ÜberDenken

Woher kommt es, daß so viele Irrtümer grassieren? Handelt es sich um eine zu komplizierte Materie oder um Bequemlichkeit, einmal Aufgeschnapptes kritiklos zu wiederholen, oder um „vererbte”, aber nie durchdachte Vorlesungsmitschriften?
Mitunter gelangt man zu erstaunlichen (Denk-) Ergebnissen, wenn man sich mal die Mühe macht (was sag‘ ich da - wenn man sich das Vergnügen gönnt), hinter der schimmernden Fassade den „tieferen” Sinn zu suchen:

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32 Antworten zu ÜberDenken

  1. Tom schreibt:

    „Für andeutungsreiche, beziehungsvolle Denkfiguren, für den Ausdrucksreichtum des Nichtgesagten, für stilistische Feinheiten, für trennscharfe begriffliche Distinktionen mit ihren Obertönen fehlt es heute in sehr weiten Kreisen an Organen, alles muß eingängig und gestanzt geboten werden.“ (Arnold Gehlen, „Die Seele im technischen Zeitalter“, 1957)
    Hier irrte Arnold, denn das war schon IMMER so.

  2. adherer schreibt:

    Für einen tieferen Sinn kann ich da nur den Leitartikel meines Blogs empfehlen: http://adherer.wordpress.com/bestimmung-schoepfung/

    Das wird bestimmt helfen ^^

  3. hinnerman schreibt:

    Es liegt meiner Einschätzung nach daran, dass es in der modernen Welt einfach kaum Möglichkeiten gibt, aus Feedback zu lernen. Wer soll da noch wissen, was stimmt und was nicht?

    Wer über den warmen Leib der Kuh spricht, hat sie vielleicht noch nie gestreichelt… Und trotzdem spricht er darüber? Warum?

    Vielleicht, weil die Kultur heute ist, zu allem eine Meinung haben zu sollen, etwas beizusteuern, denn wer das verweigert, gilt zu leicht als introvertiert in einer extrovertierten Welt. Als uninteressant. Und bei den vielen, die sehr gern etwas reden, hört niemand den Schweigenden zu. Man sollte sie fragen, anstatt denjenigen zu lauschen, die reden, nur, damit irgendetwas gesagt ist.

    • sinnsucht schreibt:

      O, ein interessanter Artikel. Vielen Dank dafür 🙂
      Und ganz nebenbei hast Du ein sehr interessantes Alternativmodell unserem hektisch-oberflächlichen Alltag gegenübergestellt. Wie schätzt Du dessen Realisierungswahrscheinlichkeit ein: Bereitschaft zuzuhören, anerkennen als Alternative, Bereitschaft zum Ändern etc. etc. etc.?

    • fifteenfeet schreibt:

      Du sprichst mir aus der Seele…

    • Thomas Beller schreibt:

      Finde ich auch interessant. Reden über Dinge, von denen man im Prinzip keine Ahnung hat, ohne es aber (scheinbar) selbst zu merken.

      Beim Fischen geht das sogar manchmal so weit, dass jemand mir Tipps geben möchte, obwohl er auf Anfrage zugibt, dass er nichts gefangen hat, während bei mir am Platz beispielsweise ein gefangener Zander liegt.

      Denkt so jemand, um auf das im Beitrag genannte Beispiel zurückzukommen dann wirklich, er/sie kennte den warmen Leib der Kuh? Ist das entfremdet, oder wissen die eigtl. schon, dass sie es eigentlich nicht wissen?

      Wo ich nicht ganz mitgehen kann, das sind die Verallgemeinerungen, zu denen ich allerdings auch oft neige: „Alle“ machen das jetzt so, oder wie hier „hört niemand den Schweigenden zu.“ Es sind ja immer nur wenige gewesen, die wirklich aufbrechen und ihr Leben sozusagen der Erkenntnis widmen. Ich würde sagen, heute nicht weniger als zu allen Zeiten.

      • ausgesucht schreibt:

        Prinzipiell ist wenig gegen Verallgemeinerungen einzuwenden – immerhin machen sie manche Reden kürzer. Aber es wäre nicht nur schön, sondern auch ungemein nützlich, wenn das Denken dabei offen für die Umwelt bliebe. Nur leider hapert es in diesem Punkt doch allzu oft… 😉

        • Thomas Beller schreibt:

          Vielleicht liegt auch bei denen, die etwas mehr denken, oft ein Fehler darin, sich durch selbiges nun irgendwie besonders zu fühlen bzw. über andere zu erheben. Jedenfalls beobachte ich das nicht selten. Und dann hilft auch alles Denken wieder nichts… 😉

          • ausgesucht schreibt:

            Da ist was dran! Aber auch die entgegengesetzte Blickrichtung hat ihren Reiz: „Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz!“ (Klaus Kinsky) 😀

            • Thomas Beller schreibt:

