Doppelbelastung

Die letzten Tage – ach nein, es sind ja schon Wochen – waren schwierig. Der Herr Vater liegt im Krankenhaus, die Frau Mutter ist allein zu Haus. Das allein ist zwar schon schwierig, aber durchaus noch zu meistern, trilateral, versteht sich, einer muß es ja „moderieren”. Also gut, da das ja noch läppisch einfach ist, erhöhen wir mal den Schwierigkeitsgrad: Die Dame des Hauses ist soweit dement, daß man sie beim besten Willen nicht mehr allein lassen kann.
Also los, ab in die Kurzzeitpflege! Welche Kurzzeitpflege? Na die, die gnädigerweise erst Ende April oder vielleicht Anfang Mai eine Stelle anbieten kann. Oder die, die zwar Verständnis für die prekäre Situation hat, aber beim besten Willen nichts tun kann? Oder vielleicht doch eine von den übrigen x Pflegestellen, die allesamt nix ausrichten können?
Warum ich selbst keinen Pflegeurlaub nehme? Eifrige Leser dieser Sammlung von Textschnipseln, die höchstens eine angedeutete Ähnlichkeit mit Blogs hat, wissen es, daß das Ergattern meiner gegenwärtigen Arbeitsstelle nur rund drei Jahre gedauert hat; wie wird man sich da freuen, wenn ich gleich nach den ersten drei Wochen erst mal auf unbestimmte Zeit nicht mitwerkeln kann…
Am Freitag ergab sich durch kräftiges Zutun der Sozialkraft, die per Eilantrag – beim Herrn Vater ist auch eine Demenz nachgewiesen worden – einen geschmeidigen Übergang in ein Pflegeheim zu erwirken sucht (für ihn, wohlgemerkt, an seine Frau wurde bis dahin kein Gedanke verschwendet), eine vage Möglichkeit, auch die Dame des Hauses in einer Kurzzeitpflege zu versorgen (also zwei getrennte, aber immerhin etwas Zeit, um eine finale Pflegelösung für beide zusammen anzugehen). Die Gelegenheit beim Schopfe packen und für sie den Pflegevertrag zu unterschreiben war eins. Montag sollte der Umzug ins vorläufige Pflegeheim stattfinden. Aber, das wäre ja zu einfach gelaufen.
Am Samstag durfte ich gleich mal den Notarzt holen, der Frau Mutter umgehend mit ins Krankenhaus (eine Nacht auf der Intensivstation) nahm und erst mal dabehalten möchte. Von den Ärzten ist keiner zu sprechen. Schon gar nichts zu Anfangsdiagnose, Therapie­plan, vermutlicher Verweildauer. Lohnt es sich, den Kurzzeitpflegeplatz bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus festzuhalten? Wird Frau Mutter den Übergang von Krankenhaus in ein unbekanntes (und in lichten Momenten ungeliebtes) Pflegeheim überhaupt verkraften? Das Argument, daß es nur für wenige Wochen sei (bis ihr Mann aus dem Krankenhaus entlassen werden kann), greift nicht, da abstrakte Maße schon längst an Bedeutung für sie verloren haben…

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Über ausgesucht

…desillusioniert
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12 Antworten zu Doppelbelastung

  1. finbarsgift schreibt:

    Die Dinge des Lebens können sich auch verdammt zuspitzen!
    Ich wünsche dir Glück …

  2. Chantao schreibt:

    Da es mir um die Weihnachtsszeit ähnlich erging, ausser es war beim Herrn Vater der Verdacht auf (Beckenbruch, Schmerzmittel zu hoch eingestellt, Stationsarzt läppisch zu Frau Mutter: Demenz-Anfangs-Verdacht) …. Habe ich doch etwas überlesen: Nach 3 Jahren kein Narrenhagen mehr ?

    • ausgesucht schreibt:

      Oh, da hat jemand aufgepaßt und mitgezählt. 🙂
      Die Wahrheit ist, daß Narrenhagen allgegenwärtig ist (die wenigen wohltuenden Ausnahmen wollen wir mal an dieser Stelle geflissentlich übersehen, nicht wahr). Gegen Narrenhagen anzuschreiben, ist, wie gegen Windmühlen zu kämpfen. Deshalb habe ich dieses „Projekt” erst einmal auf Eis gelegt…

      • Chantao schreibt:

        Ich hoffe es führt nicht zu Datenschutzverletzungen, wenn ich vielleicht einmal (ich weiß es aber nicht genau, weil momentan nichts anliegt 😉 ) den Begriff von „Narrenhagen“ vielleicht in abgewandelter Form einmal für meins eigenes Blog ausschlachte.

        Ich tu‘ das ja eigentlich nicht auf dem eigenen Blog. Irgendwer, der sich angesprochen fühlt, könnte dort lesen 😉 Natürlich auch hier, aber auf was Eigenem ist doch zu sehr mit der Nase drauf.

        • ausgesucht schreibt:

          Keine Bange, „Narrenhagen” ist keine geschützte Marke. Es ist nicht einmal schutzfähig, da Narrenhagen überall ist. Nimm diesen Begriff und mach ihn populär – je mehr Leser, desto besser. Das Gebot der Stunde ist Aufklärung, das Gebot jeder Stunde… ^^

  3. Bert schreibt:

    Da kann man echt nur die Daumen drücken.

  4. Chantao schreibt:

    Ja, und ich drücke den/die ganze Ausgesucht und hoffe, dass ich damit nicht gegen MeeToo verstoße.

    • ausgesucht schreibt:

      Ach nein, Du hast es ja selbst geschrieben: #meetoo ist ein Nebenkriegsschauplatz, der sich wunderbar einsetzen läßt, um von ernstlichen Problemen nach Belieben ablenken zu können… :/

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