Gut, richtig gut. Und gute Hintergrundinformationen sind nun mal Gold wert.

      Aber sag selbst, bist Du über die eigentliche Ursache nicht zu schnell hinweggegangen? Du hast ja selbst beschrieben, daß wir, die Menschen, in das Populationsgleichgewicht (nicht nur bei Wildschweinen) massiv eingreifen. Natürlich kann man versuchen, über Abschußquoten wieder ein Gleichgewicht dort zu stabilisieren, wo es unseren Finanzinteressen am besten entspricht, aber wäre eine grundlegende Lösung nicht zu favorisieren, die langfristig nicht nur den einen „schweinischen” Nebeneffekt hätte, sondern unserer Umwelt, also letztlich doch wieder uns selbst hülfe?

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Tjä – der Mensch greift seit Jahrzehntausenden in die Natur ein. Alle großen Raubtiere in Westeuropa (und anderen Teilen der Welt) hat er weitgehend ausgerottet und mußte dann die Rolle des Raubtieres übernehmen. Jetzt werden halt „Energiepflanzen“ angebaut (die in Biokraftwerken Gas, Strom und Wärme erzeugen), die für eine Explosion der Population bei den Wildschweinen sorgen.

        Was würde unserer Umwelt helfen? Ansiedelung von Raubtieren, die die Rehe und Schweine kurz halten sollen? Auch Raubtiere sind nicht blöd und so eine Wildsau (bzw. eine ganze Rotte) ist ausgesprochen wehrhaft. Also werden sich Raubtiere an leichtere Beute halten. Weidevieh, Rehe, Hunde, Waldspaziergänger …

        Unsere Kulturlandschaft (und 98% der Landschaft in Deutschland sind vom Menschen geprägt) kann man nicht so rückbauen, daß es wieder ein natürliches Gleichgewicht gibt. Denn das wäre eine Natur ohne den modernen Menschen. Die Eingriffe sind längst so schwerwiegend und weitläufig, daß sie permanent sind. Selbst wenn der Mensch von heute auf morgen verschwände … es würde viele Jahrtausende dauern, bis sich wieder so etwas wie ein „natürliches Gleichgewicht“ einstellte.

        Der Mensch™ ist zu gierig und zu kurzsichtig, als daß ich eine gesunde, natürliche Entwicklung erwarten könnte. Das erfordert Vernunft, Konsens und den Willen zum Verzicht. Von diesen 3 Eigenschaften gibt’s auf dieser Welt zu wenig. Mag sein, daß ich da zu pessimistisch bin. Ich halte meine Einschätzung allerdings für realistisch.

        • ausgesucht schreibt:

          Langsam wird’s langweilig: unsere Weltsichten sind sich auf gar schröckliche Art sehr ähnlich. 😉
          Aber glücklicherweise bleiben doch noch Reibungspunkte. 🙂
          Ist Dir aufgefallen, daß der letzte Absatz in Deinem Kommentar nur so vor Skepzis gegen die eingangs erwähnte Veränderung/Erhöhung der Abschußquote strotzt? Diese braucht Vernunft, Weitblick und Feingefühl, aber – ich zitiere –: »Der Mensch™ ist zu gierig und zu kurzsichtig, als daß ich eine gesunde, natürliche Entwicklung erwarten könnte. Das erfordert Vernunft, Konsens und den Willen zum Verzicht. Von diesen 3 Eigenschaften gibt’s auf dieser Welt zu wenig«.

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