              Stimmt….da kommt dann wieder der Punkt des „einfach mal Zuhörens“ ins Spiel. Wenn dann noch der Denkende in der Lage ist zu vermitteln, ja…dann hätten wir`s vielleicht 😀

              • ausgesucht schreibt:

                Da sagst’e was! Viele, die gute Gedanken haben, können sie wirklich nur mühsam vermitteln. Und dann gibt’s noch Dampfplauderer, die aber kaum (brauchbare) Gedanken auf der Pfanne haben. 🙂

  4. hinnerman schreibt:

    Ich kann keine Wahrscheinlichkeit dafür einschätzen… die Informationsübersättigung heute führt ja eher dazu, dass man weniger zuhören will. Also ist für mich eine individuelle Lösung, selektives Zuhören zu lernen.
    Das hat viele Vorteile; gute Zuhörer sind unheimlich beliebt und lernen – offensichtlich – mehr, indem sie ihr eigenes Gedankennetzwerk erweitern.
    Anderen kann man so etwas kaum „beibringen“. Mit einer fremden Meinung konfrontiert, die der eigenen widerspricht, tendiert nach meiner Erfahrung so gut wie jeder Mensch dazu, seine eigene zu verteidigen. Es kann nur jeder für sich lernen und die Vorteile guten Zuhörens – ein Informationsvorteil beispielsweise im Geschäftsleben – ausspielen.
    Am Beispiel des Erfolgs der „Zuhörer“ werden dann vielleicht auch andere mehr dazu übergehen, eine Zuhörtaktik beim Reden an den Tag zu legen, anstatt immer nur zu Warten, wann sie reden dürfen.
    Aber unter Umständen liege ich auch falsch, und ein schlauer Mensch hat dafür längst eine Lösung 🙂

    • sinnsucht schreibt:

      Ich fürchte, daß, wenn „ein schlauer Mensch … längst eine Lösung hätte“, diese für die Mehrheit seiner Mitmenschen vollkommen unpraktikabel wäre und folglich unerhört bliebe… 😉

      • hinnerman schreibt:

        Dann gibt es zwei Möglichkeiten
        1. Der schlaue Mensch ist nicht schlau genug.
        2. Er ist ein Egoist und will den Informationsvorteil für sich ausnutzen. Ein hinterhältiger, reiner Zuhörer 😉 Somit sind wir also beim nächsten Problem.
        Frei nach Popper: Alles Leben ist Problemlösen.

        • sinnsucht schreibt:

          Vermutlich gibt es mehr als „zwei Möglichkeiten“. Vielleicht auch diese: Die Lösung ist außerordentlich schlau, aber in der Realität einfach nicht umsetzbar. Beispiel: Damit die Frösche des Teiches nicht immer von den Störchen gejagt werden, bräuchten die Amphibien eigentlich nur ihrerseits Störche zu werden…

  5. Kennzeichen E schreibt:

    Hallo, vielen dank für deinen like bei meinem Artikel.

    Gruß eddi

  6. fatalfraktal schreibt:

    Wer nicht selbst bereit ist zu irren, muss unter den Irrtümern der Anderen leiden.
    Ist wohl oft auch bequem, wenn Andere Schuld sind…..

  7. bertrandolf schreibt:

    Ich geb mal einen Tipp zu den Irrtümern: http://de.wikipedia.org/wiki/Diskursanalyse#Diskursanalyse_in_Anlehnung_an_Foucault
    oder ausführlich: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Ordnung_des_Diskurses
    Nachdem ich das gelesen hatte, hab ich verstanden warum es immer Irrtümer gibt und diese reproduziert werden.

    • ausgesucht schreibt:

      … aber auch nach Foucault grassieren die Fehler, was nun? 😉

      • bertrandolf schreibt:

        Durch den Diskursausschluss und die Diskursanalyse habe ich die Antwort auf die Frage „Woher kommt es, daß so viele Irrtümer grassieren?“ bekommen. Vielleicht mit den 4 edlen Wahrheiten verbinden. 1. Es gibt Irrtümer. 2 Die Ursache ist der Diskursausschluss 3. Erlösche die Ursache und es erlöschen die Irrtümer. 4. Such den Weg zum Erlöschen der Ursachen 🙂

  8. Thomas Beller schreibt:

    Ich habe zu dem Thema Denken gerade George Steiners „Warum Denken traurig macht“ (Suhrkamp) gelesen. Ein wunderbares Buch, weil es so schön zeigt, dass im Denken zwar einerseits das Höchste liegt, was der Mensch erreichen kann. Andererseits zeigt Steiner aber diverse Schwierigkeiten auf wie beispielsweise die Unmöglichkeit, etwas unbestreitbar oder unwiderlegbar Wahres zu sagen. Oder dass uns kaum einmal ein wirklich origineller Gedanke kommt, der so nicht schon gedacht worden ist. Und dass wir letztendlich auf die entscheidenden Fragen des Menschseins keine Antworten finden, bestenfalls Annäherungen. Sehr spannend, fand ich.

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